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Odenwaldschule berät über Kurswechsel : „Wir werden uns schneller bewegen müssen“

  • Aktualisiert am

Muss sich konzeptionell schneller bewegen als gedacht: Odenwaldschule Bild: dpa

Unter dem Dauerfeuer der Kritik will die Odenwaldschule ihr Internatskonzept ändern. Befürworter wollen das nicht auf die lange Bank schieben. Der Schul-Trägerverein berät das Thema.

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          Ein neues Internatskonzept der heftig kritisierten Odenwaldschule könnte früher fertig sein als geplant. „Wir werden uns schneller bewegen müssen, um mit einem neuen Konzept bereits ins nächste Schuljahr gehen zu können“, sagte der Vorsitzende des Schul-Trägervereins, Gerhard Herbert, am Donnerstag. Aufsichtsbehörden kritisieren eine zu große Nähe zwischen Lehrern und Schülern. Ursprünglich hatte die Schule angekündigt, eine neue Regelung und damit einen pädagogischen Kurswechsel bis spätestens Ende September vorzulegen.

          Eine Änderung des Konzeptes soll an diesem Samstag beraten werden, wenn der Trägerverein zu einem Treffen zusammenkommt. Es gehe aber nur um eine grundsätzliche Zustimmung, sagte Herbert. Das Konzept selbst müsse noch erarbeitet werden.

          Nur Lehrer und nicht mehr Betreuer?

          Angedacht ist, dass in den als „Familien“ bezeichneten Internatsgruppen Lehrer nicht mehr gleichzeitig Betreueraufgaben übernehmen und mit den Schülern eng zusammenwohnen. Dies könnten etwa Sozialpädagogen übernehmen. „Die verschiedenen Modelle müssen erst noch durchgerechnet werden“, sagte Herbert. „Die Kosten sind genau der Punkt.“

          An der Odenwaldschule waren 2010 nach langem Vertuschen sexuelle Übergriffe hochgekocht. Offiziell wird von 132 Opfern ausgegangen, Kritiker gehen von wesentlich mehr Betroffenen aus.

          Zuletzt gab es wieder neue Missbrauchsvorwürfe an der Schule. Die Staatsanwaltschaft sieht dafür aber keine Anhaltspunkte. Ermittelt wird allerdings gegen einen inzwischen entlassenen Lehrer wegen des Besitzes von Kinderpornos.

          Keine Details zur Partys

          Unterdessen bestätigte eine Sprecherin der Odenwaldschule, dass einer Lehrerin gekündigt wurde. Laut „Frankfurter Rundschau“ soll diese mit Schülern in ihrer Lehrerwohnung Partys gefeiert haben. Details nannte die Sprecherin nicht. Auf Mitarbeiter müsse Rücksicht genommen werden. Laut Staatsanwaltschaft fiel in diesem Zusammenhang der Begriff Missbrauch nicht.

          Im Fall eines Kinderarztes läuft an diesem Freitag um 11.00 Uhr die Frist einer Aufsichtsbehörde ab. Der Landkreis Bergstraße sieht sich nicht umfassend informiert und will detailliert wissen, zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Umständen Beschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Mann erhoben wurden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ließ sich der Arzt nichts zuschulden kommen.

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