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Standortanalyse in Sekunden : Wo sich Windkraft lohnt

Eine Online-Analyse verrät, welcher Standort sich für eine Windkraftanlage wirklich lohnt (Symbolbild). Bild: dpa

Wann lohnt sich eine Windenergieanlage? Betreiber können sich das nun im Internet innerhalb von wenigen Sekunden ausrechnen lassen.

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          Betreiber von Windenergieanlagen können sich nun im Internet innerhalb von Sekunden ausrechnen lassen, ob sich ein Rotor an einem bestimmten Standort lohnt. Vorgenommen wird diese Schnellanalyse mit Hilfe einer neuen Software. Dieser „Windpark-Check“ soll zum Beispiel die Entscheidung erleichtern, ob eine alte Anlage weiterbetrieben oder besser durch eine neue ersetzt wird. Dieses Angebot ist besonders für Windräder gedacht, bei denen die Subventionierung, also die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), ausläuft.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dann stellt sich die Frage, ob ein weiterer Betrieb für den Standort überhaupt noch wirtschaftlich ist oder ob der Rotor besser abgebaut und gebraucht verkauft wird, zum Beispiel nach Osteuropa. Das Angebot, einen Standort auf seine Wirtschaftlichkeit zu prüfen, richtet sich nicht nur an die Betreiberfirmen, sondern auch an die Hersteller von Anlagen, Investoren, Banken und Vermarkter.

          Schon lange in der Branche aktiv

          Für dieses Angebot hat sich ein Unternehmen aus Gelnhausen, Wind-turbine.com, mit einem Start-up aus Hannover, Nefino, zusammengetan. Das Analyse-Instrument wird nach Angaben der beiden Unternehmen ab Dienstag, dem 10. September, über die Website wind-turbine.com erreichbar sein. Entwickelt hat den digitalen „Windpark-Check“ das junge Unternehmen Nefino, das aus einem Forschungsprojekt an der Universität hervorgegangen ist.

          Das Unternehmen Wind-turbine.com mit seinem Sitz in der Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises ist schon seit langer Zeit als Dienstleister für die Windenergiebranche aktiv und vermittelt auf seiner Website Ersatzteile für die Rotoren und Leistungen spezialisierter Servicefirmen, wie der Geschäftsführer Bernd Weidmann erläutert. Auch wer ganze Windräder kaufen will, neu oder gebraucht, kann danach auf der Website suchen.

          Bis zum Jahr 2030 wird für fast jede zweite Windanlage in Deutschland die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz auslaufen, wie Jan-Hendrik Piel sagt, bei Nefino Leiter der Informationstechnik. Das betrifft nach seinen Worten mehr als 12.000 Rotoren, die zusammen Strom mit einer Leistung von 14 Gigawatt erzeugen. Ohne den Zuschuss vom Staat stehe der Betreiber vor einer Wahl unter drei Möglichkeiten: Er kann erstens das Windrad weiterbetreiben, es zweitens durch eine neue, größere Anlage ersetzen oder drittens den Rotor abbauen und ganz auf den Standort verzichten. Dafür schlägt der Windpark-Check im Internet eine Antwort vor, wie Piel erläutert.

          „Unmengen von Daten“

          Errechnet werde dieser Vorschlag aus „Unmengen von Daten“. So verfüge Nefino über Angaben zu allen 29.000 Standorten von Windrädern in Deutschland. Zum Beispiel würden die Entfernung zur nächsten Siedlung und der vorgeschriebene Mindestabstand berücksichtigt. Einkalkuliert werde in der Berechnung auch, wie oft und wie stark der Wind an einem bestimmten Ort weht, vorhergesagt anhand von Winddaten aus den vergangenen 39 Jahren. Auch die Höhe des Rotors könne einen Unterschied machen, weil die Windkraft bei einer neuen Anlage mit einer Höhe von 140 Meter anders wirke als bei einem alten Rotor mit 70 Metern Höhe. Kern des Windpark-Checks ist die speziell entwickelte Software, die innerhalb von Sekunden eine erste Einschätzung liefert, wie Piel sagt. Diese wird auf der Website unentgeltlich präsentiert. Eine eingehendere Analyse gibt es gegen Bezahlung.

          Die Empfehlung für die Wahl unter den drei Möglichkeiten ist eine neutrale Einschätzung, wie Weidmann hervorhebt. Die beiden Unternehmen lebten von der Analyse, nicht vom Verkauf neuer Rotoren. Das verhalte sich anders bei der Beratung durch einen Hersteller, der ebenfalls Standorte prüfe, aber immer bestrebt sei, diesen als günstig für die von ihm angebotenen Anlagen darzustellen. Außerdem verkürze der neue Windpark-Check die Entscheidungsprozesse.

          Die beiden Unternehmen rechnen sich deshalb Chancen aus, weil kleine und mittelgroße Windparkbetreiber keine eigenen Mitarbeiter für eine Standortanalyse beschäftigen, wie der Geschäftsführer von Nefino, André Koukal, sagt. Und zu den Firmen dieser Größe gehörten hierzulande die meisten Betreiber von Windrädern.

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