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Aufwertung der Stadtmitte : Offenbach soll den alten Kern zurückerhalten

Durcheinander: In der Offenbacher Sandgasse ist keine städtebauliche Struktur zu erkennen. Bild: Pepaj, Marina

Die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern will die historische Mitte der Stadt aufwerten. Frankfurt dient dabei nicht als Beispiel. Nur ein wenig, vielleicht.

          Vieles von dem, was die Bomben des Zweiten Weltkrieges nicht in Trümmer gelegt haben, fiel später den Planern zum Opfer, die aus Offenbach eine „autogerechte“ Stadt machen wollten. Alles zusammen hat dazu geführt, dass der alte Kern der Stadt, das Areal zwischen Herrnstraße, Berliner Straße, Großem Biergrund und Mainstraße, für viele Jahrzehnte weitgehend sich selbst überlassen wurde, von der unmittelbaren Umgebung rund um das Isenburger Schloss einmal abgesehen. Die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern in der Stadtverordnetenversammlung will mit einem Konzept für den historischen Kern der Stadt der augenscheinlich planlosen Entwicklung dieses eigentlich zentralen Teils der Stadt ein Ende bereiten.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Die Koalition hat der Stadtverordnetenversammlung nun einen Antrag zum Beschluss vorgelegt, in dem der Magistrat aufgefordert wird, ein Entwicklungskonzept für den historischen Stadtkern Offenbachs zu erarbeiten. Damit verbunden ist der Auftrag, einen Maßnahmenkatalog zu entwickeln. Der inzwischen absehbare Umzug der Hochschule für Gestaltung vom Standort am Isenburger Schloss sei der richtige Anlass, aus dem lange vernachlässigten angrenzenden Areal wieder einen Identifikationspunkt für die ganze Stadt zu entwickeln, heißt es im Antrag.

          Übrig: Dieses Fachwerkhaus an der Sandgasse in Offenbach hat heute Seltenheitswert

          Zunächst einmal geht es allerdings darum, zu prüfen, an welchen Stellen mit dem bestehenden Stadtgrundrisses der historischen Grundriss überbaut wurde und wo noch alte Gebäude wie etwa an der Sandgasse erhalten geblieben sind. In jedem Fall sollen bei der städtebaulichen Aufwertung des Quartiers die historischen Merkmalen und den Wegeverbindungen des früheren Stadtkerns maßgeblich sein.

          Einer der Vordenker des Wiederaufbaus

          Das Areal soll nach Abschluss des naturgemäß auf lange Frist angelegten Projektes als „urbanes Gebiet“ geprägt sein. An diesem Ziel soll sich auch die künftige Nutzungsart sowie die Höhe und Gestalt der Gebäude orientieren, wie Dominik Mangelmann erläutert. Er ist nicht nur stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU in Offenbach, der Ingenieur ist auch ausgewiesener Fachmann für historische Bauten und gilt als einer der Vordenker des Wiederaufbaus der Frankfurter Altstadt. Er hatte schon ausgefeilte Rekonstruktionspläne für den alten Kern der Nachbarstadt ausgearbeitet, als andere Kommunalpolitiker an das inzwischen vielbeachtete Projekt noch nicht glauben wollten.

          Neben Mangelmann ist Roland Walter, Fraktionsvorsitzender der CDU im Offenbacher Stadtparlament, federführend bei der Entwicklung des Antrags gewesen, der nun den alten Kern Offenbachs betrifft.

          Blick zurück: Die Offenbacher Sandgasse um 1900

          Dass das arme Offenbach keine Altstadtrekonstruktion in der Größenordnung des Frankfurter Projektes in Angriff nehmen kann, wissen die Initiatoren. Aber im Arbeitsauftrag für den Magistrat ist dann doch die Aufforderung enthalten, Ansätze zu entwickeln, wie man historische Gebäude rekonstruieren könnte, zu denen noch Pläne vorhanden oder nachzuarbeiten sind. Die Stadt soll dabei mit Hilfe der städtischen Gesellschaften auf städtischen Liegenschaften beispielgebend aktiv werden und so auch Anreize, für die Privateigentümer geben.

          Sandgasse, Schlossgrabengasse, Glockengasse, Kirchgasse und Ludo-Meyer-Straße wollen die Antragsautoren nach Möglichkeit verkehrsberuhigen. Vor allem wünscht sich die Koalition, die Sandgasse zumindest auf lange Sicht wieder zum Main hin zu öffnen.

          Das zu entwickelnde Konzept soll dann in einem Bebauungsplan Vorschriften zur äußeren Gestaltung von Häusern fixieren. Projekte, die schon in der amtlichen Planung sind sowie schon eingereichte Vorhaben sollen von dem Entwicklungskonzept nicht tangiert werden. Den mutmaßlichen Kostenaufwand beziffert die Koalition auf 100.000 bis 150.000 Euro. Dabei soll der Magistrat prüfen, ob entsprechende Förderprogramme existieren.

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