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CDU nach Frankfurter OB-Wahl : Kein Vertrauen, kein Erfolg

Was vom Wahlkampf übrig blieb: Unermüdlich haben die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland und ihr Team aus meist jungen Leuten in den vergangenen Monaten für den Sieg in der Frankfurter Oberbürgermeisterwahl gekämpft. Jetzt müssen die Plakate abgehängt und die Flugzettel verstaut werden. Bild: Michael Braunschädel

Empfunden als herrisch im Auftreten und beratungsresistent: Warum die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland die Frankfurter Oberbürgermeisterwahl mit einem historisch schlechten Ergebnis verloren hat.

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          Eines der Bilder des Wahlabends zeigt eine sichtlich getroffene Bernadette Weyland, die zu erklären versucht, warum sie so hoch verloren hat. Schräg hinter ihr an der Haupttreppe im Rathaus Römer steht der Frankfurter CDU-Vorsitzende Jan Schneider und lauscht jedem Wort. Gesprächswünsche von Journalisten lehnt er ab, weil er lieber zuhören will. Die gerade mit 29,2 Prozent in der Stichwahl untergegangene eigene Kandidatin soll bloß nicht unbemerkt die ganze Schuld auf die Partei und den Vorsitzenden schieben.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer die Zeit ein gutes Jahr zurückspult, kann kaum glauben, wie schlecht Weyland und die CDU-Führung am Ende zueinander standen. Denn am Anfang sieht alles nach Aufbruch und Chance und Hoffnung aus. Im Februar 2017 verzichtet der damalige Parteichef Uwe Becker auf eine eigene Kandidatur zugunsten Weylands. Im kleinen Kreis vereinbart, stößt der Plan intern, aber auch in den Medien auf viel Zustimmung. Am Tag nach dem Coup lässt Becker wissen: „Die Stimmung in der Partei ist insgesamt gut.“

          Nachfolgerin von Petra Roth in der Frankfurter CDU

          Wenig später, im April, macht die CDU die damalige Staatssekretärin im hessischen Finanzministerium mit mehr als 98 Prozent zur umjubelten Kandidatin im Kampf um den Posten des Stadtoberhaupts. Weyland tritt aus diesem Anlass in einer Art Arena auf, mit Werbefilm und Musik. Moderner Wahlkampf, viel Inszenierung. Führung und Basis sind sich sicher: Sie wird eine Chance haben gegen Amtsinhaber Peter Feldmann – und Frankfurt nach Petra Roth demnächst wieder eine CDU-Frau an der Spitze.

          Doch schon damals gibt es warnende Stimmen. Weyland sei fahrig und unsortiert, mahnen manche. Die Juristin lasse sich nicht beraten, behaupten diejenigen, die sie aus der Landespolitik besser kennen. Noch tun das viele als Lästerei von Neidern ab. Die Landes-CDU um den Vorsitzenden Volker Bouffier macht allerdings nie den Eindruck, hinter der Kandidatur zu stehen. Erst im Endspurt kommt Bouffier zum einzigen Wahlkampftermin. Er nennt Bernadette Weyland ein paar Mal „Babette“ und hält eine der kürzesten Reden, die Beobachter je von ihm gehört haben. Nach dem Stichwahl-Debakel ist die Landespartei nun bemüht, Weylands Niederlage möglichst isoliert zu betrachten. Verständlich, schließlich geht es schon in wenigen Monaten bei der Landtagswahl um sechs Mandate in Frankfurt.

          Aufbruchstimmung im Sommer 2017 schon verpufft

          Beobachtern fällt im Mai 2017 auf, dass es nach Weylands Nominierung keinen Fahrplan gibt. Monate verstreichen, in denen Kandidatin und Partei die Sache laufen lassen. Während Weyland, bis Ende August eingebunden als Staatssekretärin, erratisch Termine in Frankfurt wahrnimmt, ist der parteiinterne Aufbruch bis zu den Sommerferien schon wieder verpufft. Auf die Stimmung drückt die Bundestagswahl im September, wenngleich die CDU in Frankfurt stärkste Kraft bleibt. Feldmann macht derweil aus dem Amt heraus einen höchst professionellen Wahlkampf. Die SPD steht hinter ihm.

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