https://www.faz.net/-gzg-9f48i

Harter Sparkurs : Opel muss umparken

Effektiv: Der Umparken-Werbeslogan eignete sich auch, um gegen Stellenabbau zu protestieren. Bild: dpa

Erst stellen sich die Rüsselsheimer gegen die Diesel-Pläne aus Berlin, und dann trennen sie sich auch noch von ihrer Werbeagentur. Das sind alles weniger Zeichen der Stärke als des Kostendrucks.

          3 Min.

          Am Ende kannte den Claim fast jeder: „Umparken im Kopf“ hatten Fernsehspots und Plakate in den vergangenen Jahren für Opel geworben, mit Prominenten wie Jürgen Klopp, Jürgen Vogel und Ken Duken. Autos aus Rüsselsheim, so die Botschaft, seien gar nicht so altbacken wie von vielen bisher angenommen. Doch statt „Umparken“ heißt es womöglich vom 1. Januar 2019 an: „Woooamm! Rrrrrrrooooorrrrrr! – nur Fliegen ist schöner.“ Denn nicht länger wird die Werbeagentur Scholz&Friends aus Hamburg den Werbeetat des Autobauers ausgeben, sondern McCann aus Frankfurt, jene Agentur, die schon einmal für acht Jahrzehnte den Opelblitz bewarb, in den Siebzigern unter anderem mit dem Slogan „Nur Fliegen ist schöner“ für den sportlichen Zweisitzer GT. Nun solle es keine Imagekampagne für den Opel mit vermittelten Werten wie „deutsch“, „nahbar“ und „begeisternd“ geben, heißt es aus Rüsselsheim. Fortan sollten einzelne Modelle wieder stärker beworben werden, etwa der neue Corsa.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist auch dringend nötig. Zwar verkündete der Hersteller gerade, im September sei jeder zehnte Neuwagen ein Opel gewesen – ein Plus von 2,6 Prozentpunkten. Doch heißt das nicht, dass die Rüsselsheimer mehr Autos als die Konkurrenz verkauft haben. Tatsächlich sank der Absatz um sieben Prozent. Opel hatte lediglich einen etwas geringeren Rückgang als andere Autobauer und legte deshalb bei den Marktanteilen zu. Volkswagen setzte im September nämlich 62 Prozent weniger ab, Audi sogar 78 Prozent.

          Unternehmen verkauft weniger Fahrzeuge

          Der Grund dafür ist der neue, deutlich strengere Verbrauchstest WLTP, den all jene Autos erfüllen müssen, die nach dem 1. September zugelassen werden. Die Konkurrenz, die es nicht mehr geschafft hatte, viele Modelle nach dem neuen Verfahren zu testen, hatte deshalb im August noch schnell Zehntausende Fahrzeuge nach dem alten Verfahren angemeldet. Opel habe dagegen die neue Vorschrift frühzeitig umgesetzt, heißt es aus Rüsselsheim,

          Dieser Sondereffekt ändert jedoch nichts daran, dass das Unternehmen immer noch weniger Fahrzeuge verkauft. Alles in allem sieben Prozent weniger waren es in den ersten neun Monaten dieses Jahres, der Marktanteil fiel auf 6,5 Prozent, während die gesamte Branche zugleich zwei Prozent mehr Fahrzeuge absetzte.

          Positive Zahlen unter Vorbehalt

          Das mag erstaunen, hatte doch der Mutterkonzern erst vor zwei Monaten gemeldet, Opel habe erstmals nach fast 20 Jahren in einem Halbjahr wieder einen Betriebsgewinn erwirtschaftet. Doch der ist hauptsächlich durch Einsparungen erreicht worden. Ein Fünftel der 18.000 Mitarbeiter soll gehen, mittels Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen. Im Stammwerk Rüsselsheim soll wohl abermals die Produktionstaktung gedrosselt werden, von 42 auf 35 Fahrzeuge pro Stunde, vor den Sommerferien waren es noch 55 Autos. Zudem soll es offenbar im Oktober sogenannte Korridortage geben, an denen die Bänder still stehen und Mitarbeiter zu Hause bleiben sollen. Kommt noch hinzu, dass Teile des Entwicklerzentrums an den Dienstleister Segula ausgelagert werden. Der dürfte den 2000 betroffenen Ingenieuren sicher geringere Löhne anbieten als der Autokonzern.

          Der Sanierungsprozess sei noch im Gange, sagte diese Woche PSA-Chef Carlos Tavares auf der Pariser Automesse. „Ich denke, wir sind bei einem Drittel, vielleicht 30 bis 40 Prozent.“ Dass es nicht mehr seien, liege an den Mitbestimmungsrechten der Arbeitnehmer. „Was uns in gewissem Maße in manchen Fällen verlangsamt hat, ist der Rechtsrahmen der Mitbestimmung, der sehr schwer ist.“ Allerdings gilt die Mitbestimmung auch in Konzernen wie Volkswagen, BMW und Mercedes, denen es wirtschaftlich weiterhin deutlich besser geht als den Hessen.

          Harter Sparkurs aus Frankreich

          Die französische Mutter will in allen Sparten bei ihrer deutschen Tochter weiter die Kosten drücken. Es dürfte daher kein Zufall gewesen sein, dass ausgerechnet Opel sich als Erstes gegen die Pläne der Bundesregierung stellte, Fahrverbote für Dieselautos abzuwenden. Laut dem Konzept der Politiker sollen die Hersteller den Kunden kräftige Prämien gewähren, wenn diese ihren alten Diesel in einen Neuwagen umtauschen. Und wenn die Halter ihren alten Wagen behalten wollen, sollen die Autokonzerne eine technische Nachrüstung bezahlen. Nachrüstungen seien aber „ökonomisch nicht sinnvoll und technologisch nicht ausgereift“, teilten die Rüsselsheimer unmittelbar nach der Einigung in Berlin mit. Und auch bei den Rabatten sei man skeptisch. Zwar gebe es dazu keine Entscheidung. Aber: „Wir hatten ja wie die Wettbewerber zuletzt schon entsprechende Kaufanreize. Die wurden zunächst gut angenommen, aber dann ließ das Interesse sehr deutlich nach“, sagte ein Sprecher. Warum sollte sich Opel auch darauf einlassen? Das Unternehmen hatte sich, wie übrigens die meisten Hersteller, an die geltenden Vorschriften und Abgastests in Deutschland gehalten – selbst wenn Politiker gern anderes behaupten, ohne es aber zu belegen.

          Und auch der Wechsel zur Werbeagentur McCann könnte nicht zuletzt finanzielle Gründe haben. Statt bisher mehrerer Agenturen wird sich künftig nur noch eine um den Werbeauftritt in ganz Europa kümmern. „Die Entscheidung schafft Effizienzen“, teilt Opel mit. McCann war bislang schon für Vauxhall und das Social-Media-Marketing zuständig. Ihr Gesamtangebot dürfte also günstiger gewesen sein als das der bisherigen Werber.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sandra Maischberger

          TV-Kritik „Maischberger“ : Durcheinander als Unterhaltung

          Nun wird Sandra Maischberger künftig mehrere Themen einer Woche aufgreifen und in wechselnder Besetzung erörtern. Auch der neue Anlauf wirkt nicht überzeugend. Das gilt für das Arrangement ebenso wie für die Details.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.