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Geschäftsführer geht : Offenbacher Kickers vor dem nächsten Neuanfang

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Unbesetzter Stuhl: Ab Juli ist der Präsidentenposten bei den Offenbacher Kickers frei. Bild: Helmut Fricke

Christopher Fiori, Geschäftsführer des OFC, geht freiwillig. Jetzt wird Joachim Wagner als Kandidat für Präsidentenposten gehandelt. Ihm würden große Aufgaben bevorstehen: Nach wie vor ist die finanzielle Lage bei den Kickers sehr angespannt.

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          Vor ein paar Wochen hörte sich Christopher Fiori noch so an, als wolle er auch in Zukunft das Kommando bei den Offenbacher Kickers führen. Von seiner Seite aus spreche nichts dagegen, teilte er auf Nachfrage mit. Doch nun wird der Geschäftsführer des Fußball-Regionalliga-Klubs spätestens vom 1. Juli dieses Jahres an beim OFC nichts mehr zu sagen haben – auf eigenen Wunsch hin. Am Dienstag teilten die Kickers mit, dass sich Fiori „nach Gesprächen und dem Angebot über eine Vertragsverlängerung“ dazu entschieden habe, „seinen zum 30.6. auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern“.

          Laut Fiori sei es am 26. März mit Präsidiumsvertretern zu einem Treffen gekommen. Über Zahlen habe man sich damals jedoch nicht ausgetauscht, „und wir sind danach auch nicht mehr ins Detail gegangen“, sagte er am Dienstag dieser Zeitung. Denn am 2. April informierte der Geschäftsführer der OFC Spielbetriebs-GmbH das Präsidium, dass er seine Tätigkeit über das Vertragsende hinaus in Offenbach nicht fortsetzen werde. Nach rund zweieinhalb Jahren ist für den 38 Jahre alten Diplom-Betriebswirt, der als Prokurist des Ligarivalen FSV Frankfurt auf den Bieberer Berg gewechselt war, Schluss beim Traditionsverein.

          Eine anstrengende Geschichte

          „Es war an der Zeit, etwas Neues zu machen“, sagt Fiori. „Mit dem Angebot hatte das nichts zu tun.“ Die Arbeit bei den Kickers hat ihre Spuren bei dem Familienvater hinterlassen, „ein bisschen erschöpft bin ich sicherlich auch, immer eine Sechs-Tage-Woche zu haben ist schon eine anstrengende Geschichte“. Fiori, der eigenem Bekunden nach noch keinen neuen Arbeitgeber hat, hatte kurz nach der abgewendeten Insolvenz in schweren Zeiten mit seiner Tätigkeit auf dem Bieberer Berg begonnen.

          Nach Einschätzung der OFC-Gesellschafter konnte der Geschäftsführer „viele nachhaltige, positive Impulse setzen wie Verbesserungen innerhalb des Stadionmietvertrages und deutliche Erlösverbesserungen im Bereich Sponsoring und Vermarktung“. „Bei der Vermarktung liegen wir heute 20 Prozent über der Saison 2015/2016“, sagt Fiori. Nun sei „der Erlöshebel bei der klassischen Vermarktung im Grenzbereich. Alle Stadionbanden in der ersten Reihe sind für die kommende Saison weg.“

          Nach wie vor ist die finanzielle Lage bei den Kickers sehr angespannt. Weil ein lukrativer Testspielgegner, der stattliche Einnahmen versprochen hätte, für diese Saison nicht gefunden wurde, fehlte im Etat ein sechsstelliger Betrag. Die finanzielle Lücke konnte nur mit Unterstützung von Gönnern geschlossen werden. In der Viertklassigkeit stoßen die Kickers seit geraumer Zeit wirtschaftlich und deshalb auch sportlich an ihre Grenzen. Gravierendes, neues Wachstum aus sich selbst heraus ist für den Klub kaum möglich. 1,4 Millionen Euro beträgt der Personalkostenetat in dieser Spielzeit, ohne grundlegende Änderungen würde er sich in der kommenden Runde etwa in der gleichen Größenordnung bewegen. Doch nun planen die Kickers, die den erfahrenen Ulmer Mittelfeldspieler Luigi Campagna für die neue Saison verpflichten werden, einen Neuanfang in für ihre Verhältnisse größerem Stil.

          Dauerthema Kapital

          Schon in den zurückliegenden Wochen war im Umfeld der Kickers davon die Rede, dass es mehrere Geschäftsleute geben soll, die den OFC in Zukunft maßgeblich unterstützen wollen. Und von denen der eine oder andere auch bereit sei, Verantwortung im Verein zu übernehmen. Nach Informationen dieser Zeitung wird nun Joachim Wagner als Kandidat für den aktuell nicht besetzten Präsidentenposten gehandelt. Der Unternehmer, der in Offenbach geboren wurde und der heute in Wiesbaden lebt, ist den Kickers schon seit Jahren in vielfältiger Weise als Sponsor verbunden. Als Kind spielte Wagner selbst in der OFC-Jugend Fußball. Mit dem Geschäftsmann an der Spitze könnte auch die Zusammensetzung des Präsidiums zumindest in Teilen neue Formen annehmen. Die Überlegungen sind hinter den Kulissen offenbar schon so weit fortgeschritten, dass es bereits im Juni eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben könnte.

          Es sei „wichtig, eine solide Basis an Kapital zu schaffen“, sagt Fiori. Wie wichtig eine Finanzspritze für die Kickers wäre, um wirtschaftlich mit den Spitzenklubs mithalten zu können und so die Chance auf die Rückkehr in die dritte Liga deutlich zu erhöhen, zeigen die Geschäftszahlen der Topklubs. Dem voraussichtlichen Aufsteiger Waldhof Mannheim wird ein Personalkostenetat von etwa drei Millionen Euro nachgesagt, das Gleiche gilt für den Tabellenzweiten Saarbrücken. Auf die Saarländer hat der Fünfte Offenbach sechs Punkte Rückstand – auf die Mannheimer sind es schon 21 Punkte nach 29 Spieltagen. In diesem Konkurrenzkampf ist der OFC chancenlos.

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