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Kommentar : Öko in der Sackgasse

  • -Aktualisiert am

Verfaulte Trauben: Zuletzt kämpften Winzer etwa 2010 mit den Folgen von zu viel Nässe Bild: Marcus Kaufhold

Wer den Ökoweinbau weiter fördern will, muss den Winzern bei ihrem Kampf gegen den größten Feind im Weinberg auch eine scharfe Waffe an die Hand geben. Sonst bleiben ihnen nur Kapitulation und Resignation.

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          Wer den Zorn vieler Briten auf Europa und das Votum für den Brexit partout nicht versteht, der sollte sich mit deutschen Ökowinzern unterhalten. Im klimatischen Ausnahmejahr 2016 bedroht der „falsche Mehltau“ die Ernte im Weinberg und gefährdet Existenzen, weil den Winzern nach einer Änderung des europäischen Pflanzenschutzrechtes ein lange erprobtes und wirksames Mittel nicht mehr zur Verfügung steht. Dabei wurde dieses Mittel ursprünglich für den Ökoweinbau entwickelt.

          Es ermöglicht den deutschen Winzern, mit lediglich der Hälfte der Menge an Kupferpräparaten auszukommen, die von ihren südeuropäischen Kollegen bei der Pilzbekämpfung eingesetzt wird. In Südeuropa gibt es auch die nationale Sorge nicht, Regenwürmer könnten bei zu viel Kupfer Schaden nehmen. Die von mehreren Ländern unterstützten Anträge, das seit 2013 für den Ökoweinbau verbotene Kaliumphosphonat auf eine Positivliste zu setzen, werden von der EU-Kommission verschleppt oder abgelehnt. Das lässt den Zorn der Winzer auf Europa wachsen und weckt verständlicherweise den Wunsch, dass wieder ausschließlich nationale Institutionen über das Wohl und Wehe der eigenen Erzeuger wachen.

          Die Motive der EU-Kommission liegen im Dunkeln. Bei vielen Ökowinzern und auch bei ihrem mitgliederstärksten Verband Ecovin wird jedoch offen der Verdacht geäußert, dass die EU den Ökoweinbau auf eine enge Nische beschränkt wissen und seine weitere Ausbreitung in Europa nicht mehr fördern will. Anders könne man sich die sture Haltung des Landwirtschaftskommissars Phil Hogan gegenüber allen Wünschen und Vorstößen des Ökoweinbaus sowie einiger Mitgliedstaaten nicht erklären, heißt es beispielsweise bei Ecovin.

          Der größte Zusammenschluss von deutschen Ökowinzern sieht einen Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über die anstehende Novellierung der EU-Ökoverordnung, bei der auch diskutiert wird, nicht mehr allein die ökologische Produktionsweise in den Vordergrund einer Zertifizierung zu stellen, sondern das rückstandsfreie Endprodukt. Das wäre eine schwere Hypothek für den ökologischen Landbau, denn die Messgenauigkeit bei allen Analysen wird immer größer, und der Einfluss auf den Eintrag von Schadstoffen auf die Felder und Weinberge, beispielsweise aus der Luft, geht gegen null. Wer den Ökoweinbau, der derzeit nur 7,5 Prozent der gesamten Weinbaufläche ausmacht, weiter fördern will, muss den Winzern bei ihrem Kampf gegen den größten Feind im Weinberg auch eine scharfe Waffe an die Hand geben. Sonst bleiben ihnen nur Kapitulation und Resignation.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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