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Öko-Anbau : Lehrjahre eines Biobauern

  • -Aktualisiert am

Kampf dem Unkraut: Ein Mitarbeiter der Staatsdomäne richtet die Maishackmaschine ein. Sie verschont die Kulturpflanze und reißt ungewolltes Grün aus. Bild: Frank Röth

Vor zwei Jahren hat Andreas Senckenberg eine Staatsdomäne übernommen und auf Öko-Anbau umgestellt. Doch im Rhein-Main-Gebiet ist das nicht so einfach wie auf Allgäuer Bergwiesen.

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          Während er in der prallen Mittagssonne auf dem Acker steht und von der Spinaternte des vergangenen Jahres erzählt, bekommt der Biolandwirt eine Gänsehaut. Der 38 Jahre alte Andreas Senckenberg, der 2017 die hessische Staatsdomäne Rheinfelderhof in Wallerstädten von seinen Eltern übernommen und auf Ökolandwirtschaft umgestellt hat, baute auf einem 3,5 Hektar großen Acker Biospinat an. Unkraut wurde in mühsamer Handarbeit oder mit speziellen Hackmaschinen entfernt, wie er sagt. Das Gemüse sei nicht mit Herbiziden in Kontakt gekommen, aber mit Grundwasser.

          Wegen des trockenen Sommers 2018 beregnete der Bauer den Acker mit dem Nass eines 50 Meter tiefen Brunnens. Nachdem der Spinat geerntet, getrocknet und vom Abnehmer, einem Unternehmen, das unter anderem Naturarzneimittel herstellt, analysiert worden war, bekam der Biobauer und Vater von drei kleinen Jungen eine Mitteilung, die für ihn ein Schlag in die Magengrube war: „In Ihrem Spinat sind Rückstände des verbotenen Wirkstoffs Dikegulac. Die gesamte Ernte ist nicht vermarktbar.“ Schaden: 35.000 Euro.

          „Zwölf von 21 hessischen Landkreisen sind jetzt Ökomodellregionen. Damit hat Hessen sich auf den Weg gemacht, Deutschlands erstes Ökomodellland zu werden“, hatte sich Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) im Juni 2018 gefreut. Anlass war die Ernennung von fünf Ökolandbau-Modellregionen – darunter Darmstadt und die Kreise Groß-Gerau, Odenwald und Darmstadt-Dieburg. Der Ökolandbau schone nicht nur die Umwelt, sagte Hinz. „Er hilft auch den landwirtschaftlichen Betrieben, da sie mehr Geld am Verkauf ihrer Produkte verdienen.“

          Denkmalgeschützt: die Staatsdomäne Rheinfelderhof in Wallerstädten.

          Dieser Aspekt war für Senckenberg, der in achter Generation die Staatsdomäne führt, maßgeblich für die Umstellung auf biologischen Ackerbau. Dass diese Form der Landwirtschaft nur mit viel Handarbeit funktioniert und sehr mühsam ist, wusste der Landwirt genau. Dass er im Rhein-Main-Gebiet zusätzlich mit Kontaminationen aus dem Grundwasser sowie aus der Luft von abgelassenem Kerosin zu kämpfen hat, war Senckenberg nicht klar. Mineralölrückstände, wie sie in Flugzeugtreibstoffen vorkommen, wurden nämlich auch in mehreren seiner Bioprodukte nachgewiesen. „Ich frage mich nur, warum wir immer für alles verantwortlich gemacht werden? Ob Nitratbelastungen des Grundwassers oder Bienensterben – immer ist allein die Landwirtschaft schuld“, sagt Senckenberg frustriert.

          Er schilderte das Dikegulac-Problem offiziellen Stellen wie Bauern- und Abwasserverband sowie dem Umweltministerium und fing an zu recherchieren, wie er sagt. Und fand heraus, dass Dikegulac als Abfallprodukt der Vitamin-C-Produktion des Pharmaunternehmens Merck Darmstadt von den sechziger Jahren bis 1999 anfiel – und über das Abwasser in den Landgraben gelangte.

          Senckenberg steht auf dem Feld, auf dem er Biospinat angebaut hatte, und zeigt in die Ferne. „Dort hinten verläuft der Landgraben.“ Heute wachsen Biobrennnesseln auf dem Acker. Jetzt bewässert er die Felder aus zwei neu gebohrten Brunnen. Sie sind nicht 50, sondern nur zwischen 13 und 15 Meter tief, ihr Wasser sollte dadurch mit wesentlich weniger Dikegulac belastet sein, wie der Bauer hofft. „Ohne Bewässerung geht bei dem im Sommer herrschenden subtropischen Klima gar nichts“, stellt er klar.

          Boden darf weder zu nass noch zu trocken sein

          Das liegt auch am Ackerboden. „Er hat einen hohen Tonanteil“, erläutert Senckenberg, nimmt eine Handvoll Erde und formt sie zu einem festen Klumpen. Tonpartikel könnten zwar Wasser halten, gäben es aber kaum wieder ab. Daher könnten Pflanzen auch auf feuchten Böden an Wassermangel leiden. Sei der Untergrund erstmal ausgetrocknet, werde er steinhart und könne kein Wasser mehr aufnehmen. „Daher darf der Acker weder zu nass noch zu trocken sein.“

          Dieses Problem haben rund um Groß-Gerau alle Bauern – egal, ob bio oder konventionell. Um dem Bewässerungsproblem zu entgehen, hatte der junge Bauer 2018 eine mutige Idee: Er baut Haselnüsse als weiteres Standbein an. In seinem Garten stehen rund 80 Jahre alte Haselnussbäume, die trotz schwerer Erde und wenig Regens immer Früchte tragen. „Auch die Angebots- und Nachfragesituation lässt den Schluss zu, dass im Bio-Haselnussmarkt noch Lücken zu schließen sind“, sagt Senckenberg, der sich an der Agrar-Börse auskennt. Er pflanzte auf 27 Hektar 6000 tiefer wurzelnde Haselnussbäumchen und auf drei Hektar 400 Walnussbäumchen. „Der Plan ist, dass wir in zwölf Jahren 60 bis 70 Tonnen Haselnüsse vermarkten können.“

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