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Oberbürgermeister : Nobel in Frankfurt, wankelmütig in Wiesbaden

  • Aktualisiert am

Zugeneigt in Frankfurt: Feldmann mit Vorgängerin Petra Roth Bild: Wonge Bergmann

Nicht immer ist das Verhältnis von Oberbürgermeistern und ihren Vorgängern einfach - wie derzeit in Wiesbaden zu sehen ist. Es gibt aber auch Positives zu berichten. Sieben Beispiele einer potentiell heiklen Beziehung.

          6 Min.

          Wer in einer Demokratie ein Amt innehat, hat es meistens mit einem Vorgänger zu tun, oft sogar mit mehreren. Von vornehmer Zurückhaltung bis zu nachtragender Besserwisserei reicht die Spanne ihrer Verhaltensweisen. Wir haben uns unter Oberbürgermeistern in der Region umgeschaut.

          Frankfurt

          Peter Feldmann ist zu beneiden. Vier Amtsvorgänger leben noch, und keiner der früheren Frankfurter Oberbürgermeister hat öffentlich auch nur ein negatives Wort über den Sozialdemokraten verloren. Petra Roth, der er am 1. Juli 2012 im Amt nachfolgte, hat ihn mit der ihr eigenen Noblesse ins Amt eingeführt. Sie unterschied sich mit dieser Haltung sehr deutlich von ihrer Partei, der CDU, die Feldmann auch nach seinem Sieg nicht für voll nehmen wollte. Roth war auch aus eigener Erfahrung klüger. Sie wusste, dass man an dem schönen Amt wachsen kann. Es mit Mäkeleien an ihrem Nachfolger zu beschädigen käme ihr schon aus Stolz nicht in den Sinn. Sie wusste außerdem, dass das Stadtoberhaupt dank seiner herausgehobenen Stellung in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wird als alle anderen Stadträte zusammen.

          Feldmann hat schnell begriffen, wie wertvoll Roths vornehme Haltung für ihn ist. Er hat sie eingebunden, als es galt, die Finanzierung des neuen Romantik-Museums sicherzustellen. Seinen despektierlichen Wahlkampfslogan, er wolle ein arbeitender Oberbürgermeister sein, hat er längst kassiert. Wenn Roth Geburtstag hat oder die Ehrenplakette der Stadt erhält, dann tritt er als ihr größter Lobredner auf. So mehren die beiden den Ruhm des jeweils anderen.

          An die Oberbürgermeister vor Roth erinnern sich ohnehin nur die Älteren. Wolfram Brück und Volker Hauff, die das Amt jeweils nur für kurze Zeit innehatten, leben schon lange nicht mehr in der Stadt. Und Andreas von Schoeler hat der Parteipolitik nach Ende seiner Amtszeit vor zwei Jahrzehnten entsagt. Er ist präsent, aber als engagierter Bildungsbürger und nicht als Kommunalpolitiker.

          Wiesbaden

          Der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) hat sechs Vorgänger. Er kam ins Amt, nachdem er im Frühjahr 2013 Helmut Müller (CDU) in einer Stichwahl überraschend und knapp geschlagen hatte. Normalisiert hat sich das Verhältnis zwischen den beiden seitdem nicht. Es sei „entspannt“ heißt es in Gerichs Büro. „Neutral“, sagt Müller, inzwischen Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main. Ungünstig wirkte sich ein Versprechen aus, das Gerich zu Beginn seiner Amtszeit gab. Er kündigte neue Umgangsformen im Rathaus an und stellte ein Gutachten vor, das den hohen Krankenstand in der Verwaltung auf den Führungsstil Müllers zurückführte. In der Öffentlichkeit wurde der Vorstoß als ungebührliches „Nachtreten“ empfunden. Müller dürfte es als eine Rehabilitierung empfunden haben, dass die Fehlzeiten im Rathaus nach seinem Ausscheiden aus dem Amt leicht stiegen.

          Kalte Schulter in Wiesbaden: Helmut Müller (links) und Nachfolger Sven Gerich

          Schwankungen sind Gerichs Beziehungen zu Achim Exner ausgesetzt. Der Sozialdemokrat, der von 1985 bis 1997 Wiesbaden regierte, ist Gerichs Entdecker. Doch Anfang des Jahres 2012 setzte er Gerich in der Debatte über den Standort der Rhein-Main-Hallen so sehr zu, dass der fast sein Amt als Fraktionschef verloren hätte. Ein Jahr später zog Exner mit Gerich durch die Kneipen, um ihn im Kampf um das Amt des Oberbürgermeisters zu unterstützen. Inzwischen hat sich der Wind wieder gedreht. Gerade unterstützt der Siebzigjährige eine Bürgerinitiative gegen Gerichs Plan, das ehemalige Landgericht in Wohnraum umzuwandeln.

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