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Schädling im Obstbau : Die große Furcht vor einer kleinen Fliege

Steht auf Rot: Die Kirschessigfliege Bild: dpa

Die Kirschessigfliege hat schon 2014 Obstbauern und Winzern im Rhein-Main-Gebiet Sorgen bereitet. Nun warnen Insektenkundler vor einer massenhaften Ausbreitung des Schädlings aus Asien - derweil suchen Forscher nach Gegenmitteln.

          In der Not frisst der Teufel Fliegen - Berthold Heil käme trotz der Mühe und Not mit asiatischen Kirschessigfliegen nicht auf diese Idee. Aber der Obstbauer aus Kriftel greift zu einem Mittel aus der schillernden Welt der Esoterik. Um dem sich auch im Rhein-Main-Gebiet ausbreitenden Insekt zu begegnen, setzt er wie schon 2014 Jadesteinwasser ein. Das geht so: Heil schüttet Wasser über Jadesteine in einem Sieb und verspritzt es anschließend über seine Obstpflanzen. So hat es ihm ein biologisch wirtschaftender Kollege geraten. Halbedelsteinen wird nachgesagt, energetische Schwingungen auf das Wasser zu übertragen. Die Schwingungen von Jadestein mag der aus Südkorea eingeschleppte Schädling nicht, heißt es. Ob das tatsächlich hilft? „Ich glaube nicht daran, aber ich hoffe darauf“, gibt der langjährige Chef des hessischen Landesverbands Erwerbsobstanbau unumwunden zu. „Man versucht, jeden Strohhalm zu nutzen.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Furcht vor dem Schädling und die verzweifelte Suche nach Gegenmitteln beruht auf unangenehmen Erfahrungen: Im vergangenen Herbst hat die kleine Fliege, die Fachleute Drosophila suzukii nennen, späte Erdbeersorten von Heil befallen. Der Schaden hielt sich zwar in Grenzen - doch zog er die Frage nach sich, welche Folgen die Ausbreitung der Kirschessigfliege in der neuen Saison haben wird angesichts der wachsenden Population und der Schwierigkeiten, sie zu bekämpfen.

          Weiße Trauben verschmäht die Fliege

          Die Kirschessigfliege fordert Winzer und Obstbauern aus mehreren Gründen heraus: Während die heimische Essigfliege nur heruntergefallene Früchte mit verletzter Haut befällt, setzt sich der neue Schädling auch auf intaktes Obst, bohrt es an und legt seine Eier darin ab. Dadurch verdirbt das Obst.

          Die Fliege befällt Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren ebenso wie Holunder und Kirschen und sogar Vogel- und Efeubeeren. Das gilt auch für rote Weinbeeren. Und zwar nur für rote, wie Claudia Jung vom Weinbauamt in Eltville sagt. Sogar in reife Tomaten habe das eine oder andere Drosophila-suzukii-Weibchen schon Eier abgelegt. Daraus folgert sie: „Die Kirschessigfliege ist auf Rot abonniert.“ Solange Trauben sich nicht rot verfärben, was erst von Ende Juli an geschieht, lässt das Insekt sie in Ruhe. Weshalb das so ist, gehört zu einer Reihe ungeklärter Fragen.

          Mit Rotweinfallen der Fliege auf der Spur

          „Sie hat ein ganz breites Spektrum von Wirtspflanzen.“ So oder so ist es „echt ein Problem“, wie Jung weiter sagt - auch für Besitzer von Schrebergärten. Denn indem sie ihre Eier in zuvor intaktes Obst legt, sorgt die Fliege für wirtschaftlichen Schaden und pfuscht der Natur ins Handwerk. Vor diesem Hintergrund versucht Jung nun, Antworten zu anderen Themen rund um den Schädling zu finden.

          Im vergangenen Juli hat sie Fliegenfallen aufgestellt: eine in Wiesbaden-Frauenstein an einer Anlage mit Kirschbäumen, die zweite an einem Weinberg mit Dornfelder-Pflanzen. Die Fallen enthalten eine Mischung aus drei Teilen Rotwein und je einem Teil trübem Apfelessig und Wasser. Das ist nach ihren Worten mit Kollegen in anderen Bundesländern abgesprochen, die ebenfalls hinter der Kirschessigfliege her sind und ihre Ausbreitung verfolgen.

          Erste Kirschernte war unbeschadet

          Die Fliegenfallen werden täglich in Augenschein genommen. Zwar kann Jung mangels zeitlicher Vergleichbarkeit nicht sagen, ob der Befall vor einem Jahr schlimmer war als heute. Aber sie berichtet: „Die Fliege ist das ganze Jahr über unterwegs gewesen.“ Nur in einer Woche mit Frost seien die Fallen leer gewesen. Im März habe sie dann auffallend viele Exemplare gefunden. „Da sind die Fliegen aktiv geworden und haben angefangen, vermehrt nach Essen zu suchen“, meint sie. Wo sie sich gütlich getan haben, ohne auf rote Früchte zu treffen? „Das weiß man noch nicht.“

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