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Oper „La Gioconda“ : Die Liebe des Spitzels zur Straßensängerin

Für Alessandro Zuppardo ist Ponchiellis „La Gioconda“ „eine der interessantesten Chor-Opern überhaupt“, vergleichbar somit Verdis „Aida“ und „Don Carlos“ oder Puccinis „Turandot“. Nun gibt es diese Oper konzertant in der Alten Oper.

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          Priester und Mönche, Matrosen und Schiffsjungen, Edelleute und einfaches Volk - der Chor ist in ungewöhnlich vielen Rollen gefragt und ständig präsent. Für Alessandro Zuppardo ist Amilcare Ponchiellis „La Gioconda“ sogar „eine der interessantesten Chor-Opern überhaupt“, vergleichbar somit Verdis „Aida“ und „Don Carlos“ oder Puccinis „Turandot“. Eigentlich sei er dabei kein Freund der artifiziellen und altmodischen Sprache Arrigo Boitos, der den Text auf Basis von Victor Hugos Drama „Angelo, Tyrann von Padua“ erstellte und der dem Frankfurter Publikum auch als Komponist der Oper „Mefistofele“ bekannt ist. Doch in diesem Fall müsse man Boito als Librettisten loben, sagt der Frankfurter Chordirektor: Die Texte seien sehr gut singbar, metrisch sauber gestaltet und von Ponchielli rhythmisch treffend umgesetzt.

          Guido Holze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Derzeit bereitet Zuppardo den Opernchor für die konzertanten Aufführungen von „La Gioconda“ mit dem Museumsorchester unter der musikalischen Gesamtleitung von Generalmusikdirektor Paolo Carignani am 26. und 30. Mai in der Alten Oper vor. Klangfarblich und vom Ausdruck her müßten die Choristen dazu in den wechselnden Situationen der Oper sehr genau differenzieren. Für die nichtszenische Darbietung würden Carignani und er bewährte „Tricks“ anwenden. Wie schon bei den konzertanten „Turandot“Aufführungen vor einiger Zeit sollen sich die Sänger etwa in den Szenen, in denen der Chor sonst von ferne hinter der Bühne singt, die Hand vor den Mund halten, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen.

          Verkettung unglücklicher Liebesbeziehungen

          Insgesamt sei „La Gioconda“ für eine konzertante Aufführung jedenfalls besonders geeignet. Denn so gut die Texte sprachlich auch seien, von der Dramaturgie her sei das 1876 an der Mailänder Scala uraufgeführte Stück, das hier in der fünften und endgültigen Fassung von 1880 gespielt wird, „eine Katastrophe“, wie Zsolt Horpácsy als Dramaturg schonungslos formuliert. Die Verkettung der unglücklichen Liebesbeziehungen ist in dem im 18. Jahrhundert zur Karnevalszeit in Venedig angesiedelten Spiel allein schon kurios genug: Der fiese Spitzel Barnaba liebt ohne Gegenliebe die Straßensängerin „La Gioconda“, die wiederum den Fürsten Enzo liebt, der sich aber einzig für Laura interessiert, die ihrerseits jedoch mit einem bösen Inquisitionsbeamten verheiratet ist. Furcht und Mitleid erzeugen bei tiefem Griff in die klassisch-dramatische Klamotten-Kiste etwa ein denunzierender Brief, ein aufgedeckter Verrat, vertauschtes Gift, finaler Selbstmord, die blinde Mutter und dergleichen.

          Das alles als zeitgemäßes Regietheater in Szene setzen zu müssen wäre für jeden Regisseur „eine Strafe“, scherzt Horpácsy. Konventionellere oder quasihistorische Produktionen von „La Gioconda“, wie sie traditionell alle vier Jahre in der Arena di Verona gezeigt werden, funktionieren da eher.

          Ein schreiendes Duett

          Die einzig erfolgreiche Oper von Amilcare Ponchielli, der als Professor für Komposition Giacomo Puccini und Pietro Mascagni zu seinen Schülern zählte und der im Alter von knapp 52 Jahren 1886 starb, ist gleichwohl als Werk einer musikgeschichtlichen Übergangszeit interessant. Sie ist mit ihren knalligen Bühnen- und trivialen Horroreffekten eine „Grand Guignol“-Oper nach Art des damals beliebten monströsen (Marionetten-)Theaters und zugleich der französischen Grand Opera verpflichtet - nicht zuletzt mit der aus Kaufhaus und Fernsehwerbung bekannten Ballettmusik des dritten Akts, dem „Tanz der Stunden“. Neben Romantischem im Stil Verdis gibt es in der Musik aber auch schon Anklänge an den Verismo, etwa im „schreienden“ Duett der Rivalinnen Gioconda und Laura oder in der „Dolch-Arie“ am Ende.

          Bei alledem sind Aufführungen von „La Gioconda“ vor allem immer ein „Sängerfest“. Für fünf große Partien benötigt man hervorragende Solisten. In Frankfurt debütiert als Gast die italienische Sopranistin Paoletta Marrocu in der Titelpartie. Als Enzo ist der südafrikanische Tenor Johan Botha zu hören, als Laura die Mezzosopranistin Michaela Schuster. Die Ensemble-Mitglieder Zeljko Lucic und Magnus Baldvinsson singen die ebenfalls sehr anspruchsvollen Partien von Barnaba und Alvise.

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