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Orientalistik : Warten auf die Bibliothek

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„Es läuft ausgezeichnet“, sagt Walter Sommerfeld, Koordinator des Marburger Zentrums für Nah- und Mitteloststudien. Im Dezember hat die Einrichtung ihr Domizil in der ehemaligen Kinderklinik bezogen.

          „Es läuft ausgezeichnet“, sagt Walter Sommerfeld, Koordinator des Marburger Zentrums für Nah- und Mitteloststudien. Im Dezember hat die Einrichtung ihr Domizil in der ehemaligen Kinderklinik bezogen. Die „Wunden“, die der Beschluss zur Zusammenlegung geschlagen habe, verheilten langsam, meint der Altorientalistik-Professor. Nach anfänglichen Protesten gebe es nun viel positive Resonanz.

          Klagen kämen nur von jenen zwei Dritteln der rund 40 Studenten aus Gießen, die aus persönlichen Gründen oder weil bestimmte Fächerkombinationen in Marburg nicht möglich seien, pendeln müssten. Auch wenn der neue Standort zentral liegt, kostet die Fahrerei viel Zeit und Energie. Die Ausstattung des Orientzentrums, in dem man unter anderem rund 600 arabische Fernsehsender ansehen kann, scheint dagegen gut angenommen zu werden. Was noch fehlt, ist die eigene Bibliothek, die im Laufe des Jahres in einem Nebengebäude eingerichtet werden soll.

          Beschlossene Sache ist der Umzug von rund 40.000 Bänden aus Frankfurt nach Marburg: Am 11. Februar wird, bis auf die Handapparate, der erste Teil der Orientbibliothek an der Goethe-Universität zusammengepackt. Doubletten und notwendige Titel sollen in Frankfurt bleiben, angeschafft oder kopiert werden. Die Verlagerung der Frankfurter Bibliothek ruft Unmut hervor: Die verbleibenden knapp 40 Frankfurter Studenten der Orientalistik erinnerten daran, dass man ihnen garantiert habe, sie könnten das Studium bei ihrem Professor Hans Daiber beenden. Dazu aber benötige man eben auch eine Bibliothek – abgesehen davon, dass andere Fächer auf den Frankfurter Bestand zurückgreifen müssten.

          In Marburg, wo bald die mit 100.000 Bänden drittgrößte Orientbibliothek Deutschlands entstehen wird, sind mittlerweile 97 statt zuvor 35 Studenten eingeschrieben. Nicht nur die Kollegen in anderen Städten beobachten laut Sommerfeld neugierig die Entwicklung des Marburger Zentrums. Das Angebot locke auch Erstsemester aus ganz Deutschland an. Vormals zwei, nun sechs Professoren, insgesamt 20 Lehrende arbeiteten fächerübergreifend zusammen, die Betreuungsrelation sei sehr gut.

          Nun könne eine zeitgemäße Ausbildung geboten werden, die den ökonomischen und politischen Herausforderungen des islamischen Kulturraumes Rechnung trage, ohne die guten Traditionen der deutschen Orientalistik zu vernachlässigen. Schwierig sei allerdings die Besetzung der neuen Professuren für Wirtschaft und Politik des Nahen und Mittleren Ostens. Ein Juniorprofessor für Wirtschaft werde jetzt berufen. Alle neuen Stellen, auch die einer Geschäftsführerin, werden durch die zusätzlichen Mittel des Landes finanziert – bis 2010. Wie es dann weitergeht, ist noch offen.

          Wim Raven, der einzige Dozent, der von Frankfurt nach Marburg gezogen ist, lobt das Betriebsklima und die Arbeitsatmosphäre. Wenn ihn Kollegen bedauern, weil er in die „Provinz“ gewechselt sei, kann er nur lachen. Die Hauptsache sei doch, auf die Bedürfnisse der Studenten und Mitarbeiter besser eingehen zu können – und das gelinge in Marburg.

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