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Occupy in Frankfurt : Was übrig bleibt

  • -Aktualisiert am

Erst geht das Camp: Auf der Straße ist es einsam geworden um Occupy. Was bleibt, sind die politisch Bewegten im Hintergrund. Bild: dpa

Vor einem Jahr besetzten linke Aktivisten den Rasen vor der Europäischen Zentralbank. Erst redeten sie über Kapitalismus, später vor allem über sich selbst. Was ist geworden aus Occupy?

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          Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts also. Das wäre Occupy nie eingefallen. Die Aktivisten hätten die Idee gehasst: Eine Organisationsform, bei der nur ein kleiner Teil der Mitglieder, die Gesellschafter, etwas zu sagen hat. Hajo Köhn ist das eingefallen: Occupy Money zu gründen, als Gesellschaft bürgerlichen Rechts, bei der nicht alle mitentscheiden, wenn es darum geht, wohin es geht. Denn Occupy Money soll nicht zerfasern, so wie Occupy. Occupy Money soll klare Forderungen aufstellen können, anders als Occupy. Die Initiative will für die Finanzbranche das werden, was die Lobbyorganisation Foodwatch für die Lebensmittelindustrie ist, sagt Köhn. „Wir werden die einzigen sein, die übrig bleiben.“ Die einzigen, die übrig bleiben von Occupy Frankfurt, meint er. Die einzigen von den 5000, die vor einem Jahr auf dem Rathenauplatz gegen den Taumel des Finanzsystems demonstrierten, an dem Tag, an dem weltweit Hunderttausende deswegen auf die Straße gingen.

          Wenn Heiner Hügel heute davon erzählt, lächelt er und dreht ein kleines Päckchen Zucker zwischen den Fingern, ohne etwas damit anzufangen. Hügel hat sich 1968 den Studentenprotesten angeschlossen, obwohl er damals in einer Lehre zum Verlagskaufmann steckte. Seit acht Jahren ist er bei Attac Frankfurt. Es stört ihn, dass das Geld, das übrig bleibe vom Wirtschaften, in der Welt herumschwirre und die Systeme zerstöre, anstatt „unsere Probleme“ zu lösen. Von Occupy hatte er das erste Mal gehört, als er in den Tagen vor dem 15. Oktober 2011 mit zwei der Aktivisten im Ordnungsamt an der Kleyerstraße saß. Gemeinsam haben sie die Demonstration gegen die „Macht der Banken“ angemeldet. „Wir dachten, es kommen vielleicht hundert Leute. Occupy dachte, es kommen 600. Ich hab gedacht, die spinnen“, sagt Hügel. Am Ende kamen mindestens 5000. Das, sagt Hügel, kann nur die Wucht einer Bewegung schaffen. Er sagt diesen Satz, als würde er ihm noch immer nicht trauen. Zu den Demos, die Hügel für Attac organisiert, sind in all den Jahren davor, in denen er das System auch schon für krank gehalten hat, manchmal nur 30 Leute gekommen und wieder nach Hause gegangen.

          Erst diskutierten sie über Banken, später über Ratten

          Einige von denen, die im Oktober vergangenen Jahres kamen, gingen 300 Tage lang nicht nach Hause. Sie hatten gesehen, wie die Demonstranten von Occupy Wallstreet den Zuccotti-Park in New York besetzt hielten. Am Abend des 15. Oktober bauten sie ihre Ratlosigkeit und ihre 50 Zelte vor der Europäischen Zentralbank (EZB) auf und blieben. Sie diskutierten über Banken, Geld und Kapitalismus, später häufiger über Diebe, Essen und Ratten. Zu den Blockupy-Aktionstagen im Mai, die Occupy mitorganisiert hatte, besetzten mehr als 1000 Menschen öffentliche Plätze in der Frankfurter Innenstadt. Die Stadt hatte die Proteste aus Angst vor Ausschreitungen weitgehend verboten, die Genehmigungen für das Camp vor der EZB verlängerte sie immer nur auf kurze Zeit. Im August räumte die Polizei die Zeltstadt.

          Seitdem marginalisiert sich das, was mit der charmanten Idee der Besetzung des öffentlichen Raumes begonnen hat, im Klein-Klein mit den Behörden. Die Behörden verbieten den Aktivisten Zelte und Pavillons, sie stellen trotzdem welche auf. Die Behörden verbieten den Aktivisten, über Nacht zu bleiben, sie tun es dennoch. Peer ist einer von denen, die noch jeden Tag an der nur halb erlaubten Mahnwache vor der EZB sitzen, einer von denen, die nach Hajo Köhns Worten schon damals nicht ins Camp gehört haben, weil sie keine politischen Aktivisten seien. An guten Tagen bläst Peer Seifenblasen über den Willy-Brandt-Platz. An schlechten sitzt er hinter der Zeltplane und döst den Regen weg. An den ganz schlechten Tagen rastet er aus. Der 13.September, als die Mahnwache von der Stadt vorübergehend geräumt wurde, war ein ganz schlechter Tag. „Wo soll ich denn hin mit meinen Sachen?“, schrie Peer die Stadtpolizisten an. „Ich wohne hier.“ Statt gegen den Kapitalismus kämpft er um ein paar Stühle und Tische, den Campingkocher und darum, eine Aufgabe zu haben.

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