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Wetzlar im Strukturwandel : Die Optikstadt zieht neuerdings auch Immobilien-Investoren an

  • -Aktualisiert am

Unvollendet: Der Wetzlarer Dom wurde nie fertig gebaut. Der Platz rundum soll mit dem Abriss des Stadthauses (rechts vorne) stimmiger werden. Bild: Schildwächter, Sandra

In der Stadt an der Lahn ist vieles im Fluss. Obwohl mehr Bürger arbeitslos sind als im Bundesdurchschnitt, liegt die Kaufkraft weit darüber. Eine neue Verkehrsführung gilt als größte Herausforderung.

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          Wetzlar verkauft sich unter Wert. Eine reine Schönheit ist die Stadt an der Lahn zwar auch anno 2020 nicht, aber sie hat einiges zu bieten: den Dom, die optische Industrie sowie sportliche Größen wie die Handballer der HSG, deren Heimspiele in der Rittal-Arena regelmäßig mehr als 4000 Zuschauer besuchen, der RSV Lahn-Dill, die erfolgreichste Rollstuhlbasketball-Mannschaft Deutschlands, Turn-Olympiasieger und -Weltmeister Fabian Hambüchen und vieles mehr. Doch bei den Einwohnern scheint das nicht angekommen zu sein. Das Image der grauen Maus hält sich hartnäckig.

          Oberbürgermeister Manfred Wagner hat den Eindruck, dass die Wetzlarer gar nicht wissen, wie gut es ihnen geht und was sie alles vorweisen können. Zwar beobachte er eine Art trotzigen Lokalpatriotismus, aber von einem stolzen Selbstbewusstsein ähnlich des Bayerischen „mia san mia“ ist das weit entfernt.

          Viele Baustellen

          Verkehrstechnisch steht eine große Herausforderung bevor: Die vielbefahrene Ost-West-Verkehrsader B 49, die die Stadt als hässliche Hochstraße durchschneidet, soll verschwinden. Die Betriebserlaubnis erlischt am 31. Dezember 2027. Das haben die Statiker nach der routinemäßigen Sicherheitsüberprüfung entschieden. Am Abriss führt wohl kein Weg vorbei. Die aktuellen Baustellen bezeichnet Wagner als „lediglich lebenserhaltende Maßnahmen“.

          Wetzlar liegt nicht nur am Fluss, dort ist auch vieles im Fluss. Symptomatisch dafür ist die bewegte Geschichte der Autokennzeichen. Zunächst war es WZ. 1977 mit der Fusion von Wetzlar und Gießen zur Stadt Lahn, die aber nur 31 Monate Bestand hatte, wurde daraus L, anschließend LDK für Lahn-Dill-Kreis und 2012 wieder WZ. Balsam für die Volksseele.

          Wagner geht mit dem Begriff Heimat pragmatisch um. „Wetzlarer ist, wer Wetzlarer sein will“, lautet sein Credo. Zuwanderung sieht er als Chance, wenn auch nicht automatisch als Gewinn. Angela Merkels (CDU) markanter, vielzitierter Ausspruch „Wir schaffen das“ zur Flüchtlingskrise 2015 ist dem SPD-Politiker zu pauschal. Integration dürfe nicht „von oben“ verordnet werden, sondern müsse in erster Linie von den Menschen gelebt werden, fordert er. Der Umgang mit Zuwanderung mache den Geist einer modernen europäischen Stadt aus.

          Belebt: Im Einkaufszentrum Forum am Bahnhof gibt es kaum Leerstand.
          Belebt: Im Einkaufszentrum Forum am Bahnhof gibt es kaum Leerstand. : Bild: Schildwächter, Sandra

          Knapp 9000 der 54.000 Einwohner Wetzlars haben keinen deutschen Pass. Die größte Gruppe der 120 Nationalitäten stellen Türken (22,4 Prozent), gefolgt von Syrern (8,6 Prozent), berichtet der Oberbürgermeister. Viele Wetzlarer haben türkische Wurzeln, weil ihre Eltern zur Blütezeit der Schwerindustrie als Gastarbeiter kamen. Buderus war damals der größte Arbeitgeber der Region. Der Name ist mittlerweile weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Der Konzern wurde aufgesplittet, die Einzelteile verkauft. Buderus Edelstahl ging an den österreichischen Mischkonzern Voest Alpine, Buderus Guss an Van Roll (Schweiz) und Buderus Heizung an Bosch. Die Produktionsstätten existieren weiter.

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