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Ausschreibung vielversprechend : Offenbach lehnt Multifunktionsarena ab

Bild: F.A.Z.

An der Grenze zu Frankfurt planen die beiden Städte eigentlich seit Jahren eine Multifunktionshalle. Doch nun will Offenbach nicht mehr mitmachen. Dabei läuft die Ausschreibung vielversprechend.

          Anfangs hat man bei der Wirtschaftsinitiative Frankfurt/Rhein-Main geglaubt, sich schlicht verlesen zu haben. Doch im Koalitionsvertrag des neuen Offenbacher Bündnisses steht, es herrsche „Einigkeit darüber, dass die von Frankfurt geplante Multifunktionsarena abgelehnt wird“. Auch auf Nachfrage bestätigen führende Offenbacher Koalitionspolitiker von CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern, dass sie die seit Jahren als Frankfurt-Offenbacher Vorzeigeprojekt in der Nähe des Kaiserlei geplante, bis zu 13 000 Zuschauer fassende Arena nicht vorantreiben würden.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zur Begründung heißt es, der für den Bau vorgesehene Offenbacher Grundstücksteil solle lieber Gewerbefläche bleiben, um darauf einträgliche Gewerbesteuerzahler anzusiedeln. Er sehe auch keinen großen Bedarf für die Halle für Sport- und Kulturveranstaltungen, ergänzt CDU-Fraktionschef Peter Freier. Dass das Vorhaben in Offenbach als Herzensangelegenheit des SPD-Oberbürgermeisters Horst Schneider gilt, dürfte der neuen Koalition die ablehnende Haltung erleichtern.

          Symbolträchtiges regionales Projekt

          „Ohne eine erstklassige Sportinfrastruktur wird es den Mannschaften in Sportarten wie Eishockey, Basket- und Handball schwergemacht, sich in der nationalen Spitzengruppe zu etablieren“, sagt hingegen der Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative, Jörg Schaub. Er zeigt sich „sehr überrascht“, dass die Offenbacher „nach so langer Vorplanung“ ein derart symbolträchtiges regionales Projekt scheitern lassen wollten. Nach Ansicht der Wirtschaftsinitiative gibt es in der Region keinen vergleichbar guten Standort mit Autobahn- und S-Bahn-Anbindung. „Das wäre ein wunderbares gemeinsames Entrée der beiden Nachbarstädte“, findet Schaub. Das Vorhaben brächte die Region einen großen Schritt voran.

          Auch Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann (SPD) hat mehrmals von einem „für die gesamte Region wichtigen Projekt“ gesprochen. „Wir brauchen für die Skyliners, die Löwen, für Konzerte und große Kongresse eine entsprechende Halle, wie sie alle anderen Metropolregionen haben“, sagte Feldmann. Die neue schwarz-rot-grüne Koalition hat das Projekt ebenfalls in ihren Koalitionsvertrag geschrieben - als förderwürdig.

          Tatsächlich ist die gemeinsame Planung insofern weit gediehen, als Frankfurt auf Basis einer Vereinbarung mit Offenbach seit einem halben Jahr nach einem Investor sucht. Er soll Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb einer zwischen 120 und 150 Millionen Euro teuren Multifunktionshalle übernehmen. Zwei Investoren haben sich beworben: das Unternehmen Lagardère Sports, das auch die Hälfte der Anteile an der Betreibergesellschaft der Frankfurter WM-Arena hält, und die Anschutz Entertainment Group, die in Berlin und Hamburg große Hallen betreibt. Ähnlich wie dort würden auch in Frankfurt zwei Sportvereine als Ankermieter der Multifunktionshalle auftreten - das Eishockey-Team der Löwen und die Basketballmannschaft Skyliners Frankfurt.

          In anderen Städten tragen sich vergleichbare Hallen allerdings vor allem durch eine „multifunktionale Nutzung, die an 365 Tagen im Jahr Geld bringt“, wie Frank Bornheim vom Beratungsunternehmen Drees & Sommer sagt. Außer Sport- und Konzertbetrieb kommen Hotelzimmer, ein Tagungszentrum, Geschäfte und Restaurants in Frage.

          Löwen-Geschäftsführer Stefan Krämer hält den Kaiserlei für einen guten Standort für ein solches Konzept. Er hofft, dass im Spätsommer eine Entscheidung fällt und die Halle in drei Jahren fertig ist. Die alte Eissporthalle am Ratsweg sei nicht mehr zeitgemäß, meint der Funktionär des Klubs aus der zweiten Eishockey-Liga.

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