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Offenbach gegen Kunstkurator Frings : „Unprofessionalität am Rand der Mutwilligkeit“

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Wurde im Juli fristlos entlassen: Marcus Frings. Bild: Sick, Cornelia

Die Stadt Offenbach rechnet nicht damit, dass sie im Arbeitsgerichtsstreit mit dem im Juli fristlos entlassenen Kunstkurator Marcus Frings erfolgreich ist.

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          Die Stadt Offenbach rechnet nicht damit, dass sie im Arbeitsgerichtsstreit mit dem im Juli fristlos entlassenen Kunstkurator Marcus Frings erfolgreich ist. Mit Blick auf den im November stattfindenden Termin vor dem Offenbacher Arbeitsgericht schreibt Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) in der Antwort des Magistrats auf eine Anfrage der oppositionellen CDU-Fraktion, es sei anzunehmen, dass die Stadt bei diesem Verfahren „nicht obsiegen“ werde. Vielmehr werde es zu einem Vergleich kommen. Das bestätigte auch Stefan Grimm, Leiter des Personalamts.

          Auf Anfrage sagte Grimm, beide Parteien hätten im Gütetermin vom Richter erfahren, dass die fristlose Kündigung Frings’ wegen eines Formfehlers ungültig sei. Da sich Frings zum Zeitpunkt der fristlosen Kündigung Ende Juli in der Elternzeit befunden habe, hätte es der Einwilligung einer Abteilung des Darmstädter Regierungspräsidiums zur Entlassung bedurft. Wegen dieses Formfehlers könne es im Kammertermin nur zu einem Vergleich kommen. Bei diesem Kammertermin geht es aus Sicht Grimms nur noch um die Höhe der Abfindung, die Frings erhalten könne. Frings indes hat auf Wiedereinstellung geklagt. Die Entlassung von Frings erregte bundesweit Aufmerksamkeit, da er seit Juni 2010 mit Andrea Nahles, der SPD-Generalsekretärin verheiratet ist und beide eine Tochter haben.

          Den Streitpunkt bildet die Ausstellung “Neue Welten“

          Vor seinem Engagement in der Museumsabteilung des Hauses der Stadtgeschichte Offenbach war Frings bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem Künstler und Museumsgründer Bernd Rosenheim, in Unfrieden aus dem Arbeitsverhältnis geschieden. Rosenheim, der im Offenbacher Dreieich-Park eine denkmalgeschützte Industriellenvilla von der Stadt erworben hatte und darin ein Kunstmuseum einrichtete, entließ Frings als Museumsleiter. Als Gründe nannte Rosenheim seinerzeit unüberbrückbare Gegensätze zur Konzeption des Museums. Rosenheim und Frings sahen sich vor dem Arbeitsgericht wieder. Der Streitwert war niedrig. Am Ende kam es zum Vergleich: Frings bekam nicht die geforderten 4300 Euro, sondern nur 1000 Euro.

          Den offenkundigen Streitpunkt zwischen Frings und der Stadt Offenbach bildet eine Kunstausstellung, die in diesem Jahr am einstigen Stammsitz des Druckmaschinenherstellers Manroland an der Christian-Pleß-Straße stattfand: die Präsentation „Neue Welten“. Eine Schau zeitgenössischer Kunst, die schon im Jahr zuvor in Szene gesetzt werden sollte. Doch Frings musste die Schau wegen der fehlenden Baugenehmigung in der hierfür vorgesehenen Halle der früheren Maschinenbaufirma Fredenhagen kurzfristig absagen. Das führte in der Kunstszene zu Unmut und Protesten. Immerhin wollten sich an der Präsentation international bekannte Künstler wie Tobias Rehberger, Eva Moll und Danny Kerschen beteiligen. Das war dann auch 2012 in der Manroland-Halle der Fall.

          Die Rechnungen sind bis heute nicht beglichen

          Der Magistrat nennt vor allem zwei Gründe für die Entlassung von Frings: die Überziehung des Budgets und Eigenmächtigkeiten. Nach Angaben von Oberbürgermeister Schneider kostete die Kunstschau „Neue Welten“ 93724,88 Euro. Das Budget für die Ausstellung habe aber nur 57000,00 Euro betragen. Bis jetzt hätten Rechnungen noch nicht beglichen werden können. Dabei habe das Amt für Kulturmanagement schon etwa 20000 Euro zur Kostendeckung beigetragen. Über den Restbetrag in Höhe von 19704,86 Euro habe das Haus der Stadtgeschichte eine Schadensanzeige an die Vermögenseigenschadenversicherung bei der Kämmerei eingereicht.

          Zudem hält Oberbürgermeister Schneider in seiner Antwort auf die CDU-Anfrage Frings „Mängel in der Koordination, das Nicht-Einhalten von Zeitplänen oder unrichtige Kalkulation“ vor. Es sei der Eindruck von „Unprofessionalität am Rand der Mutwilligkeit“ entstanden.

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