https://www.faz.net/-gzg-a5pvz

Offenbach : Neues Viertel am alten Güterbahnhof

Es geht voran: Im Frühjahr beginnt die Erschließung des Areals des alten Offenbacher Güterbahnhofs. Bild: Stadt Offenbach

Seit vielen Jahren beschäftigen sich Planer mit der Zukunft des früheren Güterbahnhofs in Offenbach. Im Frühjahr könnte die Erschließung beginnen. Rund 800 Menschen sollen in den zirka 300 Wohnungen ein neues Zuhause finden.

          3 Min.

          Fast ein Vierteljahrhundert wird der Offenbacher Güterbahnhof nicht mehr als solcher genutzt. Mit einem finalen Beschluss der Stadtverordneten für die Bebauung kann nun tatsächlich begonnen werden, aus der großen Brache ein neues Viertel für Offenbach zu entwickeln. Geplant ist, ein neues Quartier zu bauen, in dem sich Wohnungen und Gewerbeflächen mischen. Zur Verfügung stehen sollen einmal alles in allem rund 31.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Rund 800 Menschen sollen in den zirka 300 Wohnungen ein neues Zuhause finden. In den neuen Firmen rechnen die Planer mit rund 450 Arbeitsplätzen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Auch der Bau eines weiteren, in Offenbach dringend benötigten Gymnasiums ist auf dem Gelände vorgesehen. Es soll sechszügig sein. Wegen der schnell stark steigenden Schülerzahlen in Offenbach ist Bau- und Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) besonders froh, dass nun ein weiteres Gymnasium entsteht. Es wird neben der Leibniz-, der Albert-Schweitzer- und der Rudolf-Koch-Schule das vierte Gymnasium in städtischer Trägerschaft sein. Daneben gibt es in Offenbach mit der Marienschule noch ein Gymnasium in kirchlicher Verantwortung.

          Allerdings muss das Gelände des alten Bahnhofs, auf dem zeitweise unter anderem ein Altölverladeplatz und ein Pendlerparkplatz untergebracht waren, erst einmal saniert und konkret entwickelt werden. Das alles liegt in der Verantwortung der Aurelis Real Estate GmbH aus Eschborn. Früher ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, hat sich Aurelis auf die Umwandlung un- oder zwischengenutzter Brachen – vor allem aus Beständen der Bahn – zu Bauland spezialisiert. Die erschlossenen und schließlich mit Baurecht versehenen Areale verkauft sie dann und erwirtschaftet so Umsatz und Gewinn. Das Unternehmen hat unter anderem auch das Europaviertel in Frankfurt auf diese Weise entwickelt.

          Raus aus der Armutsfalle 

          Noch im ersten Quartal nächsten Jahres sollen nun die Erschließungsarbeiten auf dem alten Güterbahnhofs-Gelände beginnen und Mitte 2022 erledigt sein. Planungsdezernent Weiß sieht in dem Vorhaben einen großen Gewinn für die Stadt: „Die Pläne von Aurelis sehen in direkter Nachbarschaft zur S-Bahn-Station Ost ein lebendiges Quartier vor, das sowohl für Bewohner als auch für Unternehmen und ihre Beschäftigten sehr interessant werden dürfte. Dort wird ein moderner Standort für Wohnen und für eine stadtverträgliche urbane Produktion geschaffen, das, was man heute auch gerne als Industrie 4.0 bezeichnet“, sagt Weiß. Neu sind die Pläne, aus dem knapp neun Hektar großen Gelände des alten Bahnhofs ein neues Viertel für die Stadt zu entwickeln, freilich nicht: Schon 2003 wurde für das Areal ein städtebaulicher Rahmenplan entwickelt. Darin war der Güterbahnhof neben dem Kaiserlei-Areal und der Innenstadt als dritter Schwerpunkt der Stadtentwicklung in Offenbach identifiziert worden.

          Ein solches Areal ist gerade für die Entwicklung Offenbachs von besonderer Bedeutung, weil die flächenmäßig kleinste kreisfreie Stadt Hessens kaum noch Gelände besitzt, das sich entwickeln ließe. Das hat vor allem zur Folge, dass der Bau von Wohnungen in der schnell wachsenden Stadt stets in unmittelbarer Konkurrenz zur Erschließung neuer Gewerbestandorte steht. Die aber braucht die Stadt ebenso dringend, weil sie nur mit der Ansiedlung zukunftsträchtiger Unternehmen die Chance hat, sich aus der Armutsfalle zu befreien, in die sie durch den Niedergang oder die Abwanderung der traditionellen Industrien wie Lederverarbeitung und Elektroindustrie geraten ist.

          „Stadt der kurzen Wege“

          Was den Güterbahnhof betrifft, hat Aurelis 2015 das Büro Albert Speer und Partner damit beauftragt, zu prüfen, wie sich aus dem Gelände ein modernes, gemischt genutztes Innenstadtquartier entwickeln lässt. Ein Viertel im Sinne einer „Stadt der kurzen Wege“, lautete die Zielvorgabe. Den Plänen zufolge werden sich im „Quartier 4.0“ auf der gewerblichen Seite produzierende Branchen mit Dienstleistern mischen. Dabei ist an eine „kleinteilige, emissionsarme Produktion“ gedacht. Im Branchenjargon spricht man auch von „urban production“.

          Daneben sind besagte 300 Wohnungen geplant, um auch zwischen Arbeit und Wohnen möglichst kurze Wege zu ermöglichen. Vorgesehen ist außerdem eine neue Freizeitfläche namens „Gleispark“. Das Areal von etwa 900 Meter Länge und 200 Meter Breite gilt zugleich aus Ausgleichsfläche für das neue Quartier. Es soll die Möglichkeit für die Naherholung eröffnen – und zwar nicht nur für die Bewohner und Beschäftigten des neuen Quartiers, sondern auch für diejenigen, die schon heute in den Arealen rund um die S-Bahn-Station Ost leben und arbeiten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Panne bei CDU-Parteitag : „Das Mikro stand auf Grün“

          Hans-Werner Adams war der heimliche Star des CDU-Parteitags – obwohl er gar nichts gesagt hat. Im Interview spricht der CDU-Delegierte über Probleme mit der Technik, Fassbier – und seine Meinung zum Ausgang der Wahl zum Vorsitzenden.

          Nach Niederlage : Merz will Wirtschaftsminister werden

          Die Wahl um den CDU-Parteivorsitz hat Friedrich Merz verloren. Dem Sieger Armin Laschet hat er nun angeboten, als Wirtschaftsminister in die Bundesregierung einzutreten – und zwar in die jetzige. Die Kanzlerin will ihr Kabinett allerdings nicht umbilden.
          „Das Sterben beenden“: Soldaten vor dem Einsatz im Gesundheitsamt in Dortmund – künftig sollen sie auch in Pflegeheimen zeitlich befristet helfen.

          Bundeswehr im Pflegeheim : Bis jemandem der Kragen platzte

          Warum Soldaten Pflegeheime beim Schutz vor dem Virus unterstützen – und nicht Freiwillige, die nur darauf gewartet hatten, zu helfen. Eine Rekonstruktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.