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Radrennen Eschborn-Frankfurt : „Du kriegst den Tausender“

  • -Aktualisiert am

Tradition: Neben den Profis gehen beim Klassiker Eschborn–Frankfurt stets auch Hunderte von Freizeitsportlern auf die Strecke. Bild: Wonge Bergmann

Bernd Moos-Achenbach, einer der Gestalter des Radklassikers „Eschborn-Frankfurt“, über die Anfänge des Rennens, über Geldbündel in Zeitungspapier und die Absage im Jahr 2015.

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          Herr Moos-Achenbach, zum 60. Mal nehmen die Rennfahrer an diesem Sonntag den Radklassiker Eschborn-Frankfurt, das einstige Henninger-Rennen, in Angriff. Wie viele Ausgaben haben Sie seit 1962 verpasst?

          Zwei, als ich während meiner Kochausbildung im Ausland war. Sonst war ich immer dabei.

          Ihr Vater Hermann und ihr Onkel Erwin Moos haben das Rennen gegründet und jahrzehntelang organisiert, ehe Sie von 2002 bis 2017 übernahmen. Was sind Ihre frühesten Erinnerungen an den Renntag?

          Bei der ersten Austragung war ich acht Jahre alt. Da durfte ich als kleiner Bub auf dem Lautsprecherwagen mitfahren. Die ganze Familie ist am 1. Mai morgens immer ins Braustübl im Keller der Henninger-Brauerei gefahren. Dort gab es dann Fleischwurst, Senf und Wasserweck. Viele Rennfahrer kamen da auch vorbei. Am Tag zuvor hatte es Gespräche mit allen Mannschaftsleitern gegeben – die hatten meist nicht genug Geld dabei, um das Hotel für alle ihre Fahrer zu bezahlen. Da hatte dann meine Mutter immer ihren Auftritt.

          Inwiefern?

          Sie hatte in den Tagen zuvor in der Bank immer große Mengen Bargeld abgehoben. Bestimmt etwa 200 000 Mark. Die Scheine hat sie mit Zeitungspapier umwickelt und in Plastiktüten gesteckt. Das falle am wenigsten auf, wenn sie mit solchen Beträgen herumlaufe, hat sie immer gesagt.

          Nach welchen Kriterien wurde das Geld unter den Mannschaften und den Fahrern verteilt?

          Mein Vater saß vor einem Schreibblock mit den Namen der Teams und einem Betrag, den sie als Antrittsprämie bekommen sollten. Da wurde freilich noch richtig gefeilscht. Dann hat mein Vater oft gerufen: Agnes, gib mir bitte noch mal was. Und meine Mutter hat wieder ein paar Scheine ausgepackt. Am Tag nach dem Rennen saß mein Vater wieder im Braustübl mit den Teamchefs. Und dann hat er beispielsweise gesagt: Ihr habt nur mit vier Fahrern das Ziel erreicht – dafür kriegt ihr keine 500, sondern nur 400 Mark. Es wurde praktisch nach Leistung und Engagement im Rennen bezahlt.

          Der deutsche Rad-Star der Sechziger, Rudi Altig, hatte mal einen besonderen Handel am 1. Mai abgeschlossen.

          Während heute alles vertraglich geregelt ist, waren damals spontane Motivationsspritzen durchaus mal möglich. Der Rudi forderte 1970 neben dem Betrag für seine Mannschaft 1000 Mark Antrittsprämie für sich extra. Da hat mein Vater gesagt: Du kriegst den Tausender – wenn du morgen gewinnst. Dann hat der Rudi gesagt: Okay, ich fahre und gewinne. Und das hat er dann tatsächlich auch geschafft.

          Wann haben Sie von Onkel und Vater die ersten Aufgaben bei „Rund um den Henninger-Turm“ bekommen?

          So richtig los ging es, als ich den Führerschein in der Tasche hatte. Da habe ich dann häufig ein Pressefahrzeug gesteuert. Was haben die Journalisten sich da häufig gestritten! Fahr doch da lang, nimm doch diese Abkürzung, lass uns unten am Mammolshainer Berg auf die Rennfahrer warten, nein, besser oben, oder halt doch in der Mitte an. Ein unglaublicher Zinnober!

          Am 1. Mai 2000 ist Ihnen das Blut in den Adern gestockt, oder?

          O ja, das steckt mir tatsächlich immer noch in den Knochen. Das war ganz schlimm.

          Was war passiert?

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