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Autobauer zurück im Plus : Jubel und Skepsis bei Opel

Das eine ist das Herz des anderen: Ein Teil des Entwicklungszentrums soll verkauft werden. Bild: Wonge Bergmann

Der Autobauer Opel ist nach fast zwei Jahrzehnten wieder im Plus. Der Betriebsrat stimmt aber nicht in den Jubelchor ein: Man fürchtet um 2000 Arbeitsplätze in der Entwicklung. Doch die Zeit drängt in Sachen Teilverkauf.

          Jürgen Pieper muss nicht lange überlegen. „Das hätte vor einem Jahr keiner für möglich gehalten“, sagt der Auto-Fachmann des Bankhauses Metzler in Frankfurt. Mit „das“ meint er die Höhe des Betriebsgewinns von Opel. Der Autobauer hat nach fast zwei Jahrzehnten in den roten Zahlen 2018 vor Zinsen und Steuern 859 Millionen Euro verdient. Die lang ersehnte Ertragswende hätte kaum eindrucksvoller gelingen können. Opel hat gleich eine Rekordmarke geschafft. Firmenchef Michael Lohscheller, als Mann der Zahlen kein Blender, jubelt: „Es gibt in unserer Branche nicht viele Beispiele für ein so erfolgreiches Comeback.“ Auch der Vorstandsvorsitzende der Konzernmutter PSA in Frankreich äußert sich stolz über den unerwartet hohen Profit aus dem Tagesgeschäft. Carlos Tavares sieht schon die Grundlage für einen nachhaltigen Erfolg der Marke mit dem Blitz gelegt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Welch ein Kontrast zu den Vertretern der leidgeprüften Arbeitnehmerschaft bei Opel. Die Betriebsräte stimmen nicht in den Jubelchor ein, sie schweigen sich vielmehr zu der Rückkehr in die schwarzen Zahlen aus. Die IG Metall als Tarifpartner sieht einen Anlass, ihre mehrfach erhobenen Forderungen an die Chefetage des Unternehmens in Rüsselsheim zu untermauern. „Der ausgewiesene operative Gewinn von 859 Millionen Euro muss jetzt Ausgangspunkt dafür sein, endlich mit den Betriebsräten über die dringend notwendigen Investitionen für Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach zu verhandeln“, meint der heimische Bezirksleiter der Gewerkschaft, Jörg Köhlinger. Schließlich hätten die Mitarbeiter das Geld verdient. „Auf dieser Grundlage ist unsere Forderung nach Transparenz und Offenheit zur Zukunft der Werke und der Arbeitsplätze mehr als gerechtfertigt“, folgert Köhlinger.

          Kurzarbeit am südhessischen Standort?

          Hintergrund: Für das Stammwerk Rüsselsheim steht zwar die Zusage im Raum, künftig ein zweites Mittelklassemodell neben dem Flaggschiff Insignia zu fertigen. Einzelheiten stehen aber aus, und das in einer Zeit, in der es heißt, der Autobauer peile in der Produktion an seinem südhessischen Standort Kurzarbeit an.

          Interessant ist, was die IG Metall nach der Vorlage der Jahresbilanz von Opel nicht von sich aus angesprochen hat: den Fall Segula. Dabei ist mit diesem Namen ebenfalls eine Großbaustelle in Rüsselsheim verbunden, die Lohscheller in absehbarer Zeit schließen soll.

          Streit über die Zukunft des Entwicklungszentrums

          Seit Monaten schwelt zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern der Streit über die Zukunft des Entwicklungszentrums. Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Betriebsteil. Vielmehr gilt das Entwicklungszentrum mit rund 7500 Mitarbeitern als Herz des Autobauers. Entsprechend gereizt haben Arbeitnehmervertreter auf die Absicht von PSA und Opel reagiert, Teile des Betriebs an den Dienstleister Segula zu übertragen – bis zu 2000 Entwickler inklusive. Segula ist ein Familienkonzern aus Frankreich. Die Firma ist nach eigenen Angaben in 30 Ländern mit 12.000 Mitarbeitern für Autobauer, Bahnbetriebe, Flugzeugbauer und Schiffbauunternehmen tätig. Hierzulande ist Segula aber ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Das ist ein Grund für die Zurückhaltung von Betriebsräten und Gewerkschaft. Ein zweiter Grund ist, dass sie der Argumentation des Arbeitgebers nicht folgen mögen.

          Opel macht geltend, nach und nach werde vielen Entwicklern die Arbeit ausgehen. Begründung: Die Aufträge der ehemaligen Konzernmutter General Motors liefen aus. Deshalb brauche das Entwicklungszentrum einen strategischen Partner. Dieser Partner solle für Opel arbeiten, aber nicht nur. Indem Segula auch andere Kunden bediene, könnten die bis zu 2000 Stellen besser gesichert werden als durch Opel allein. In einem Thesenpapier bezeichnet die IG Metall den geplanten Teilverkauf allerdings als „nicht notwendig“.

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