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Oberbürgermeisterwahl : Kampf um den Chefsessel im Römer

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Möglicherweise folgt Boris Rhein (CDU) auf Petra Roth (CDU). Bild: Lisowski, Philip

Die geplanten Kampagnen der bekannten Bewerber für die Oberbürgermeisterwahl unterscheiden sich deutlich. Ginge es nur nach dem Budget, stünden die Stichwahl-Kandidaten schon fest.

          Ursula Fechter ist gerade beim Fototermin. Die Kandidatin der Flughafenausbaugegner lässt Bilder machen für die Plakate, mit denen sie im beginnenden Oberbürgermeister-Wahlkampf möglichst viele Anhänger gewinnen will. Mindestens 1.000 Exemplare will sie in Auftrag geben; wenn sich in den nächsten Wochen viele Spenden finden, können es auch mehr werden. Kurz vor der Wahl sollen Fechters Helfer dann auch noch Postkarten mit ihrem Konterfei in möglichst viele Briefkästen werfen. Die Außenseiterin gibt sich kampfeslustig: „Wir werden uns nach der Decke strecken.“

          Boris Rhein ist viel weiter: Er hängt schon - als Motiv auf den CDU-Plakaten. Allerdings hat sich der hessische Innenminister für die Wahl des Nachfolgers von Oberbürgermeisterin Petra Roth zur Sicherheit erst einmal mit seiner Parteifreundin ablichten lassen. „Der traut sich nicht alleine“, spotten die einen. „Kluger Schachzug“, loben die anderen. Sie finden es richtig, dass der 40 Jahre alte Frankfurter zu Beginn seiner Kampagne auf die Popularität der Amtsinhaberin setzt.

          CDU-Mann Rhein hat die besten Chancen auf das Amt

          „Das sind keine Wahlplakate, sondern Neujahrsgrüße der Oberbürgermeisterin und des CDU-Kreisvorsitzenden“, sagt Partei-Geschäftsführer Christian Wernet, und die Freude über seinen Schachzug ist ihm anzuhören. Denn echte Wahlplakate dürfen erst sechs Wochen vor dem Termin aufgehängt werden. Einen anderen Trick, um diese Frist zu umgehen, nutzt manch einer, indem er mit seinem Konterfei für eine womöglich gar nicht so wichtige Veranstaltung wirbt.

          Dank des vorzeitigen Rückzugs Roths im nächsten Sommer hatte CDU-Mann Rhein nicht nur die beste Startposition, er wird auch über das höchste Wahlkampfbudget verfügen. Knapp 200.000 Euro erhofft sich Geschäftsführer Wernet für die Wochen bis zum 11.März; dafür benötige er aber noch Spenden. „Nach der Kommunalwahl müssen wir aufs Geld gucken.“

          „Dann müssten die anderen sechs Kandidaten ja zusammen weniger als 50 Prozent der Stimmen haben.“

          Allerdings will die CDU auch etwas bieten. So plant Wernet zum Beispiel 5.000 Plakate in allen Größen, die im ganzen Stadtgebiet zu finden sein sollen. Anders als bei den „Neujahrsgrüßen“ sollen sie den Kandidaten solo in den Vordergrund stellen. Dass Rhein es im ersten Wahlgang schafft, hält Wernet zwar nicht für unmöglich, aber doch für unwahrscheinlich. „Dann müssten die anderen sechs Kandidaten ja zusammen weniger als 50 Prozent der Stimmen haben.“ Zur Sicherheit werde er ein paar Euro für die Werbung zu einer eventuellen Stichwahl am 25. März beiseite legen.

          Prominente Redner kann Wernet noch nicht melden. Vor einem Jahr, zur Kommunalwahl, gelang es ihm, Kanzlerin Angela Merkel zu verpflichten. Dass die am Ende wegen der Libyen-Krise kurzfristig an einem Spitzengespräch in Paris teilnehmen musste, war nicht seine Schuld. Wen auch immer die CDU verpflichtet, der Top-Gast wird beim Jahresempfang Anfang März für Rhein werben. Außerdem ist Wernet der Meinung: „Wir haben doch schon einen guten Redner - unseren Kandidaten.“

          Die Themen: Kinderarmut, Wohnungsversorgung, Bildung, Fluglärm

          Falls die Höhe des Budgets über den Erfolg entschiede, käme Peter Feldmann in die Stichwahl. Der SPD-Bewerber kann nach eigenen Worten mit annähernd 100,000 Euro die zweithöchste Summe aller sieben Bewerber einsetzen, um den Chefsessel im Römer zu erobern. Ganz glücklich klingt Feldmann trotzdem nicht, weil ihm damit nur etwa 40 Prozent jener Summe zur Verfügung stünden, die die Sozialdemokraten für die Kommunalwahl ausgegeben haben. Im Wahlkampf wird die Geschäftsstelle des Unterbezirks dafür mit Personal aus Landes- und Bundes-SPD unterstützt.

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