Schädling im Obstbau : Die große Furcht vor einer kleinen Fliege
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Derweil sammelt Jung weiter Daten: „Wir müssen beobachten, wie die Population sich entwickelt“, sagt Jung und schaut dabei auch und gerade auf die heimischen Obstbauern. Die ersten Süßkirschen - 800 Tonnen werden im Jahr in Hessen geerntet - sind unbeschadet geerntet worden, wie sie sagt. Und auch Obstbauer Heil berichtet, dass die ersten Himbeeren von seiner Plantage gut aussähen.
Ausbreitung unvorhersehbar
Das könnte Mut machen für den weiteren Verlauf der Saison. Zudem würden rote Rebsorten wie Acolon, Roter Gutedel, Dornfelder und Dunkelfelder zwar befallen, aber nicht so stark wie andere rote Früchte. Und der im Rheingau verbreitete Spätburgunder sei wegen seiner harten Schale noch weniger betroffen. In Weinbeeren schlüpften auch nur aus zehn bis 15 Prozent der Eier Larven, in Himbeeren oder Kirschen seien es bis zu 80 Prozent.
Andererseits sagt der um seine weitere Himbeerernte fürchtende Heil, im Saisonverlauf könne viel passieren. Und die Population der Fliege baut sich von Jahr zu Jahr auf - allerdings nicht linear. Jung verweist dazu auf Erfahrungen aus Südtirol. „Dort war die Fliege 2011 und 2014 stark verbreitet, zwischendurch nicht so sehr.“ Die zugrundeliegenden Mechanismen seien noch nicht klar. Eine Prognose zur weiteren Ausbreitung und den möglichen Schäden für Winzer mag sie angesichts dessen nicht treffen.
Auf der Suche nach Gegenmitteln
Christoph Hoyer vom Pflanzenschutzdezernat des Regierungspräsidiums in Gießen warnt dagegen schon vor einer massenhaften Ausbreitung des Obstschädlings in diesem Jahr (F.A.Z. vom Freitag). Marc Schetelig, Leiter einer auf die Kirschessigfliege spezialisierten Arbeitsgruppe am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie in Gießen, stimmt ihm zu. Denn seit 2014 sei im Grunde nichts besser geworden. Es gebe zwar einige Insektizide. Allerdings wirkten die Mittel nur gegen erwachsene Insekten, aber nicht gegen ihre Larven in den Früchten. Zudem müssten zwischen dem letzten Spritzeinsatz und der Ernte in der Regel sieben Tage liegen, damit kein Chemikalienrückstand mehr auf den Früchten nachzuweisen sei. Doch von der Eiablage bis zum Schlüpfen der Larve vergingen nur 22 Stunden. Da liegt so manche Frucht schon angenagt am Boden, bis die sieben Tage vorüber sind. So ist, wie auch Obstbauer Heil sagt, mit den neuen Insektiziden kein durchschlagender Erfolg verbunden.
In Zukunft könnte der massenhafte Einsatz sterilisierter Männchen helfen, die über Obstplantagen ausgesetzt würden, sagt Schetelig. Forscher befassten sich schon damit, nur sei für den Einsatz der Tiere eine Genehmigung nötig. Sie müssten außerdem erst einmal produziert werden. „Dabei geht es um Milliarden von Fliegen.“
Heil verfolgt solche Nachrichten sehr genau. Bis sterile Männchen zuhauf verfügbar sind, sucht er nach Wegen, der ungeliebten Fliege wirkungsvoll zu begegnen. Vorsorglich tätig zu werden wäre für ihn aber mit hohen Kosten verbunden. Heil könnte feinmaschige Netze über seine Pflanzen werfen. Doch müsste er dafür etwa 15 000 Euro je Hektar investieren. Noch teurer käme ihn, große und am Eingang abgedichtete Tunnel anzulegen. Unter Verweis auf den Erdbeeranbau spricht er hierfür von Kosten in Höhe von 100 000 Euro je Hektar.