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Opel-Zoo : Stoff für Katzenvideos

Lauern hinter der Scheibe: Die im vergangenen Jahr geborenen Geparden ziehen viele Besucher an. Bild: Cabrera Rojas, Diana

Beinahe hätte es für einen Rekord im Opel-Zoo gereicht. Die Besucherzahl bleibt nur knapp unter der des Jahres 2014. Mancher Zuchterfolg bleibt dennoch verborgen.

          3 Min.

          Eigentlich fallen sie schon in die Kategorie Halbstarke. In den vergangenen sieben Monaten sind sie ein ganzes Stück gewachsen, und das im Vergleich zur Mutter längere Fell lässt sie noch etwas größer wirken. Wenn sich die Geschwister aber hinter der Scheibe Kopf an Kopf nebeneinanderdrängen, ist der Ausruf „Wie süß!“ immer noch eine häufig gehörte Äußerung der Besucher vor dem Geparden-Gehege. Dass es sich dabei um wilde Raub- und keine Kuscheltiere handelt, machen nicht nur die Erläuterungstafeln deutlich. Womöglich ist der Blick der jungen Katzen auch deshalb so konzentriert in die Ferne gerichtet, weil sie die Prinz-Albrecht-Hirsche und die Hirschziegenantilopen in deren Gehege erspäht haben.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die sechs kleinen Geparden waren im vergangenen Jahr eine der Attraktionen des Opel-Zoos. Mit knapp 558.000 Besuchern hat das Freigehege einen Zuwachs von 2,3 Prozent gegenüber 2018 verzeichnet und das Rekordergebnis von 2014 nur knapp verpasst. Damals war das neue Elefantenhaus eröffnet worden. Für die guten Zahlen machte Zoodirektor Thomas Kauffels am Dienstag aber nicht allein die jungen Raubkatzen verantwortlich, auch wenn der Wurf mit sechs Jungtieren etwas Besonderes sei. „Wir waren schon im ersten Halbjahr und damit vor ihrer Geburt Ende Juni auf dem Weg zum besten Ergebnis.“ Dann habe es an 14 von 16 Tagen der Herbstferien geregnet. Da hätten die Geparden womöglich schon geholfen, dass die Besucherbilanz am Ende immer noch sehr gut ausgefallen sei.

          1600 Tiere aus 200 Arten

          Dem Freigehege geht es aber nicht um das Spiel mit Sensationen, wie der Hinweis des Direktors auf einen anderen Zuchterfolg deutlich machte. Die fünf Feldhamster-Paare in der vor zwei Jahren fertiggestellten Zuchtstation hätten inzwischen 18 Jungtiere, von denen einige nach Frankfurt abgegeben worden seien. Von den im selben Haus lebenden Zieseln habe man drei Jungtiere zur Auswilderung nach Tschechien gebracht. Weder die ausschließlich nachtaktiven Hamster noch die fünf Monate im Jahr schlafenden Ziesel sind Publikumsmagneten. Dafür gibt es im Haus der Feldhamsterstation dank des Fördervereins jetzt drei Terrarien mit Zwerg- und Haselmäusen sowie Flughörnchen.

          Etwa 1600 Tiere aus 200 Arten leben zwischen Kronberg und Königstein. Voriges Jahr sind die aus Großbritannien eingereisten Hirscheber eingetroffen, eine in Indonesien beheimatete Schweineart. Im bisherigen Warzenschweingehege wiederum tummeln sich jetzt Pinselohrschweine, die an blonde Wildschweine mit Kriegsbemalung erinnern.

          Mit dem Tod des Giraffenbullen Gregor, der im Oktober im Alter von erst 13 Jahren gestorben ist, hat der Zoo auch einen Verlust verkraften müssen. Aber der „Kreislauf des Lebens“ ist nicht nur ein kitschiges Klischee für Zeichentrickfilme und Musicals. Die beiden Giraffenkühe seien noch von ihm tragend, sagte Kauffels. Wenn alles gutgehe, würden Anfang 2021 zwei weitere Kinder des toten Giraffenbullen geboren, die Nachkommen Nummer 18 und 19.

          Naturschutz und Umwelt

          Obwohl der Naturschutz eine Basis der Zooarbeit ist, will das Freigehege künftig noch stärker das Thema Umwelt in den Mittelpunkt stellen. „Wir wollen den Zoo selbst nachhaltiger machen“, sagte der Direktor. Deshalb werde man zum Beispiel mit den Gastronomie-Pächtern reden, um sie zum Verzicht auf Einwegplastik zu bewegen. „Das ist bei 7000 Besuchern an einem Tag nicht so einfach“, schränkte Kauffels ein. Schließlich müssten zahlreiche Hygienevorschriften beachtet werden. Die Zoopädagogik solle ebenfalls den Blick stärker auf Biodiversität und nachhaltiges Handeln richten. Erstes Ergebnis ist ein neuer Familien-Workshop für Kinder vom Grundschulalter an und ihre Eltern. Darin geht es unter anderem um Plastik im Meer, Fleischfresser und Veganer in der Tierwelt und die Insektenvielfalt.

          Unterdessen wartet der Zoodirektor auf den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan. Nur ein kleiner Teil des Freigeheges fällt in die Zuständigkeit von Königstein, wo im April ein Bürgerentscheid über den dortigen Bebauungsplan bevorsteht. Für den wichtigeren Kronberger Bebauungsplan hofft Kauffels auf eine Entscheidung der Stadtverordneten im Oktober. Erst wenn er rechtskräftig sei, könne man mit der Ausführungsplanung für den neuen Asien-Teil samt Panzernashornanlage im südöstlichen Zoogelände beginnen. Für das Zwölf-Millionen-Euro-Projekt werden seit vorigem Jahr drei Euro von jeder verkauften Eintrittskarte zurückgelegt. Den in Frankfurt geplanten freien Eintritt für Museen und eben auch für den dortigen Zoo für Kinder und Jugendliche kann sich der Opel-Zoo nach Worten des Direktors nicht leisten. „Das würde uns bis zu 1,8 Millionen Euro kosten.“

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