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Bedrohter Nager : Kurz vor zwölf für den Feldhamster

Possierlich und stark gefährdet: der Feldhamster Bild: M. Schäf/F1online

Raubvögel, Katzen, Menschen: Der Feldhamster ist vielen Gefahren ausgesetzt. Weil der Nager so selten geworden ist, will ihm der Opel-Zoo in Kronberg wieder auf die Pfoten helfen.

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          Der einstige Schädling wird gehegt und gepflegt: Dem Feldhamster geht es nicht mehr an den Pelz. Man versucht nicht mehr, wie über viele Jahrzehnte, den 20 bis 30 Zentimeter langen Nager aus der Familie der Wühler auszurotten. Im Gegenteil: Jetzt soll er vermehrt werden, wie andere bedrohte Tierarten auch. Dazu wird im Kronberger Opel-Zoo eine Zuchtstation aufgebaut und noch in diesem Sommer eröffnet.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mensch und Hamster hatten in Europa viel Zeit, sich aneinander zu gewöhnen. Ursprünglich stammen Tierchen aus den Steppen Osteuropas und breiteten sich immer weiter aus, bis sie ein Gebiet von Mitteleuropa bis nach China bevölkerten. Im Rhein-Neckar-Raum wurden 2000 Jahre alte Skelette ausgegraben. Beliebt war der Feldhamster allerdings nie. Bauern fürchteten die beträchtlichen Fraßschäden, die er bei Auftreten in Massen verursachen konnte. So wurde er mal mit Gas bekriegt, mal wurden Prämien auf erlegte Exemplare ausgesetzt. Geschätzt wurde an ihm allenfalls eins: sein Fell, das sich verwerten ließ.

          In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Feldhamster auf andere Art dezimiert. Dort, wo der Boden nicht versiegelt oder zugebaut wurde, erhielten die größer werdenden Äcker eine immer eintönigere Gestalt. Die Landwirtschaft arbeitete intensiver, so dass die Hamster immer weniger Rückzugsraum zum Verstecken fanden. In manchen Regionen Deutschlands sind sie mittlerweile ausgestorben, ansonsten kommen sie nur noch „inselartig“ vor, im Taunus lediglich in geringer Zahl, wie die Kreisverwaltung berichtet.

          Hilfe beim Überleben

          So ist der Feldhamster von einem in Massen auftretenden Schädling zu einem Wesen geworden, um das man sich sorgt. Schon ziemlich dramatisch klingt es, wie der Umweltdezernent des Hochtaunuskreises, Uwe Kraft (CDU), dessen Lage beschreibt: Nicht fünf vor zwölf sei es, sondern „wenige Sekunden vor 12 Uhr“. Diese verbleibenden Sekunden müsse man nutzen, um den bedrohten Tieren beim Überleben zu helfen, damit auch künftige Generationen sie noch kennenlernen könnten.

          Dabei ist im Taunus für den Feldhamster schon einiges unternommen worden. Behörden, Landwirte und Naturschützer taten sich 2012 zusammen, um den letzten Nagern ihrer Art bessere Lebensbedingungen zu bieten: kleinteiligere Felder, Ackerrandstreifen und Blühflächen. Doch das reichte nicht, um den Erhalt der Population zu sichern. Deshalb werden die Tiere nun gezüchtet, und zwar mit dem Ziel, sie in die freie Wildbahn zu entlassen. Fachleute wie der Wildbiologe Dieter Selzer, der die Untere Naturschutzbehörde in der Kreisverwaltung leitet, halten diese Strategie für die einzig richtige.

          Opel-Zoo kümmert sich um Erhaltungszucht

          Schon vor zwei Jahren haben der Kreis und der Opel-Zoo vereinbart, dass der Zoo eine Erhaltungszucht betreut. Mit dem Bau der Zuchtstation wurde im vergangenen Jahr begonnen. Vermehren sollen sich dort Zuchttiere und eingefangene Hamster. Ein Fachmann von der Gießener Universität soll die Züchtung wissenschaftlich begleiten.

          Auch wenn das Vorhaben gelingt: Viel sehen werden Spaziergänger auch in Zukunft nicht von den Säugern mit Stummelschwanz und Backentaschen. Schließlich sind die gescheckten Nager in der Dämmerung und in der Nacht aktiv und bewegen sich unauffällig durch die Flur.

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