https://www.faz.net/-gzg-71bt0

Opels Sanierungspläne : Angst vor Kahlschlag bei Opel

  • Aktualisiert am

Die Angst vor einem Kahlschlag und tiefen Einschnitten in der Unternehmensstrategie bleibt: Opel. Bild: dpa

Nach dem Rückzug Strackes haben die Mitarbeiter wiederum Angst vor einem Kahlschlag bei Opel. Die Rede ist von Lohnverzicht. Eine Öffnung der außereuropäischen Märkte wird diskutiert.

          Die Angst vor einem Kahlschlag ist zurück: Das Scheitern von Vorstandschef Stracke an der Spitze von Opel nährt die Zweifel, ob der vereinbarte Sanierungsplan noch Gültigkeit hat - oder ob GM jetzt hart bei der Krisentochter durchgreifen wird.

          Der unerwartete Abgang von Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke schürt beim angeschlagenen Autobauer Opel wieder Ängste vor einem Kahlschlag. Der Bochumer Betriebsrat warnte am Freitag vor einer erneuten Diskussion über Werksschließungen - Bochum galt schon vor dem unerwarteten Rückzug Strackes als einer der ersten Streichkandidaten bei dem defizitären Autobauer, der an teuren Überkapazitäten leidet.

          Ein Ende der Gespräche ist für Oktober vorgesehen

          Insider sind überzeugt, dass die US-Mutter General Motors einen Nachfolger inthronisieren wird, der härter durchgreift. Als heißester Kandidat für den Chefposten gilt derzeit Strategievorstand Thomas Sedran. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung werden auch Opel-Produktionsvorstand Peter Thom Chancen eingeräumt.

          Stracke war zuletzt von seinen ursprünglichen Plänen abgewichen, den Standort Bochum 2015 dichtzumachen. Im Gegenzug für einen Lohnverzicht der Arbeitnehmer wollte er dem Werk zwei Jahre Gnadenfrist einräumen. Gespräche mit den Gewerkschaften und Betriebsräten sollten im Oktober abgeschlossen sein.

          „Ende der Zick-Zack-Taktik für Opel“

          Quer durch die Parteien und Bundesländer werden Zweifel laut, ob Strackes Kompromiss-Plan - der Investitionen statt Kündigungen vorsah - nun noch Gültigkeit besitzt. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) appellierte am Freitag an die Adam Opel AG, den bisherigen Kurs nach dem Stracke-Rücktritt fortzusetzen. Die offensive Strategie müsse beibehalten werden: „Wir werden als Politik darauf achten, dass die Opel-Standorte in ihren Interessen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

          Hessens stellvertretender Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn sagte „Handelsblatt Online“: „GM verzockt gerade das Vertrauen seiner Mitarbeiter, der Verbraucher und das Vertrauen der Politik.“ Er erwarte nun „ein Ende der Zick-Zack-Taktik für Opel“ und endlich eine nachhaltige Unternehmensstrategie: „Diese zu entwickeln und das Unternehmen langfristig zu sichern, ist jetzt die wichtigste Aufgabe eines neuen Opel-Chefs.“

          „Wir brauchen dringend eine Öffnung der außereuropäischen Märkte“

          Die IG Metall stellt sich bereits auf eine 180-Grad-Wende in der Unternehmensstrategie ein. Gewerkschafts-Chef Berthold Huber sagte am Freitag: „Für die IG Metall, Betriebsräte und Opel-Beschäftigte ist nur ein Zukunftskonzept tragfähig, dass keine Schließung von Standorten vorsieht und die Belegschaften mit ihrer Kompetenz beteiligt.“ Es gehe um nicht weniger als die Zukunft von Opel insgesamt. Der Chef des Betriebsrats Bochum, Rainer Einenkel, warnte vor einer „Kahlschlagpolitik“: „Wir brauchen dringend eine Öffnung der außereuropäischen Märkte und eine neue Modelloffensive“, unterstrich der Arbeitnehmervertreter.

          Experten sehen in der Haltung der Arbeitnehmervertreter seit Jahren einen Grund für die Misere bei Opel. Wolfgang Meinig von der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag: „Ich verzweifele an der Hartnäckigkeit der Betriebsräte, die Personalbestände zementieren wollen. Denn das kostet in letzter Konsequenz sehr viele Arbeitsplätze.“ Opel fährt seit Jahren Verluste ein. Wegen der Absatzkrise in Europa leidet der Hersteller zudem unter enormen Überkapazitäten.

          Weitere Themen

          „Es muss ein Umdenken her“ Video-Seite öffnen

          Demos und Proteste zur IAA : „Es muss ein Umdenken her“

          Rund um die IAA gab es in diesem Jahr so viele Proteste und Demonstrationen wie nie zuvor. Sternfahrten, Kundgebungen, Konzerte - vor allem Radfahrer trieb es am Wochenende auf die Straßen.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
          Christian Pirkner, Chef des Bezahldienstes Blue Code

          Angriff auf Google Pay : „Ich liebe unmögliche Missionen“

          Bisher zahlt kaum jemand mit dem Smartphone. Doch der Unternehmer Christian Pirkner will dem mobilen Bezahlen in Europa zum Durchbruch verhelfen – und legt sich dabei sogar mit Google und Apple an.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.