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Oestrich-Winkel : 26 Verletzte bei Giftgas-Unfall: Lage bleibt gespannt

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Ohne Schutzkleidung ging für die Helfer in Oestrich-Winkel nichts Bild: dpa

Auch in der Nacht zum Dienstag ist in Oestrich-Winkel wieder Giftgas auf dem Gelände einer Fabrik entwichen. 26 Feuerwehrleute, Polizisten, Arbeiter und Anwohner wurden verletzt. Mehrere Häuser um die Fabrik sind geräumt worden.

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          Nach dem Unfall mit giftigem Industriegas in der Rheingau-Stadt Oestrich-Winkel bleibt die Lage weiter gespannt. „In der Nacht ist es zu zwei kurzen Gasaustritten an dem Tank gekommen, der gestern bereits überhitzt war“, sagte gegen Mittag eine Polizeisprecherin in Wiesbaden. Zwar gaben die Behörden morgens eine vorsichtige Entwarnung. Doch die Polizei teilte auch mit, dass die gefährliche chemische Reaktion in dem Tank einer Schaumstoff-Fabrik noch bis zu 48 Stunden andauern könne. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

          „Der Austritt von weiteren Gefahrenstoffen ist nicht auszuschließen“, sagte Sprecher Markus Hoffmann. „Deshalb nach wie vor der deutliche Hinweis an die Bevölkerung, wachsam zu sein.“ Experten bemühten sich weiterhin, den überhitzten Tank zu kühlen und zu überwachen.

          Zunächst Entwarnung gegeben

          Seit dem ersten Austritt von blausäurehaltigem Gas am Montag seien insgesamt 26 Feuerwehrleute, Polizisten, Firmenmitarbeiter und Anwohner leicht verletzt worden. Nach Behördenangaben war die Chemikalie Isocyanat bei einem Ladevorgang durch ein Sicherheitsventil ausgetreten. Am späten Abend hatten die Behörden aber zunächst Entwarnung gegeben. Auch die geplante Evakuierung der Häuser um den Industriebetrieb wurde abgeblasen. In aller Eile waren Bürgerhäuser und Turnhallen in der Umgebung des Weinortes vorbereitet worden, um Menschen über Nacht aufzunehmen.

          Trotzdem heulten nachts gegen 2.00 Uhr abermals die Sirenen, als die Temperatur in dem Tank wieder anstieg und es zu zwei Verpuffungen kam. Wie am Vortag banden Feuerwehrleute das Gas mit Löschwasser. Die Bevölkerung wurde über Stunden aufgefordert, in geschlossenen Räumen zu bleiben und Fenster und Türen zu schließen.

          Wasser in Tank gelangt?

          Sachverständige suchten auch am Dienstag nach der Unglücksursache. Wahrscheinlich gelangte Wasser in den Chemikalientank und löste die Reaktion aus. „Ist das eine Fehlbedienung gewesen oder hat da irgendeine Maschine nicht funktioniert - das muss jetzt herausgefunden werden“, sagte der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers (SPD), dem Sender hr-Info.

          Isocyanat ist chemisch mit der hochgiftigen Blausäure verwandt. Der Stoff verursacht Husten, Atemnot, Schnupfen und Augenreizungen. In hohen Konzentration führt er zum lebensbedrohlichen Lungenödem. In der Fabrik werden Schaumstoffe hergestellt, zum Beispiel für Verpackungsmaterial.

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