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Vertragsschluss verzögert sich : Opel und Segula benötigen mehr Zeit

Opel will einen Großteil des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim an Segula abgeben. Bild: dpa

Bis Ende Juni will Opel sich von Teilen des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim und Hunderten Ingenieuren trennen. Der Abschluss des Vertrags mit dem Partner Segula dürfte sich aber länger als gedacht hinziehen.

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          Für den Autobauer Opel und den Dienstleister Segula tickt die Uhr. Bis zum Ende des laufenden Quartals wollen sie ihren Vertrag aus dem Herbst besiegeln. Opel will Teile seines Internationalen Entwicklungszentrums am Stammsitz in Rüsselsheim an die deutsche Tochter eines Familienkonzerns aus Frankreich verkaufen und zudem Hunderte Ingenieure an Segula weiterreichen. „Klar ist: Die Partnerschaft wird kommen“, heißt es bei Opel. Und die südhessische Schwesterfirma von Peugeot hat schon öfter verlautbart, auf jeden Fall ihren Personalbestand in dem als Herz von Opel apostrophierten Entwicklungszentrum zu senken. Allerdings zieht sich dieser Prozess weiter hin. Aus diesem Grund dürfte es auch mit dem Vertragsabschluss bis Ende Juni nichts werden.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das sogenannte Closing ist nun vielmehr für Mitte Juli oder etwas später zu erwarten. Zwar sagt eine Sprecherin von Segula, der Auto-, Flugzeugbau- und Bahndienstleister wolle Ende dieses Monats in Rüsselsheim startklar sein. Segula-Geschäftsführer Martin Lange hat aber dem Fachmagazin „Automobilwoche“ zu Beginn dieser Woche mitgeteilt: „Wir wollen noch vor der französischen Sommerpause mit unserem ,Engineering Campus’ starten, und zwar mit mindestens 700 Mitarbeitern.“ Dem Vernehmen nach ist mit „Sommerpause“ üblicherweise der August gemeint. Die französischen Sommerferien beginnen jedoch schon in der zweiten Juli-Woche.

          Dass Ende Juni außer Reichweite sein dürfte, liegt an der Personalauswahl bei Opel. Der Autobauer hat sie in drei Phasen eingeteilt. In der ersten Phase konnten sich alle 6500 Mitarbeiter des Entwicklungszentrums überlegen, ob sie eine Abfindung nehmen, in Altersteilzeit oder Vorruhestand gehen – oder freiwillig zu Segula wechseln. In Phase zwei schrieb die Personalabteilung jene Beschäftigten an, die sich nicht geäußert hatten und für einen Wechsel in Frage kamen. Auch in den Wochen danach bestand noch die Möglichkeit, sich von Opel abfinden zu lassen. Das Schreiben konnte aber als klarer Hinweis gelesen werden, im Zweifel von dem Autobauer auf die Liste von Mitarbeiter gesetzt zu werden, die zu Segula gehen sollen. Und zwar im Zuge eines sogenannten Betriebsübergangs nach Phase drei.

          Nur wenige Mitarbeiter wollen zu Segula wechseln

          Außerdem hat Opel frühzeitig klar gemacht: Wer für den Betriebsübergang ausgeguckt werde, ihm jedoch widerspreche, habe keine Aussicht mehr auf eine Abfindung. Vor allem aber werde es seine Stelle bei Opel nicht mehr geben. Diese Aussicht hat viele Mitarbeiter erschreckt und erbost, wie aus der Belegschaft verlautete. Dessen ungeachtet ist das Ausmaß der Wechselwilligen übersichtlich. 1340 Beschäftigte haben sich für eine Abfindung oder eine andere Art des freiwilligen Abschieds von Opel entschieden, wie Unternehmen und Betriebsrat am 22. Mai mitteilten. 550 Entwickler will Opel noch loswerden.

          Zu diesem Zweck steht nun die dritte Phase an. Wann sie genau beginnen soll, steht dahin. „Sie ist in Vorbereitung“, heißt es am Firmensitz. Es müssten noch einige Frage geklärt werden. Dazu gehöre die Auswahl von Personal und Projekten. Beides wolle Opel „zügig und gründlich“ verwirklichen. Zudem steht noch die Gründung eines Betriebs aus, in den die auszuwählenden Mitarbeiter versetzt werden sollen, wie weiter zu erfahren war. Diese Neugründung sei für den Betriebsübergang notwendig. Denn Opel werde keinen bestehenden Betrieb an Segula weiterreichen.

          Der Autobauer wird die Mitarbeiter, die per Betriebsübergang an Segula übergehen sollen, schriftlich informieren. Nach Erhalt des Schreibens beginnt die Widerspruchsfrist. Vier Wochen haben die Beschäftigten jeweils dafür Zeit. Mit den Widersprüchen haben sich Personalabteilung und Betriebsrat zu befassen.

          Vor diesem Hintergrund wirkt das im Herbst gesteckte Ziel, das Closing bis Ende Juni zu verwirklichen, nicht mehr realistisch. Zumal es fraglich ist, ob Opel und Segula ihren Vertrag schon innerhalb der Widerspruchsfrist besiegeln dürften oder diese erst verstreichen muss, wie weiter zu hören ist.

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