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Opel : Der lange Lauf zur Gewinnschwelle

Der Vorstandsvorsitzende und sein Hoffnungsträger: Opel-Chef Neumann und der neue Astra, präsentiert auf der IAA im September 2015 Bild: AFP

In diesem Jahr gilt es für Opel: Die schwarze Null soll her. Vorstandschef Neumann gibt sich zuversichtlich, aber nicht überschwänglich. Immerhin ist ein großer Belastungsfaktor weg.

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          In das entscheidende Jahr geht Opel mit voller Kraft - jedenfalls gilt das für die Öffentlichkeitsarbeit. Fast täglich wartet der Autohersteller aus Rüsselsheim mit Nachrichten auf: Der am Stammsitz in Rüsselsheim gefertigte Familien-Van Zafira (siehe Karte) ist abermals zum umweltfreundlichsten Fahrzeug seiner Klasse gewählt worden und der kompakte sportliche Geländewagen Mokka zum Firmenauto des Jahres. Opel bietet für seinen Stadtflitzer Adam nun noch mehr Kombinationsmöglichkeiten bei der Ausstattung an. Nicht zuletzt hat die Muttergesellschaft General Motors mit einem anderen Unternehmen eine Allianz zu selbstfahrenden Autos gebildet, wie Opel wissen ließ. Dass die eine oder andere Meldung per Blick in den Rückspiegel entstanden ist, also an 2015 erinnert - geschenkt. Klappern gehört nicht zuletzt auch für einen Autobauer mit Nachholbedarf nach langer Talfahrt zum Handwerk.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und manche Nachrichten ergeben sich erst aus der Vergangenheit. Das gilt für die beiden wichtigsten. Demnach sind im abgelaufenen Jahr in Deutschland 4,7 Prozent mehr Fahrzeuge mit dem Opel-Blitz zugelassen worden als 2014. Dass die Rüsselsheimer mit dem Gesamtmarkt nicht ganz Schritt halten konnten, der ein Plus von 5,6 Prozent einfuhr, trübt das Bild nur ein wenig. Denn in ganz Europa konnte Opel 2015 mehr als 1,1 Millionen Auto absetzen. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 35.000 Fahrzeugen oder 3,3 Prozent, wie der Autobauer vorrechnete. Und dieser Zuwachs genügte, um etwas stärker zuzulegen als der Durchschnitt. Zudem ist der Marktanteil von Opel in Europa auf 5,8 Prozent geklettert und mithin auf den höchsten Stand seit 2011.

          Hoffnungsträger Astra

          „Dank unserer Modelloffensive war das Jahr 2015 das erfolgreichste für Opel seit vier Jahren. Wir haben Volumen und Marktanteil gesteigert und sind sehr zuversichtlich, dass wir diesen Erfolg 2016 fortschreiben werden“, sagt Vertriebschef Peter Christian Küspert. Ein Grund für den Optimismus sei der neue Kompaktwagen Astra, der auch mit dem Werbepartner Jürgen Klopp am Lenkrad dem Marktführer VW Golf wieder mehr Konkurrenz machen soll als der Vorgänger. „Obwohl das Auto in den meisten europäischen Märkten erst im Laufe des Novembers in den Handel gekommen ist, gibt es bereits mehr als 80.000 Bestellungen. Und wir erwarten uns einiges vom Astra Sports Tourer, der ab dem Frühjahr produziert werden wird“, lässt Küspert wissen. Opel habe in 20 Ländern mehr Autos abgesetzt als 2014, darunter in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.

          Allein der Mokka ist bisher 500.000 Mal bestellt worden und hat mit einem Plus von 16 Prozent den größten Zuwachs aller Personenkraftwagen des Anbieters erzielt; der in Eisenach hergestellte Kleinwagen Corsa kam auf sechs Prozent. Noch stärker, nämlich um 24 Prozent, ist der Absatz leichter Nutzfahrzeuge gestiegen, allen voran das Modell Vivaro, das zum Beispiel mit VW-Transportern und Mercedes-Sprintern konkurriert. Dies ist aus Sicht von Opel umso erfreulicher, als der Gesamtmarkt nur um neun Prozent zulegen konnte.

          Das alles liest sich schön, doch ändert es an einer entscheidenden Tatsache rein gar nichts: Auch das vergangene Jahr hat Opel noch rote Zahlen geschrieben, wie Vorstandsvorsitzender Karl-Thomas Neumann nach dem Jahreswechsel sagte. Eine unerwartet schlechte Nachricht ist das allerdings nicht. Denn Opel hatte zuvor keineswegs 2015 zum Jahr der Ertragswende erklärt - sondern 2016. Daran hält Opel auch fest. Außerdem hatte die kurz GM genannte Muttergesellschaft in Detroit im Oktober schon verlautbart, vor allem mit dem von Opel und der Tochtermarke Vauxhall repräsentierten Europageschäft weiter Verluste zu schreiben. Das Gute an dieser Meldung: Die Verluste halbierten sich im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

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