https://www.faz.net/-gzg-7gzda

Oper Frankfurt in Edinburgh : Instrumente im Nebel, weniger Rauch auf der Bühne

Gelungener Festivalauftritt: Szene aus Barrie Koskys „Dido und Aeneas“ in Edinburgh Bild: Monika Ritterhaus

Die Oper Frankfurt war mit „Dido and Aeneas“ sowie „Herzog Blaubarts Burg“ zu Gast beim Theaterfestival in Edinburgh. Das schottische Publikum war begeistert.

          Der Himmel über Edinburgh hängt tief, aber er hält, als wolle er alle Vorurteile über das britische Wetter entkräften, den Regen zurück. Es ist lau an diesem Abend. In der Nicolson Street tost dichter Verkehr, etliche Busse schieben sich durch die Straße, an der das Festival Theatre liegt. Große Plakate werben für das heutige Gastspiel, zu Besuch in der schottischen Hauptstadt ist die Oper Frankfurt. Gegeben werden zwei Kurzopern, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dennoch eine ähnliche Thematik haben. Es geht um die fatale Zuneigung, die Frauen gelegentlich erfassen soll, wenn sie den in ihren Augen einen und einzigen Mann begehren.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor der Spielstätte strömen die Zuschauer zusammen, ihre Kleidung ist eher zwanglos, das gesetztere Alter überwiegt. 1900 Menschen fasst der Saal des Theaters, das eine moderne Hülle mit viel Glas besitzt, innen jedoch komplett so erhalten ist, wie es Ende des 19. Jahrhunderts ausgestattet worden war. Die Patina erzeugt Charme. An zwei Abenden spielt das Frankfurter Musiktheater hier. Beide Vorstellungen sind restlos ausverkauft. Dabei ist die Konkurrenz riesig. Neben dem „Edinburgh International Festival“ läuft auch noch das „Fringe Festival“, das an etlichen Aufführungsorten von früh bis spät ein verwirrend vielfältiges und kaum überschaubares Angebot bereithält. Die Stadt ist voll, vor allem rings um die Festspielgebäude, es herrscht Volksfeststimmung, die Leute wedeln mit ihren Tickets herum, überall bilden sich Schlangen, an allen möglichen Ecken und Enden verstecken sich Eingänge zu Bühnen und Hallen, Hinterzimmern und Kellern. Edinburgh ist im Festivalfieber.

          Dirigent ernst und in sich gekehrt

          Die Oper Frankfurt aber fiebert ihrem Auftritt entgegen. Um Viertel nach sieben wird der Vorhang hochgehen. Es ist schon eine Weile her, dass die Oper ein Gastspiel wie dieses absolviert hat. Intendant Bernd Loebe setzt sein besorgtes Gesicht auf. Er ist sich nicht sicher, wie das Publikum die Vorstellung aufnehmen wird. Henry Purcells „Dido and Aeneas“ nach Großbritannien zu bringen scheint, wie Eulen nach Athen zu tragen. Bei den Proben hat Barrie Kosky, der australische Regisseur, eine klare Ansage gemacht: Der Chor müsse auf eine deutliche Aussprache des englischen Textes achten.

          Hinter der Bühne irrt Dirigent Constantinos Carydis umher, schaut ernst und in sich gekehrt, ist nicht wirklich ansprechbar. Die Instrumentalisten suchen ihren Platz im Orchestergraben. Der Intendant spricht ein paar aufmunternde Worte. Die Zusammenarbeit mit den schottischen Kollegen sei ausgezeichnet, sagt ein Techniker. Dennoch ist eine gewisse Nervosität unverkennbar. Hubertus Herrmann, seit einem Jahr Produktionsleiter an der Oper Frankfurt, zuvor an der Deutschen Oper in Berlin tätig, ist vorübergehend in die Position des Tourneemanagers geschlüpft. Er ist zufrieden. Es läuft alles reibungslos. Fast. Da war zum einen die Sache mit den Instrumenten und dem Flug. Und zum anderen die Geschichte mit dem Rauch. Aber es gab keine Krankheitsfälle. Keinen Ale-Abusus im Pub. Und das bei einem Aufgebot von 173 Männern und Frauen. Darunter 95 Orchestermitglieder, 30 Choristen, acht Maskenbildner, sieben Ankleider, sechs Statisten, sieben Techniker. Und natürlich die Solisten.

          In vier Lkw-Containern waren Bühnenbild und Kostüme ins belgische Zeebrügge gebracht und auf ein Schiff verladen worden. Darunter eine riesige Drehbühne, der man nicht ansieht, dass sie überhaupt zerlegbar ist. Sie wurde mitsamt Motor nach Edinburgh transportiert und exakt in der Weise auf der Bühne des Festivaltheaters installiert, wie dies bei Vorstellungen in Frankfurt der Fall ist. Dennoch ist das Bühnenbild nicht dasselbe wie bei den Frankfurter Aufführungen von Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“. Die Wände fehlen, stattdessen fällt der Blick in Edinburgh auf die Bühnentechnik. Die Drehbühne hat es in sich: In einer Szene etwa spritzt von unten Wasser auf die mit grauen Anzügen bekleideten Statisten, und es sieht so aus, als schwitzen sie es aus. Ein andermal steigt Rauch auf. Bei der Probe schlugen die Feuermelder Alarm. Feuerwehrleute rückten an und fragten ganz unaufgeregt nach dem Grund. Sie ahnten schon, dass es ein Fehlalarm war.

          Weitere Themen

          Frankfurts Fest der Feste

          Museumsuferfest : Frankfurts Fest der Feste

          Am Museumsuferfest nehmen dieses Jahr 25 Museen teil. Und für Musik sowie Kulinarisches ist reichlich gesorgt. Entspannt kommen Besucher mit Bus und Bahn ans Ziel.

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?
          Frankfurts David Abraham (l.) und Goncalo Paciencia (r.) können Lebo Mothiba von Racing Straßburg nicht stoppen.

          Frankfurt patzt in Straßburg : Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Eintracht Frankfurt muss um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg konnte der Bundesligist vor allem in der ersten Hälfte nicht überzeugen und verlor mit 0:1.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.