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Kommentar : Ohne Kontrolleure ein Verkehrschaos

Einnahmequelle für Kommunen und Mittel zur Disziplinierung von Autofahrern: Strafzettel Bild: dpa

Es ist Unsinn zu behaupten, die Kommunen wollten möglichst viele Knöllchen verteilen, um die Stadtkasse zu füllen. Sie schicken vielmehr ihre Kontrolleure aus, um die Bürger zu schützen.

          Raubritter, Abkassierer, Wegelagerer. Vielerorts in Hessen werden die Stadtoberen solche Beschimpfungen von empörten Zeitgenossen zu hören bekommen, denen die Nachricht von vielerorts gestiegenen Einnahmen durch Verwarn- und Bußgelder in ihr Weltbild vom räuberischen Staat passt. Ihnen muss man entgegenhalten, dass die Städte, wenn sie Knöllchen verteilen, Verkehrsverstöße ahnden. Wer sich korrekt verhält, dem wird kein Cent abgenommen.

          Was würde passieren, wenn die Kontrolleure ihre Arbeit einstellen würden? In kürzester Zeit bräche das Verkehrschaos aus. Die Rüpel würden auf der Straße die Macht übernehmen, bald herrschte das Recht der Pferdestärken und Sechszylinder. In kürzester Zeit wären die Fußgängerzonen, Zebrastreifen und Feuerwehreinfahrten zugeparkt. Das rote Ampelzeichen würde ignoriert.

          Nur mit Verkehrskontrollen ist ein Krieg aller gegen alle auf den Straßen zu verhindern. Wenn vor Schulen die Geschwindigkeit gemessen wird, schützt das die Kinder; wenn auf Zebrastreifen stehende Autos abgeschleppt werden, kommen die Fußgänger zu ihrem Recht; wenn Blitzanlagen installiert werden, verhindert das schlimme Unfälle.

          Es ist Unsinn zu behaupten, die Kommunen wollten möglichst viele Knöllchen verteilen, um die Stadtkasse zu füllen. Sie schicken vielmehr ihre Kontrolleure aus, um die Bürger zu schützen und ein halbwegs erträgliches Miteinander im Verkehr zu erzwingen.

          Ihr Einsatz erfolgt übrigens häufig auf Wunsch der Bürger. Die Frankfurter Verkehrspolizei etwa kommt den Anträgen der Ortsbeiräte nach Geschwindigkeitskontrollen gar nicht nach. Wenn dann die Kontrolleure tatsächlich ein, zwei Tage lang an einer bestimmten Straße blitzen, hält die Verkehrsdisziplin dort leider nur ein paar Wochen lang an.

          Sollten die Einnahmen aus Strafzetteln die Kosten der Kontrolleure decken, kann das nur gut sein. Wenn eine Kommune ein paar tausend Euro über den Durst einnimmt, ist aber auch das durchaus in Ordnung.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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