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Osteuropawissenschaften : Tradition auch in Gießen

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Nach dem Umzug der Osteuropawissenschaften von Marburg nach Gießen sind an der Universität Gießen zwölf Professuren für Slawistik, Osteuropageschichte, Turkologie, Wirtschafts-, Rechts- und Politikwissenschaft unter dem Dach des Zentrums vereint.

          Sie sind nicht in Kartons verpackt, sondern stehen ausleihbereit im Magazin der Uni-Bibliothek: 60.000 Bände mit der Signatur „MSla“ auf dem Rücken, ehemals Eigentum der Marburger Slawistik und nunmehr im Besitz der Gießener Universität. Der Vorwurf des früher in Marburg tätigen Osteuropahistorikers Stefan Plaggenborg, die Bücher könnten in Gießen nicht genutzt werden, wäre somit entkräftet. Plaggenborgs Kritik an der Verlagerung der Osteuropawissenschaften von Marburg nach Gießen ging allerdings noch weiter: Das ganze Unternehmen sei unsinnig, weil damit in Marburg seit langem bestehende und bewährte Strukturen zerstört würden, hatte der Russland-Fachmann Ende vergangenen Jahres im Feuilleton der F.A.Z. geschrieben.

          Der Marburger Universitätspräsident Volker Nienhaus will sich gegenüber der Rhein-Main-Zeitung nicht zu den Angriffen des Professors äußern. Anders sein Gießener Kollege Stefan Hormuth: Er weist Plaggenborgs Vorwürfe zurück. Auch Gießen habe eine lange Tradition in der Osteuropaforschung, meint der Präsident. Er erinnert an den renommierten Historiker Herbert Ludat, der von 1956 bis 1978 an der Liebig-Universität lehrte, und verweist auf die seit langem bestehenden Partnerschaften mit den Universitäten im polnischen Lodz und im russischen Kasan. Angesichts solcher Voraussetzungen sei es richtig gewesen, in Gießen ein Osteuropazentrum einzurichten.

          Die Hochschule habe sich zu diesem Schwerpunkt bekannt, indem sie die Zahl der Professuren für Slawistik und Osteuropäische Geschichte erhöht habe. Was noch ausstehe, sei der Beweis der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit des interdisziplinären Zentrums, das 2006 gegründet wurde. Er sei aber zuversichtlich, dass sich die Einrichtung bewähren werde, sagt Hormuth: „Der Erfolgsdruck ist enorm, schon wegen der öffentlichen Aufmerksamkeit.“

          Zwölf Professuren für Slawistik, Osteuropageschichte, Turkologie, Wirtschafts-, Rechts- und Politikwissenschaft sind unter dem Dach des Zentrums vereint. Dessen geschäftsführende Direktorin Monika Wingender hätte es gerne gesehen, wenn die Osteuropafächer auch in Marburg und Frankfurt erhalten geblieben wären. Doch die Zentrenbildung sei schon allein wegen der Einführung der personalaufwendigen Bachelor- und Masterstudiengänge unvermeidlich gewesen. „Da können kleine Fächer nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie sich zusammentun.“ An der Art, wie der Prozess in Gießen vorangetrieben wurde, hat Wingender nichts auszusetzen: Nachdem die Pläne bekanntgegeben worden seien, habe die Uni-Leitung sie „zu jeder Entscheidung hinzugeholt“.

          Weniger glücklich über das Procedere waren die Marburger Studenten, die nach der Abwicklung ihres Faches in Gießen weiterlernen sollten. Das Institut sei zu schnell geschlossen worden, moniert Juko Marc Lucas vom Marburger AStA. Einige Kommilitonen hätten sich juristisch gegen den Umzug gewehrt, weil ihnen die Fahrt nach Gießen unzumutbar erschienen sei. Das aber sahen die Verwaltungsrichter anders: Sie wiesen die Klage ab.

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