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Frankfurt gestalten : Zukunftslabor für das Bahnhofsviertel

Der Künstler Oskar Mahler in seinem ehemaligen Hammer-Museum an der Münchener Straße. Bild: Wonge Bergmann

Oskar Mahler betreibt in der Kaiserpassage das Stadteilbüro „Rote Treppe“. Dort treffen sich Bürger, die das Bahnhofsviertel gestalten wollen. Im Keller des Büros hat Mahler eine Chronik des Stadtteils erstellt, die öffentlich zugänglich ist.

          Er ist unermüdlich und schon lange festverwurzelt. Oskar Mahler wirbt beständig für ein attraktives Bahnhofsviertel und ist dort selbst seit Jahren eine Institution. Als am Stadtteil interessierter Bewohner, Künstler und früherer Vorsitzender des Gewerbevereins, vor allem aber als Begründer des Hammer-Museums hat der Sechsundsechzigjährige sich den Ruf eines Stadtteilkenners erworben. Mit der „Roten Treppe“ betrieb Mahler zudem in der Kaiserpassage, bis zu deren Sanierung, einen Galerieraum. Jetzt hat die „Rote Treppe“ wieder geöffnet: als eine Art Stadtteilbüro für das Bahnhofsviertel.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Einkaufspassage zwischen Kaiser- und Taunusstraße war im Februar fertig saniert und mit neuen Geschäften wiedereröffnet worden. Mahler durfte sein bisheriges Ladenlokal weiter nutzen. Auch eine rot gestrichene Treppe ist wieder vorhanden und bleibt somit namensgebend. Allerdings ist es nicht mehr die frühere metallene Wendeltreppe, die in den Keller und ins Obergeschoss führte. „Die passte nach der Sanierung nicht mehr“, sagt Mahler. Doch der Eigentümer der Einkaufspassage hat für eine rote Ersatztreppe gesorgt.

          Den Standort an zentraler Stelle unweit des Hauptbahnhofs will Mahler künftig multifunktional nutzen: als Anlaufstelle für Bürger, die sich für das Viertel interessieren, sich dafür engagieren und einsetzen sowie Ideen und Visionen für eine Aufwertung des Quartiers entwickeln wollen. „Ein Zukunftslabor für den Stadtteil“, sagt Mahler. Auch für Vertreter anderer sozialer und kultureller Einrichtungen könne das Ladenlokal zum Treffpunkt werden, meint Mahler, wobei mit seiner Person eigentlich schon wichtige Institutionen vertreten sind, denn er gehört auch dem örtlichen Vereinsring, dem Regionalrat, der Initiative Werkstatt Bahnhofsviertel und dem Gewerbeverein an.

          Lob von Oberbürgermeister Feldmann

          Das Obergeschoss der „Roten Treppe“ könnte als Büro, Gesprächsraum und Planungswerkstatt genutzt werden. Im Untergeschoss sollten die Bestände seines privaten Bahnhofsviertel-Archivs unterkommen und öffentlich zugänglich sein, sagt Mahler, der eine Chronik des Stadtteils erstellt hat und diese immer wieder aktualisiert. Von seinem Stützpunkt aus will der engagierte Fürsprecher des Viertels auch wieder Besucher durch den Stadtteil führen. Diesem umfassenden Engagement zollte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) jüngst beim Besuch der neuen Räume Lob. „Dies ist ein Ort für Visionen zur Zukunft des Stadtteils“, sagte Feldmann.

          So könnte ein Ersatz entstehen für das bisherige Stadtteilbüro, das zum Jahreswechsel geschlossen wurde. Das zunächst an der Moselstraße und dann an der Gutleutstraße ansässige Büro war im Rahmen des städtischen Förderprogramms für das Bahnhofsviertel eingerichtet und gut zehn Jahre als Ideenlabor betrieben worden. Das dort ausgestellte vier Quadratmeter große Stadtteilmodell, das jedes Haus des Viertels zeigt, hat sich Mahler gesichert, als das Büro aufgelöst wurde. Es ist nun im Erdgeschoss der „Roten Treppe“ ausgestellt. Die Eingangsebene des Ladens will Mahler weiter als Galerie nutzen. Zudem will er dort ein Konzentrat seines ehemaligen Hammer-Museums präsentieren. Die einzigartige Sammlung von rund 1500 Hämmern jeglicher Art und Größe hatte Mahler seit 2005 im Zwischengeschoss einer Schuhmacherei an der Münchener Straße ausgestellt.

          Das originelle Museum war Ziel vieler Touristen. Ende März musste es schließen, weil die Tragkraft des Zwischengeschosses nach Ansicht eines Statikers nicht ausreichte. Die Sammlung wird aufgelöst, lediglich eine Installation aus 100 Hämmern will Mahler künftig in der „Roten Treppe“ präsentieren. Die reduzierte Auswahl reiche ihm, um auch künftig Besuchern seine „Hammer-Story“ über die exotische Sammlung von Schlagwerkzeugen erzählen zu können.

          Voraussichtlich von Juni an soll die Hammer-Ausstellung in der Kaiserpassage präsentiert werden. In der „Roten Treppe“ will Mahler werktags von 10 bis 18 Uhr anwesend sein. Sollte das einmal nicht der Fall sein, hängt an seiner Ladentür die Botschaft: „Bin kurz im Bahnhofsviertel unterwegs.“

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