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Zu Plakataktion gegen Feldmann : Frankfurter CDU hat nichts verstanden

Selbst in der CDU umstritten: Anti-Feldmann-Plakate der Jungen Union vor der Stichwahl am 11. März in Frankfurt Bild: Helmut Fricke

Der Wähler mag keine Angriffe auf eine Person, und er mag keine schlechten Verlierer. Das hat die Junge Union in Frankfurt offenbar nicht verstanden.

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          Sie haben nichts verstanden, dabei hat die Botschaft des Wählers an Deutlichkeit wenig zu wünschen übriggelassen. Trotzdem zieht die Junge Union mit aggressiven Slogans in den Stichwahlkampf um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters: „Traut man Peter, Feldmann rein“, plakatiert sie. Und ähnliche Botschaften.

          Ganz abgesehen davon, dass die Wortspiele mäßig witzig sind, um es zurückhaltend auszudrücken, mag der Wähler hierzulande keine Angriffe, die auf eine Person zielen. Darüber hinaus hat sich der CDU-Nachwuchs die falschen Themen ausgesucht. Wenn eine Partei in Frankfurt eine klare Linie zur Linderung der Wohnungsknappheit fährt, dann ist es die SPD und eben nicht die CDU. Und wenn jemand in der Verkehrspolitik bei seiner Klientel ein Zeichen gesetzt hat, dann war es Peter Feldmann, als er Preissenkungen im Nahverkehr durchsetzte. Gegen diesen Schritt lässt sich sehr viel einwenden, aber man sollte zur Kenntnis nehmen, dass er viele Wähler beeindruckt hat.

          Genervt von Feldmanns Taktik

          Dass die Jugend im Eifer des politischen Gefechts über die Stränge schlägt, lässt sich noch verstehen. Es wäre jedoch die Aufgabe der Kandidatin und der CDU-Führung gewesen, diese dämliche Kampagne zu stoppen. Sie wird die ohnehin dürftigen Aussichten von Bernadette Weyland für die Stichwahl schmälern. Der Vorgang verfestigt den Eindruck, dass die Frankfurter CDU die Oberbürgermeisterwahl innerlich abgehakt hat; größerer Einsatz ist für die nächsten zwei Wochen trotz Durchhalteparolen und Solidaritätsschwüren nicht zu erwarten. Die laue Unterstützung durch die hessische CDU sagt überdies einiges aus über den Ruf des Frankfurter Kreisverbands innerhalb der Landespartei.

          Vor dem CDU-Vorsitzenden Jan Schneider, der sich nicht mehr lange darauf wird berufen können, er sei zu kurz im Amt, um für Missgriffe verantwortlich gemacht zu werden, liegen große Aufgaben. Er wird dafür sorgen müssen, dass seine Partei wieder mit klar umrissenen Positionen verbunden wird. Dafür wird er sein Team im Magistrat dazu bringen müssen, mehr Profil zu entwickeln.

          Und nicht zuletzt: Die CDU wird für den wahrscheinlichen Fall, dass Feldmann wiedergewählt wird, ihr Verhältnis zum Oberbürgermeister endlich klären müssen. Insider der Römer-Politik mögen verstehen, dass die Union genervt ist über die Taktik Feldmanns, sich alle Erfolge anzueignen. Beim Wähler bleibt aber nur der Eindruck haften, die von der CDU seien schlechte Verlierer. Und die mag er nicht.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

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