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„Offenbacher Seefestspiele“ : Wassermusik mit Bar und Krokodil

Wassertreten: Das für die „Seefestspiele“ gefüllte Betonbecken am Hafen in Offenbach Bild: Rainer Wohlfahrt

Pack die Badehose ein: Die „Offenbacher Seefestspiele“ bringen die Kunst vor der Kressmannhalle an den Ort, an den sie bei diesem Wetter gehört: ins Wasser. Das ist einen Besuch wert.

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          Mörbisch ist nichts dagegen. Und Bregenz und Berlin sind es erst recht nicht. Oder all die anderen Städte und Provinzgemeinden, in denen es im Sommer Seefestspiele gibt. Oder, wie im Falle der Bundeshauptstadt, einmal gegeben hat. Zwar stimmt es schon, dass es Offenbach an einem nennenswert großen stehenden Gewässer wie dem Neusiedler See, dem Bodensee oder wenigstens dem Schlachtensee gebricht. Doch den Künstlern von YRD.Works, die jetzt zusammen mit dem Frankfurter Mousonturm die „1. Offenbacher Seefestspiele“ entwickelt haben, ist es gelungen, das kleine Manko mehr als ordentlich zu kompensieren. Sie haben, anstatt wie in Bregenz eine Bühne in den Bodensee zu setzen, kurzerhand den Vorplatz der Offenbacher Kressmannhalle geflutet und in einen hübschen Pool verwandelt.

          Christoph Schütte
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Bei uns“, sagt denn auch Ruben Fischer, einer der Angehörigen des Künstlerkollektivs, „ist der See selbst die Bühne“. In der Tat, das darf man wörtlich nehmen, wenn YRD.Works, das Frankfurter Elektronikduo Les Trucs und die japanischen Hardcore-Performer von Contact Gonzo das Gelände im Offenbacher Hafen von heute Abend an mit Installationen, Musik und Performances vier Tage lang bespielen. Glaubt man Fischer, sieht auch das Setting jeden Tag ein bisschen anders aus.

          Wasser-Cricket-Match

          Es kommen ein Wasserfall und eine Plastikente, ein Krokodil und Stühle für die Bühnenbademeister zum Einsatz, der Offenbacher Studio-Chor wird singen, und das für Freitagabend vorgesehene Wasser-Cricket-Match von Contact Gonzo werden Charlotte Simon und Zink Tonsur von Les Trucs live mit allerlei glucksender Musik begleiten.

          Vergleicht man das Programm mit den Bregenzer Festspielen oder der Operettenbühne Mörbisch, klingt das alles ebenso vielversprechend wie verwegen, so verführerisch wie abgedreht. Doch für Fischer und seine Kollegen David Bausch und Yacin Boudalfa von YRD.Works ist das Experiment seit Studienzeiten ohnehin Programm. Ob Clubskulptur, Kunsthalle, eine Messerschmiede wie unlängst im Mousonturm oder jetzt die „Seefestspiele“: immer geht es den Absolventen der Offenbacher Hochschule für Gestaltung zumindest auch darum, mit performativen und stets aus dem künstlerischen Prozess entwickelten Mitteln Orte, Genres und Kontexte zu befragen.

          Jeden Tag neu und anders

          Es geht ihnen darum, zu untersuchen, was Kunst und Theater im jeweils gegebenen Fall sein können. Und siehe da: Das Ergebnis fällt in Offenbach und bei den Seefestspielen jeden Tag neu und anders aus. Nur der See, den YRD.Works in den vergangenen vier Wochen angelegt und mit insgesamt 180.000 Liter Wasser geflutet haben, die Bühne also und die Bar, werden während der vier Tage unverändert bleiben. Wer will, darf übrigens am Samstag, wenn das Festivalgelände schon morgens früh um 4.30 Uhr öffnet, sozusagen für die ganz persönliche Performance, Handtuch, Badehose und Luftmatratze mitbringen.

          Und wenn es denn stimmt, was der Deutsche Wetterdienst in Offenbach verlauten lässt, sollte man auch einen Sonnenhut und eine große Tube Creme mit relevantem Lichtschutzfaktor dabeihaben. Die Künstler, heißt es, seien dann selbstredend auch schon da und probten für ihr „Sonnenaufgangsritual“, was immer das heißt. Denn eigentlich, glaubt man dem Festivalprogramm, haben YRD.Works, Contact Gonzo und Les Trucs am Samstag ihren freien Tag.

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