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Fluglärm in Frankfurt : Deckel drauf

Fliegen ohne Grenzen, das wird voraussichtlich von 2020 an für die Region nicht mehr uneingeschränkt gelten. Der Lärm soll das Limit sein. Bild: dpa

Die Idee ist 15 Jahre alt, sie stammt noch aus der Mediation: Anwohner ertragen Fluglärm womöglich leichter, wenn sie wissen, lauter darf es jedenfalls nicht werden. Nun soll endlich eine Obergrenze bestimmt werden.

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          Das Terminal 3 hat er nicht verhindern können, und es ist noch sehr ungewiss, ob die von ihm initiierten Lärmpausen wirken: Für Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) wird das Projekt Obergrenze für Fluglärm in der Rhein-Main-Region politisch wichtiger, als ursprünglich gedacht. Aber er würde damit auch eine alte Schuld begleichen, die seine Vorgänger offengelassen haben. Die Mediation, die Einigung auf den Ausbau des Flughafens unter bestimmten Bedingungen, empfahl 2000 einen Anti-Lärm-Pakt. Und dieser sieht, das war schon fast vergessen, einen „Deckel“ für den Fluglärm vor. Die Grünen haben das Projekt im Koalitionsvertrag mit der CDU festschreiben lassen. Ziel sei, eine deutliche Reduzierung gegenüber den im Planfeststellungsbeschluss prognostizierten Werten zu erreichen, heißt es da.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          In Wiesbaden warnt man freilich schon jetzt vor Erwartungen, die Obergrenze führe dazu, dass es damit insgesamt leiser werde als heute. Nein, auf lange Sicht werde auch in der Region der Luftverkehr und damit der Lärm wachsen, wenn auch nicht so schnell wie prognostiziert. Die Obergrenze sei gleichwohl das „wirkmächtigste“ Instrument für mehr Lärmschutz, das Vorhaben habe fachlich und rechtlich weit über die deutschen Grenzen hinaus Pioniercharakter.

          „Lärmärmste“ Flugzeuge sollen kommen

          Und es ist, müsste man hinzufügen, angesichts der Bedeutung des Flughafens für die wirtschaftliche Entwicklung in Region und Land ein heikles Unterfangen. Das Ministerium formuliert daher sehr vorsichtig. Einerseits gehe es darum, langfristig wirksame Anreize für mehr Lärmschutz zu geben und damit die Belastung zu begrenzen. Gleichzeitig gelte es jedoch im Blick zu halten, dass der Flughafen sich entwickeln können müsse. Das hehre Ziel: In Frankfurt sollen künftig die „lärmärmsten“ Flugzeuge eingesetzt werden, der Flughafen soll die modernste Infrastruktur anbieten und die Flugsicherung den Verkehr mit die Anwohner möglichst schonenden An- und Abflugverfahren organisieren.

          Etwa in einem Jahr will Al-Wazir ein Modell präsentieren. Das ist eine lange Vorbereitungszeit, angesichts der vielen schwierigen Fragen gleichwohl ambitioniert. Es fängt schon damit an, wovon man bei der Festlegung der Lärmgrenze eigentlich ausgehen muss. Die einzig feste Größe in dieser Kalkulation ist, dass 2007, als der Flughafenausbau „planfestgestellt“ wurde, für das Jahr 2020 in Frankfurt vermeintlich exakt 701.000 Starts und Landungen prognostiziert wurden. Diese Dimension wird bis dahin wohl kaum erreicht werden, die Wirklichkeit ist bisher deutlich hinter den Wachstumserwartungen zurückgeblieben. Darauf verweist auch Thomas Jühe, der Vorsitzende der Fluglärmkommission. Das mag an einigen Dellen in der Konjunktur gelegen haben, aber auch daran, dass am Drehkreuz Frankfurt verstärkt auf den Verkehr mit großen Maschinen gesetzt wird. Das macht der gleichzeitige Anstieg der Passagierzahlen bei weniger Flugbewegungen deutlich.

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