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Olympiakandidatin Restle-Apel : Unter Doping-Verdacht

  • -Aktualisiert am

Auch der Laufsport ist von Doping betroffen. Bild: SCANPIX SWEDEN

Langstreckenläuferin Simret Restle-Apel beteuert, ihr Vergehen sei „versehentlich und nicht mit Absicht passiert“. Der gebürtigen Eritreerin droht eine Sperre von zwei Jahren.

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          Kaum war die Nachricht - Simret Restle-Apel suspendiert, weil unter Doping-Verdacht - auf dem Markt, kam Bewegung ins Soziale Netzwerk. Martin Grüning, stellvertretender Chefredakteur der Fachzeitschrift „Runner’s World“, postete über Facebook: „Bitte nicht! Ich bin stinksauer.“

          Nur wenige Wochen nachdem kenianische Weltklasseläufer in einem Beitrag der ARD verdächtigt wurden, zu unerlaubten Mitteln zu greifen, ist der nationale Spitzenlaufsport mit Fakten betroffen.

          Simret Restle-Apel, zu Hause in Wiesbaden und als Langstreckenläuferin im Trikot von Grün-Weiß Kassel erfolgreich, ist bei einer Trainingskontrolle der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) mit einer positiven Probe aufgefallen. Die 28 Jahre alte Profiläuferin hatte sich im Mai über 5000 (15:28,71 Minuten) und 10.000 Meter (32:41,50) für die Europameisterschaft in Helsinki qualifiziert; Mitte April war sie im südhessischen Griesheim nach einer Galavorstellung deutsche Halbmarathonmeisterin geworden (1:12:57 Stunden).

          Auf ihrer Homepage kommentierte die gebürtige Eritreerin, die vor zehn Jahren nach Deutschland kam, die positive Doping-Probe mit den Worten: „Ich habe versucht herauszufinden, wie es hierzu kommen konnte. Es geschah nicht mit Absicht zur Leistungssteigerung, sondern versehentlich und einmalig. Trotzdem bedauere ich den Vorfall so sehr.“

          Keine Auskunft

          Laut „Spiegel online“ soll bei der Hessin das Hormon Erythropoietin - Kurzform Epo - nachgewiesen worden sein. Epo steigert die Produktion roter Blutkörperchen und verbessert damit das Sauerstoffaufnahmevermögen. In ihrer Erklärung teilt Simret Restle-Apel mit, dass sie „aufgrund des laufenden Verfahrens keine weiteren Auskünfte geben“ werde.

          Ihr Trainer Winfried Aufenanger aus Kassel reagierte „überrascht“ in seinem ersten Kommentar. „Eine Athletin, die man aus der Ferne trainiert, hat man nicht so im Blick.“ Laut dem früheren Marathon-Bundestrainer glaubt Simret Restle-Apel an die Verwechslung mit einem Medikament ihrer kranken Schwiegermutter.

          Sollte sich der Doping-Verdacht bestätigen, wovon auszugehen ist, wird Simret Restle-Apel zwei Jahre gesperrt werden. „Trotz der negativen Aussicht bedeutet dies nicht mein Karriereende, sondern dass ich weiterhin sehr hart trainiere und dass mein Sport an erster Stelle für mich steht“, sagt sie. „Das Doping-Kontrollsystem scheint zu funktionieren, und das ist gut so“, sagt Anja Wolf-Blanke, die Präsidentin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes.

          Nicht der erste Dopingfall

          Simret Restle-Apel ist seit Oktober 2011 mit dem Orthopädie-Facharzt Rainer Apel verheiratet. Der Mediziner war viele Jahre Mannschaftsarzt des Volleyball-Bundesligaklubs VC Wiesbaden. In erster Ehe wohnte sie mit ihrem Mann Tim Restle im Wiesbadener Stadtteil Kloppenheim. Die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt sie seit 2007, ein Jahr später versuchte sie vergeblich, sich über 3000 Meter Hindernis für die Olympischen Spiele in Peking zu qualifizieren.

          Der ultimative Sprung ins internationale Geschäft, perspektivisch auch über die Marathondistanz, sollte in diesem Jahr gelingen. Herausgekommen ist ein Doping-Verdachtsfall, wie Hessen in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon einige hatte.

          Vor vier Jahren wurde der Wiesbadener Dreispringer Nico Bayer mit dem Aufputschmittel Amphetamin erwischt, 2005 im Urin des jugendlichen Hammerwerfers Christian Schmitt vom SV Neu-Isenburg das Kälbermastmittel Clenbuterol entdeckt. Wenige Tage nach der Jahrtausendwende hatte es Kugelstoßer Uwe Krah (TV Obersuhl) bei den hessischen Hallenmeisterschaften besonders dreist getrieben: Trotz einer Doping-Sperre des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber stieg Krah in Stadtallendorf in den Ring, wurde aber von einem Journalisten enttarnt und nachträglich disqualifiziert.

          Jeweils Anabolika sorgten bei dem drittklassigen Weit- und Hochspringer Sven Martin (LG Frankfurt/1991) sowie bei Langstrecken- und Marathonläuferin Iris Biba (1993) für das Karriereende beziehungsweise einen Karriereknick.

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