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Oka Nikolov : Zurück auf der Bühne

  • -Aktualisiert am

Packt zu, wenn er gebraucht wird: Oka Nikolov. Bild: Wonge Bergmann

Oka Nikolov, 38 Jahre alt, steht wieder im Tor von Eintracht Frankfurt. Auch wenn er am Ende der Saison seinen Platz wieder räumen muss, will er seine Profikarriere fortsetzen.

          „Ich werde wahrscheinlich aufgeregt sein.“ Das hat Oka Nikolov gesagt, der an diesem Sonntag beim Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Greuther Fürth zum ersten Mal in dieser Bundesliga-Saison im Tor der Frankfurter Eintracht stehen wird. Diese Erwartung erscheint auf den ersten Blick überraschend, denn Nikolov feiert bald seinen 39. Geburtstag, steht seit mehr als zwei Jahrzehnten bei der Eintracht unter Vertrag, hat 371 Pflichtspiele für die Frankfurter absolviert und gilt als Ruhepol in jeder Lage. In jeder sportlichen Situation hinterlässt er den Eindruck, ihn könne eben nichts aus der Ruhe bringen. Nun aber, vor seinem 372. Spiel, scheint alles etwas anders zu sein als in der Vergangenheit. Denn der „ewige Oka“, wie er respektvoll bezeichnet wird, hat nicht mehr wirklich damit gerechnet, in dieser Spielzeit noch einmal gebraucht zu werden. Eigentlich habe alles auf eine „ruhige Endphase“ der langen Karriere hingedeutet, hat er in einem Interview gesagt, nun sei „alles anders gekommen“. Neun Monate hat er in keinem Pflichtspiel mehr zwischen den Pfosten gestanden, zuletzt am 19. August des letzten Jahres beim Pokalspiel in Aue, da hatte sich Nikolov schon ein wenig auf den sportlichen Ruhestand vorbereitet. Die Anspannung, die der Torwart nun verspüre, sei freilich völlig normal, sagt Trainer Armin Veh, „das ist wie bei einem Künstler, der auf die Bühne zurückkehrt“.

          Nikolov schien nach einem kurzen Zweikampf während der Saisonvorbereitung im letzten Sommer die ganz große Bühne verlassen zu haben, zu deutlich war der Vergleich der Torhüter für den jungen Herausforderer Kevin Trapp ausgefallen. Die Wachablösung war reibungslos vonstattengegangen, weil Trapp über Wochen und Monate überragende Leistungen gezeigt und Nikolov die Klasse des Konkurrenten neidlos anerkannt hatte. Doch nun ist der 22 Jahre alte Trapp verletzt, hat sich bei einem Werbedreh für den Deutschen Fußball-Bund die Hand gebrochen und wird bis zum Saisonende nicht mehr spielen können. Und so ist wieder einmal und noch einmal Nikolovs Zeit gekommen. Zuletzt nur noch Nebendarsteller, muss oder darf er nun wieder eine Hauptrolle übernehmen. Seinen Platz auf der Bank wird übrigens der 19 Jahre alte Aykut Özer einnehmen. Für den türkischen Juniorennationalspieler ist es das erste Mal, dass er bei einem Bundesligaspiel dabei sein wird. So liegen Comeback und Debüt bei den Frankfurter Torhütern eng beisammen.

          Keine Probleme mit der Fitness

          Überrascht von der Entwicklung war Nikolov, „weil ja niemand ahnen kann, dass sich Kevin bei einem Werbeauftritt verletzt“. Erschrocken aber war er nicht, als er von Torwarttrainer Moppes Petz über das Missgeschick des Kollegen informiert wurde. „Ich trainiere ja immer mit dem Hintergedanken, dass ich auch spiele“, sagt er, „deshalb werde ich ja vom Verein bezahlt.“ Aber natürlich ist die mentale Intensität eine andere, wenn der Spieler weiß, dass er auch spielen wird, gerade bei einem älteren Profi. „Wir haben mehr gemacht in der letzten Woche“, sagt Trainer Petz. Einerseits sei es wichtig gewesen, Nikolov mit häufigen Wiederholungen der Trainingsinhalte Sicherheit zu vermitteln, andererseits aber habe er darauf achten müssen, das Pensum nicht zu überziehen. So durfte der an diesem Wochenende älteste Spieler der ersten Liga am Freitag den Trainingsplatz, wie ein paar andere Kollegen auch, schon nach einer guten halben Stunde Richtung warmer Kabine verlassen. Schließlich müsse Nikolov „frisch“ ins Spiel gehen. „Oka macht das schon“, sagt Petz, „er weiß, was zu tun ist.“ Diese Überzeugung teilen alle bei der Eintracht, von den Trainern über die Mitspieler bis hin zu den Fans. Nikolov genießt nach wie vor großes Ansehen und noch größeres Vertrauen.

          Das größte Problem beim Spiel wird sicher nicht die körperliche Fitness sein, hat der Achtunddreißigjährige doch die allermeisten Trainingseinheiten ganz genau so wie der Kollege Trapp absolviert und nur ganz selten vom Angebot der Trainer Gebrauch gemacht, sich und seinem Körper mal eine Pause zu gönnen. Verletzungsprobleme hatte er in dieser Saison auch keine, gefehlt hat er nie. „Nur weil man nicht zum Einsatz kommt, kann man sich ja nicht ausruhen“, sagt er, „es kann ja immer sein, dass etwas passiert.“ Nun ist es passiert. Was Nikolov fehlt, ist in dieser Saison die Spielpraxis und der Spielrhythmus. Zuletzt hat er neunzig Minuten im Privatspiel in Oberrad zwischen den Pfosten gestanden, wurde wenig geprüft, hatte aber durchaus ein paar Wackler im Spiel. Rückschlüsse auf seine Leistung in Fürth könne diese Begegnung so wenig geben wie die Trainingseinheiten. „Bundesliga ist immer etwas ganz anderes“, sagt er. Bei aller Aufregung überwiege die Freude, wieder in der Bundesliga zu spielen. „Ich will der Mannschaft helfen, dass wir eine gute Saison gut zu Ende bringen“, sagt er. Acht Spiele wird Nikolov nun also noch im Tor stehen, wenn nichts Unerwartetes dazwischenkommt. Und auch danach soll noch nicht Schluss sein. Gerade hat es auch auf Empfehlung von Trainer Veh erste Gespräche zwischen Klub und Spieler gegeben, mit dem Ziel, den im Sommer auslaufenden Vertrag noch einmal um ein Jahr zu verlängern. „Ich würde gerne weitermachen“, hat Nikolov Sportdirektor Bruno Hübner mitgeteilt. Der „ewige Oka“ eben.

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