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Rückkehr in Gewinnzone : Opel hält trotz Kurzarbeit an Gewinnziel fest

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Das Aushängeschild des Kreises Groß-Gerau: die Adam-Opel-Statur vor dem Haupteingang von Opel am Rüsselsheimer Bahnhofsplatz. Bild: Röth, Frank

Der Rüsselsheimer Autobauer Opel will 2016 schwarze Zahlen schreiben - trotz Kurzarbeit. Das Unternehmen drückt ein Absatzeinbruch auf dem wichtigem russischen Markt.

          Auch die Talfahrt auf dem russischen Markt ändert nichts am Ertragsziel von Opel: Im Jahr 2016 will der Autobauer aus Rüsselsheim wieder Gewinne schreiben. Ein Opel-Sprecher bestätigte gestern auf Anfrage die Ankündigung, die auch Vorstandschef Karl-Thomas Neumann immer wieder bekräftigt. Den Rüsselsheimern geht es seit Monaten wie zum Beispiel auch der Stada Arzneimittel AG aus Bad Vilbel: Sie gehören zu jenen Unternehmen, die in Russland deutlich weniger verkaufen als frühen und unter der Verunsicherung der Verbraucher infolge des EU-Embargos und der erhöhten Inflation in dem Land leiden. Als Folge hatte Opel am vergangenen Freitag Kurzarbeit beantragt - obwohl das Unternehmen im Juni mehr Autos in Europa absetzen konnte als vor Jahresfrist.

          Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich mit wenigen Zahlen auflösen: In diesem Jahr wollte Opel in Russland mehr als 80.000 Autos verkaufen, ist in den ersten sechs Monaten aber nur auf 9000 gekommen. Vor einem Jahr waren es noch 33.500 Wagen gewesen. Hatte der Autobauer 2012 noch 7000 Kleinwagen des Modells Corsa in Russland verkauft, so ist der Absatz dieses Modells in der ersten Hälfte dieses Jahres praktisch zum Erliegen gekommen: Für gerade einmal 15 neue Corsas fanden sich noch Abnehmer. Noch kümmerlicher fielen die Verkäufe des Insignia aus: Weniger als fünf Exemplare des Mittelklassewagens setzte Opel im laufenden Jahr in Russland ab. Wie viele es vorher waren, behält das Unternehmen für sich.

          Seit 2008 fast unverändert

          Ob die fast nicht mehr wahrnehmbaren Insignia-Verkäufe damit zusammenhängen, dass dieses seit Herbst 2008 beinahe unverändert gebaute Modell sich langsam dem Ende seines Lebenszyklus nähert, sei dahingestellt. Klar ist aber: Der Corsa und der Insignia stammen aus deutschen Werken: Das Mittelklasseauto läuft in Rüsselsheim vom Band, der Kleinwagen wird in Eisenach gebaut, ebenso der als Stadtauto angebotene Adam, der aber auf dem russischen Markt nur eine untergeordnete Rolle spielt, wie es heißt.

          Vor diesem Hintergrund sieht Opel für Rüsselsheim 15 Tage Kurzarbeit bis Ende des Jahres vor und 25 für Eisenach. Dies könnte nach den Worten des Sprechers bedeuten, dass die Mitarbeiter in der Produktion an beiden Standorten die jeweilige Anzahl von Tagen überhaupt nicht zur Schicht erscheinen müssen. Möglicherweise fingen sie an einigen Tagen aber auch erst mit der Nachtschicht an. Wie die Kurzarbeit ausgestaltet werde, müsse erst noch von Unternehmen und Betriebsrat erörtert werden. Unter dem Strich werde bei 15 Tagen Kurzarbeit das Produktionsvolumen aber tatsächlich um 15 Tage gesenkt.

          Den Rückzug aus dem russischen Markt hatte der Autobauer schon im März angekündigt, was auch damit zusammenhing, dass die Verkäufe des im Werk St. Petersburg gebauten Kompaktwagens Astra schon seit längerer Zeit rückläufig sind. Die Produktion dort halbierte sich von 2013 auf 2014 und belief sich zuletzt auf nur noch gut 10.000 Stück. In den ersten drei Monaten dieses Jahres belastete das Russland-Geschäft den Ertrag des Unternehmens mit 400 Millionen Dollar, wie die Muttergesellschaft General Motors (GM) berichtete. Wie das zweite Quartal gelaufen ist, will der amerikanische Konzern an diesem Donnerstag erläutern. Dann gibt es auch neue Umsatzzahlen zu Opel.

          Die Talfahrt wiegt in der Gesamtschau für die deutsche GM-Tochter nicht zuletzt deshalb schwer, weil Russland bisher für Opel zu den wichtigsten Märkten zählte. An der Spitze steht, gemessen am Absatz im vergangenen Jahr, Großbritannien mit 302.000 Wagen der Marke Vauxhall, vor Deutschland mit 231.000 Opel-Fahrzeugen. Auf dem dritten Rang lag Italien gefolgt von Spanien, Frankreich und Russland. Trotz Kurzarbeit und Russland-Rückzug gibt sich Opel zuversichtlich: „Wir werden im Gesamtjahr weiter wachsen“, sagt der Sprecher.

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