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Nach Unglück im Zoo : Keine regelmäßige Überprüfung von Gehegen

Gesperrt: Am Kamelgehege des Frankfurter Zoos geht es für Besucher nicht weiter. Bild: dpa

Viele offene Fragen: Nach dem Tod des zwei Jahre alten Jungen im Frankfurter Zoo werden weitere Zeugen befragt. Eine Wasserprobe soll den Gerichtsmedizinern helfen.

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          Nach dem Tod des zwei Jahre alten Jungen, der vor einer Woche am Kamelgehege im Zoo ertrunken war, ist noch immer nicht vollständig geklärt, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern sagte, werden noch immer weitere Zeugen befragt, die sich an jenem Freitagnachmittag in der Nähe des Kamelgeheges aufgehalten hatten. Offenbar gibt es keine Zeugen, die gesehen haben, wie das Kind in das Wasserbecken gefallen ist. Auch ist weiter unklar, wie lange der Junge schon im Wasser lag, bevor er dort gegen 16.30 Uhr leblos treibend gefunden wurde.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die genaue Todesursache sollte die Obduktion ergeben, die am Montag stattgefunden hat. Allerdings sei mit dem endgültigen Ergebnis erst Anfang nächster Woche zu rechnen, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Die Ermittler gehen weiterhin von einem Tod durch Ertrinken aus. Die näheren Umstände müssten nun jedoch noch zweifelsfrei belegt werden, hieß es. So müssten die sogenannten feingeweblichen Untersuchungen abgewartet werden, um sicherzugehen, dass es keine anderen Umstände, wie etwa Fremdverschulden oder organisches Versagen, gegeben habe, die zum Fall ins Wasser und somit zum Tod des Jungen geführt haben könnten.

          Zoo und Kulturdezernat schweigen

          Bei der Obduktion wurde dem Vernehmen nach kein Wasser mehr in der Lunge des Kindes gefunden. Deshalb wurden noch einmal Proben aus dem Wassergraben am Kamelgehege entnommen. Diese sollen nun mit den Ablagerungen im Lungengewebe verglichen werden, um zu belegen, dass der Junge in dem Becken ertrunken ist, und möglicherweise auch Aufschlüsse darüber geben, wie lange er im Wasser gelegen hat.

          Im Zoo und im zuständigen Kulturdezernat schweigt man weiter zu dem Vorfall. Erst müssten alle Ergebnisse der Staatsanwaltschaft vorliegen, dann könne man sich äußern, teilten sowohl der Tierpark als auch das Dezernat mit. Auf Fragen dazu, wer für die Prüfung der baulichen Sicherheit zuständig sei, verweisen die städtischen Baubehörden auf das Kulturdezernat. Sowohl dort als auch im Zoo heißt es zu entsprechenden Fragen, es gebe keine entsprechenden Überprüfungen für bestehende Anlagen. Nur die Spielplätze würden regelmäßig auf Sicherheit überprüft.

          Ein Bauzaun versperrt den Weg

          Dass derzeit der Weg, der am Kamelgehege vorbeiführt, durch einen Bauzaun versperrt wird, hat nach den Worten von Zoodirektor Miguel Casares nichts mit dem Unfall zu tun. Je nachdem, welche Baumaschinen für die neue Pinguin-Anlage benötigt würden und wie viel Platz sie brauchten, werde der Zaun verschoben. Es gehe hier nicht darum, das Kamelgehege in irgendeiner Weise abzusperren oder die Besucher von der Stelle fernzuhalten, an der das Unglück geschehen sei. „Wir wissen ja nicht einmal, an welcher Stelle das Kind ins Wasser gefallen ist“, sagte Casares.

          Dass die Besucher nun einen anderen Weg einschlagen müssen, um zu den Robben und Menschenaffen zu gelangen, führte aber gestern dazu, dass bei den Kamelen kaum Betrieb war. Der Zoo war am frühen Nachmittag mit vielen Paaren und einigen Kindergartengruppen aber gut besucht.

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