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Ordensfrau Christa Kaltenbach im Porträt : Bei Gott und von dieser Welt

„Ich bin nicht konservativ, sondern offen:“ Schwester Christa, die ein Führungsamt bekleidet, in der Kapelle des katholischen Krankenhauses Bild: Röth, Frank

„Schwester Oberin“ wird Ordensfrau Christa Kaltenbach im Wiesbadener Sankt Josefs-Hospital genannt. Ihre Aufgabe: das gehobene Management.

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          Ihr Vater war ein braver Katholik, aber zutiefst entsetzt. „Darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagte er, als Christa Kaltenbach ihren Eltern eröffnete, dass sie ins Kloster gehen werde. „Daran ist nichts mehr zu ändern“, antwortete die Neunzehnjährige. Die Mutter vergoss viele Tränen, als ihre Tochter auszog, im Sommer 1960. Indem sie sich auf den Weg machte, der sie in die Chefetage des Wiesbadener Sankt Josefs-Hospitals führen sollte, folgte Christa Kaltenbach dem „Ruf des Herrn“, wie sie sagt. Es sei eine Empfindung gewesen, die sie erst nicht habe wahrhaben wollen.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Ihre Lehre hatte Christa in der Kiedricher Raiffeisenkasse gemacht. Weil sie aber an einer Nervenentzündung am rechten Arm litt, wechselte sie die Stelle. Als Kindergärtnerin hatte sie häufig mit ein paar Schwestern des Ordens „Arme Dienstmägde Jesu Christi“ zu tun. Zu ihnen fühlte sie sich hingezogen. Der „Ruf des Herrn“ bestand nicht aus einem Erweckungserlebnis, sondern aus der ständigen Begegnung mit Menschen, die Vorbilder waren. Deren Mutterhaus steht bis heute in dem Westerwälder Dorf Dernbach.

          Ein Leben in Gehorsam, Jungfräulichkeit und Armut

          Dass Christa es dort lange aushalten würde, glaubte in dem lieblichen Rheingauer Winzerort kaum jemand. „Aus diesem Mädchen wird keine Nonne“, prophezeiten die Nachbarn. Sie seien einem Missverständnis erlegen, meint die Ordensfrau. Natürlich sei sie schon immer ein fröhlicher Mensch gewesen. Das Tanzen im Dorf habe sie genossen. Aber damit disqualifiziere man sich nicht für das Klosterleben - im Gegenteil. „Gott braucht keine Menschen, die immer nur den Kopf hängen lassen.“ Ein junger Mann habe sich mit ihrer Entscheidung besonders schwer getan, erinnert Schwester Christa sich mit einem leisen Lächeln. Ihrer Mutter vertraute der hartnäckige Verehrer sich an: „In meinen Gedanken gebe ich sie erst auf, wenn sie das ewige Gelübde ablegt.“ Am 26. März 1963 war es soweit. Vor 50 Jahren entschied Christa Kaltenbach sich unwiderruflich für ein gottgeweihtes Leben in Gehorsam, Jungfräulichkeit und Armut.

          Profess nennt sich das feierliche Bekenntnis, mit dem die Einundzwanzigjährige sich an die Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde band. Vorher durften ihre Eltern sie in Dernbach noch einmal besuchen. Ihre weltlichen Kleider lagen im Kofferraum des Wagens. „Wenn du hier nicht wirklich glücklich bist, nehmen wir dich sofort wieder mit“, sagten sie. Das war gleichsam das letzte Angebot. Denn nachdem ihre Tochter das ewige Gelübde abgelegt hatte, durfte sie sieben Jahre lang nicht nach Hause zurück. „Inzwischen haben wir unsere Regeln gelockert“, sagt Schwester Christa. Schon die Formulierung verrät, dass sie in ihrem Orden heute ein gewichtiges Wort mitredet.

          Hilfsbedürftigen Menschen würdig begegnen

          Er wurde 1851 im Westerwald gegründet. Ein paar Jahre später erreichte ihn die Bitte von Wiesbadener Bürgern, Schwestern zur Krankenpflege zu schicken. Drei Nonnen kamen zu Fuß aus dem Westerwald, um in der Stadt eine Art Zweigstelle ihres Ordens zu errichten. Mit Hilfe von Spenden ließen sie ein Krankenhaus bauen, aus dem das heutige Sankt Josefs-Hospital erwuchs. Es ist zwar inzwischen als GmbH organisiert, aber die Mutterorganisation ist nach wie vor das „Filialinstitut der Armen Dienstmägde Jesu Christi“. An dessen Spitze steht Schwester Christa. Sie vertritt seit dem Jahr 1995 in dem Krankenhaus die Interessen des Trägers.

          Als Oberin hat sie darauf zu achten, dass die ethischen Grundsätze ihrer Ordensgemeinschaft eingehalten werden. Als sich 1993 herausstellte, dass in Wiesbaden dringend eine Ambulanz zur Betreuung von Aids-Patienten gebraucht wurde, war das katholische Josefs-Hospital als einziges Krankenhaus der Landeshauptstadt bereit. „Wir wollen den Menschen, die unsere Hilfe brauchen, würdig begegnen“, sagt Schwester Christa. Das gilt auch für vergewaltigte Frauen, die in ihrer Not um die „Pille danach“ bitten. Dass sie abgewiesen würden, wie unlängst in Köln geschehen, sei im Josefs-Hospital undenkbar, versichert Schwester Christa. Im Interesse der Frauen lege man großen Wert auf Beweissicherung. Zu diesem Zweck arbeite man in solchen Fällen mit dem rechtsmedizinischen Institut der Universität Mainz zusammen.

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