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Frankfurter Kabarett : Es bleibt in der Familie

Kuchen kommen und gehen, das Kabarett bleibt: Olcay Acet ist neue Geschäftsführerin der Frankfurter Käs. Bild: Frank Röth

Die Käs hat eine neue Leiterin, die vielen schon bekannt sein dürfte: Olcay Acet tritt in die Fußstapfen ihrer Eltern. Auf ihre Handschrift aber muss noch etwas gewartet werden.

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          Dass nun andere Hände wirken, ist schon zu sehen: Blumen stehen auf einem Beistelltisch, auf der Anrichte der Bar prangen unter durchsichtigen Glocken und in hohen Gläsern hausgemachte Kleinigkeiten. Sogar der Holunderblütensirup für die Limonade ist selbstgemacht. „Wir backen selber, meine Tochter und ich - Kuchen, Brownies, Börek“, sagt Olcay Acet.

          Eva-Maria Magel
          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nicht, dass das Kuchenbacken die Hauptsache wäre in der Käs. Aber auch damit knüpft die 45 Jahre alte Acet an eine Tradition an. Als das Kabarett Änderungsschneiderei, heute meist nur noch kurz die Käs genannt, 1997 an der Frankfurter Finkenhofstraße eröffnet wurde, gehörte das Zusammensitzen vor und nach der Vorstellung, bei einem Glas Wein und türkisch-deutschen Snacks, mit dazu. Schon damals hat Acet mit Hand angelegt. Als Tochter von Ayse Aktay, die zusammen mit ihrem Mann, dem Kabarettisten Sinasi Dikmen, die Kleinkunstbühne gegründet hat, half sie von der ersten Stunde an: „In der Finkenhofstraße haben alle alles gemacht“, erinnert sie sich.

          „Ein Familienbetrieb“

          Dann aber ging sie eigene Wege, studierte Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität, machte eine Ausbildung im Film- und Fernsehgeschäft. In den vergangenen Jahren kamen noch eine Ausbildung zur Gestalttherapeutin und Projekte in der bildenden Kunst hinzu, unter anderem Videoarbeiten zur „Generation Einskommafünf“, jener also, die, wie sie selbst, als Kinder der ersten türkischen Einwanderergeneration und als Nachgezogene nach Deutschland kamen.

          Nun aber macht sie wieder, beinahe, alles: als Leiterin der Käs. Die gemeinnützige GmbH, die einen städtischen Zuschuss von rund 55000 Euro erhält, wird nun als Gesellschafterin von ihr neben Aktay und Dikmen verantwortet. Weil das Jahresprogramm von langer Hand geplant ist, soll sich zwar erst im Laufe des nächsten Jahres Acets Handschrift zeigen, wenn im Dezember das neue Programmheft erscheint. Aber weil das Kabarett, das seit 2002 im Seitenbau der Frankfurter Naxoshalle an der Waldschmidtstraße ansässig ist, jüngst wegen Brandschutzmaßnahmen ein weiteres Mal hat umgestaltet werden müssen, prägen den Raum, zumal das neue Foyer und das kulinarische Angebot, schon jetzt ihre Ideen. „Es ist alles etwas persönlicher geworden“, sagt die zierliche Frau, die derzeit fast täglich von 9 bis 23 Uhr in der Käs arbeitet. „Wir wollen uns hier wohl fühlen, weil wir so viel Zeit hier verbringen.“

          Wir, das sind ihr Mann Dietmar Hartwig, der als Musiker und Produzent nun die Technik verantwortet, sie selbst, aber auch die drei Kinder. Die Älteste, gerade 18, backt Kuchen, die beiden Jüngsten, zwei und sieben Jahre alt, verbringen die Nachmittage bis zur abendlichen Vorstellung in der Käs. Ihnen will sich Großmutter Aktay demnächst mehr widmen, bislang aber ist sie wieder die gute Seele im Büro. „Die Käs ist ein Familienbetrieb“, sagt Sinasi Dikmen.

          Bissig und politisch persönlich

          Ziemlich überraschend war vor kurzem verkündet worden, die erst im Frühjahr vergangenen Jahres angetretenen Gesellschafter Dorothee Arden und Michael Glebocki, als Leiter des Kronberger Kulturkreises und des Freschen Kellers in Ortenberg erfahrene Kulturarbeiter, würden abgelöst. Sie waren, ebenso plötzlich, auf den seinerseits erst 2013 engagierten einstigen Leiter des Neuen Theaters Höchst, Dusan Pintner, gefolgt. Nun wollen die Gründer ihre Tochter, auch der Sohn Oktay hat schon in der Käs gearbeitet, nach Kräften mit ihrer Erfahrung unterstützen. Lange habe man überlegt, so Dikmen, aber im Detail habe man sich mit den externen Profis nicht recht verstanden.

          Nun ist die Käs also wieder ein reines Familienunternehmen. An den Schwerpunkten will Acet nichts ändern: viel Kabarett, wobei sie das bissige und politische persönlich am meisten schätzt, werde es geben, und etwas Comedy. „Was das Genre betrifft, bin ich offen“, sagt sie. Deshalb wird es den von Arden und Glebocki etablierten Poetry Slam an den Montagen weiter geben, und neben Fernsehgrößen, für die bisweilen in größere Säle ausgewichen wird, sollen auch Neulinge ihren Platz haben. Viele davon haben sich schließlich im Lauf der Zeit etabliert - und kommen immer wieder in die Käs.

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