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Online-Kaufhaus : Monagoo will Geld im Netz sammeln

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Wollen 200.000 Euro per Crowdfunding einsammeln: Georg Faust (rechts) und Holger Heinze, Geschäftsführer von Monagoo Bild: Cornelia Sick

Erst seit August 2014 ist das Online-Kaufhaus Monagoo im Netz. Seitdem steigt die Zahl der angebotenen Produkte rasch. Per Crowdfunding wollen sich die Gründer nun Geld für die Expansion beschaffen.

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          Georg Faust und Holger Heinze verfolgen ein ehrgeiziges Ziel: Die Geschäftsführer des jungen Internet-Kaufhauses Monagoo mit Sitz in Bad Homburg wollen 200.000 Euro per Crowdfunding einsammeln. Heute beginnt ihre Kampagne. Hersteller von konventioneller Ware suggerierten ihnen, dass „wir akzeptieren müssen, dass Menschen leiden und Gifte verarbeitet werden, wenn wir einkaufen“, sagt Heinze. Damit wollten sie sich aber nicht abfinden. Im Verlauf der Crowdfunding-Kampagne sollen, so der Wunsch der Gründer, viele Geldgeber mit kleinen Beträgen die große Summe aufbringen, mit der sie den nachhaltigen Einkauf stärken wollen. „Es gibt tolle Hersteller und Produkte in diesem Bereich, in denen alles in Ordnung ist“, versichern sie.

          Beim Rückblick auf den Geschäftsverlauf der für den Handel so wichtigen Wochen vor dem Jahreswechsel sagt Heinze: „Es ist das beste Weihnachtsgeschäft der Firmengeschichte gewesen“, sagt Heinze. Nur um gleich nachzureichen, dass das Geschäftsjahr 2014 eigentlich nur aus Vorweihnachts- und Weihnachtsgeschäft bestand. Diese Bilanz überrascht nicht, denn der Online-Shop hat erst im August 2014 mit 200 Artikeln eröffnet.

          Nachhaltig und transparent soll es in den digitalen Schaufenstern zugehen. Von der Presse bereits als ein grünes Amazon apostrophiert, sehen sich die Gründer aber eher als ein Internet-Kaufhaus mit klaren Produktkriterien. Zudem seien sie Einzelhändler und nicht Logistiker, sagt Faust. Und das Kalkül scheint aufzugehen: Gerade hat der Rat für nachhaltige Entwicklung, berufen von der Bundesregierung, das Unternehmen für seine Alltagstauglichkeit ausgezeichnet.

          Wo einst Hess Natur begann

          Heinze und Faust arbeiten in einem Großraumbüro. In zwei großen Fenstern schimmern dort Sterne, ansonsten bauen sie den Online-Handel unter Neonlicht auf. Das Start-up hat sich in der alten Zentrale von Hess Natur in Bad Homburg eingerichtet. Schicke Nachhaltigkeitsmöbel stehen dort nicht, zwischen Kartonburgen geht es hier eher pragmatisch zu.

          „Um so einen Laden aufzubauen, muss man schon eine sechsstellige Summe in die Hand nehmen“, sagt Heinze. Die Idee dazu hatte er, nachdem er aus Mittelamerika zurückgekehrt war, wo er nachhaltige Geschäftskonzepte in der Touristik entwickelt hatte. Erwischt vom europäischen Winter suchte er faire Mode, war überrascht von der Vielfalt. Doch die Internetshops empfand er als sperrig und kompliziert. Online einkaufen geht anders - von dieser Idee überzeugte er im Dezember 2013 Georg Faust, Logistiker und Kaufmann von Monagoo. Beide Unternehmer bringen Expertise mit: Heinze hat 15 Jahre Berufserfahrung und Faust bringt es auf 20 Jahre. Neben ihnen arbeiten mittlerweile vier Angestellte und sechs freie Mitarbeiter im Betrieb. Die Metropolregion Frankfurt bot sich ihnen an, denn dem Gründer-Duo war der Start-up-Markt in Berlin zu überhitzt, in Rhein-Main sei es bodenständiger.

          „Wir wollen es natürlich auch den Nachhaltigkeits-Ninjas und Lohas recht machen“, sagt Heinze. Auch wenn sie nicht den nachhaltigsten Laden betrieben, so doch einen nachhaltigen. Dafür haben sie eine Reihe Kriterien aufgestellt, an denen sie Produkte und Hersteller messen. Ihr Anliegen ist es, möglichst transparent zu machen, wo das Produkt herkommt und unter welchen Bedingungen es fabriziert wurde. „Man kann sich totlesen bei uns im Shop“, erläutert Heinze.

          Von 200 auf 5500

          Ein Teil ihres Konzeptes ist, die Kosten für Werbung nicht in die Höhe zu treiben. „Anstatt Magermodels auf Südseeinseln in Buchten mit der Markenmode abzufotografieren, sparen wir das Geld lieber und halten die Preise der Produkte niedriger.“ Ohnehin werde das Start-up nicht „so hyperschnell wachsen“. Allerdings stieg die Zahl der angebotenen Artikel recht flott, in vier Monaten von 200 auf 5500. Bei diesem Angebot gehen derzeit zwei bis zwanzig Bestellungen am Tag ein. Das alles muss verschickt werden. Zwar nutzt das Unternehmen klimaneutralen Versand, doch die beiden Gründer müssen zugeben, dass das System noch nicht perfekt ist, auch wenn die Emissionen ausgeglichen werden.

          Durch Lobbyarbeit wie jener im Bundesverband der Logistik wollen sie mit Konzernen wie der DHL ins Gespräch kommen. So könnte sich Faust eine Flotte Elektroautos für die Boten vorstellen. Zudem sei die Retourenquote nicht so hoch wie bei anderen Online-Händlern. „Der nächste Schritt ist, eine nachhaltige Lagerlogistik aufzubauen“, berichtet Faust und hat schon einen lokalen Betrieb in Familienhand im Auge.

          Apropos Ziele: Geht es nach Geschäftsführer Heinze, hat das Kaufhaus im neuen Jahre 10 000 Artikel im Angebot. „Wir wollen für eine fünfstellige Anzahl an Menschen Alltagbegleiter sein.“ Dafür arbeiten die Gründer auch an Feiertagen durch - und können Crowdfunding-Geld gut gebrauchen.

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