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Oper Frankfurt : Die schöne Leiche

Brand wurde 1987 gelegt

Bis heute tauchen Einzelteile der alten Pracht wieder auf: Die Pantherquadriga landete auf dem Schrott und fand später ihren Platz auf der doch noch restaurierten Alten Oper, die beiden metallenen Schwäne aus dem Haupteingang stehen heute in einer Werbeagentur an der Waldschmidtstraße. Und eine der großen Eingangstüren verwendet derzeit das Theater Willy Praml als Tempeltor seiner „Iphigenie“ – seit Jahren liegt die Tür auf dem Gelände der Naxoshalle.

Vieles aber ist unter Mörtel und Mauerwerk, Verblendungen und Putz verschwunden. Wer die rechteckigen Träger in den Foyers betrachtet, wird kaum ahnen, dass sich darunter noch die alten runden Säulen des Schauspielhauses verbergen. Und müssten jemals Besucher – was hoffentlich niemals nötig sein wird – aus dem zweiten Rang der Oper fliehen, sie kämen an jener schlichten eisernen Tür vorbei, hinter der die Reste der Dichterfürsten ruhen. Ein schlichtes Treppenhaus aus honigfarbenem Holz führt hinunter, mit hölzernen Handläufen auf der östlichen, üppig verzierten schmiedeeisernen auf der westlichen Seite. Die Zugänge liegen gut verborgen vor aller Augen im Windfang. Die hölzerne Treppe sieht, wer den Fußgängereingang des Theaterparkhauses nutzt und auf die Opernfassade blickt. Dort enden die Stufen, Übergänge aus einer anderen Zeit, am Notausgang.

Ein Glück, dass am 12.November 1987 um 3.19 Uhr niemand im Opernhaus war. Niemand musste die hölzerne Treppe benutzen, um sich ins Freie zu retten. „Così fan tutte“ war schon viele Stunden zu Ende, das frisch renovierte Haus – der Zuschauerraum war kurz zuvor von 1200 auf die heutigen 1400 Plätze erweitert worden – war leer, nur zwei Feuerwehrleute hielten Wache. Und hörten den Alarm. Der gesamte Bühnenturm brannte lichterloh, bei bis zu 1600 Grad Celsius knickten die Stahlträger ein wie Streichhölzer, und im heftigen Novemberwind drohten die Funken andere Gebäude in Brand zu setzen. Noch Tage später mussten im Gebäude Glutnester unter Kontrolle gebracht werden. Da war auch schon der Täter gefasst: Ein 26 Jahre alter Mann ohne festen Wohnsitz, der nach seinem Einbruch in das Opernhaus aus Frust eine Zeitung und Teile der Wandverkleidung angezündet hatte – weil er, wie er sagte, nichts zu essen gefunden hatte.

Einiges am Haus müsste bald saniert werden

Wenige Stunden nach dem Brand hatte der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) schon vom Wiederaufbau gesprochen und nach Ausweichquartieren gesucht. 170Millionen Mark kostete die Sanierung, bis sie abgeschlossen war, musste eine Übergangslösung her: Das Schauspiel zog ins Bockenheimer Depot, die Oper ins Schauspiel. Dass heute das Depot oft und gern als Spielstätte genutzt wird, ist ebenso ein Ergebnis dieser drei Jahre Provisorium wie die Lust daran, neue Räume mit Theater zu bespielen. Und wer weiß, vielleicht wäre der Ruhm des Balletts Frankfurt nicht so groß geworden, hätte William Forsythe nicht das Beste aus der Katastrophe gemacht und die Tourneen seiner Tänzer auf die ganze Welt ausgedehnt.

Bald könnte wieder ein solches Wechselspiel anstehen. Denn um den Brandschutz der Oper, vor 25 Jahren als der bestmögliche gelobt, ist es nicht mehr allzu gut bestellt. Auch die Lüftungsanlagen sind nicht auf dem neuesten Stand, und die jüngeren Entwicklungen in der Bühnentechnik haben dazu geführt, dass viele Kilometer Kabel hinter den Wandverkleidungen und unter den Decken verlaufen. Die Fassade aus Einfachglas, im Sommer warm, im Winter kalt, müsste aufwendig energetisch saniert werden, und es gäbe noch viel mehr zu tun.

Die Bestandsaufnahme hat Haindl und seine Kollegen schon geraume Zeit beschäftigt. Im nächsten Jahr soll eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Dass mit der Schachtel am Theaterplatz ziemlich viel machbar ist, hat die Zeit jedenfalls schon bewiesen. Und sie hat ihre Spuren hinterlassen.

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