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Corona-Pandemie in Hessen : Nur eine Neuinfektion über Nacht gemeldet

Marburger Wissenschaftler forschen an einem Impfstoff gegen Corona. Bild: Helmut Fricke

Ist es einem Fall von Meldeverzug geschuldet? Tatsache ist: Dem Robert-Koch-Institut ist über Nacht nur eine neue Covid-19-Infektion aus Hessen gemeldet worden nach 30 Corona-Fällen am Vortag.

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          32, 21, 41, 24, 30. So viele Neuinfektionen haben die Gesundheitsämter in Hessen an den Tagen seit dem 24. Juni dem Robert-Koch-Institut gemeldet. Und über Nacht auf Montag? Da ist nur ein einziger neuer bestätigter Covid-19-Fall. Wie kann das sein? Liegt ein Fall von Meldeverzug vor, weil Ämter nicht rechtzeitig bis Mitternacht das RKI genannte Institut in Berlin informiert haben? Die Erklärung steht dahin.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jedenfalls kontrastiert die Eins auf erfreuliche Art und Weise nicht nur mit der genannten Zahlenreihe. Für das ganz Deutschland hat das RKI gerade 262 Neuinfektionen bekannt gegeben. Dabei liegen ihm aus Baden-Württemberg, Bremen, Sachsen und Thüringen nicht einmal frische Daten vor. Tatsächlich könnte es also mehr neue Covid-19-Fälle geben als am Morgen berichtet.

          Erfreulich ist auch die Nachricht zu den Todesfällen in Verbindung mit der Pandemie: Es liegt keine neue Meldung. So bleibt es bei den zuvor schon offiziell registrierten 506 Corona-Opfern seit Anfang März. Seitdem haben sich 10.762 Menschen in Hessen mit dem Covid-19-Virus infiziert. Gut 9900 gelten mittlerweile als genesen.

          Die meisten Infektionen hat Frankfurt gemeldet, 1769 an der Zahl. Die wenigsten entfallen auf den Vogelsberg. Dort sind nur 121 bekannt. Ähnlich gut sieht es nur in Kreis Waldeck-Frankenberg und in Offenbach aus, wo ebenfalls jeweils weniger als 200 Infektionen registriert worden sind. Dagegen kommt der Kreis Hersfeld-Rotenburg auf fast 300 (Stand Sonntag). Dies hängt auch mit Dutzenden Infektionen unter Mitarbeitern des Versenders Amazon in Bad Hersfeld zusammen. Auf der anderen Seite sind die Kreise Hochtaunus, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Odenwald und Vogelsberg nach Angaben des Sozialministeriums seit sieben Tagen ohne neuen Fall.

          Für diese Kreise steht bei der für Lockerungen wichtigen Sieben-Tage-Inzidenz die Null. Dieser Wert bezieht sich auf die neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist. Für sechs weitere Landkreise und Wiesbaden steht eine Eins zu Buche. Am der Tabelle liegt Offenbach mit dem Wert Elf. Das hat einen Grund: 14 der 193 seit Anfang März bekanntgewordenen Infektionen sind in den vergangenen sieben Tagen registriert worden. Alle anderen Großstädte sowie die 21 Landkreise kommen auf eine einstellige Sieben-Tage-Inzidenz. Die kritische Marke lautet 50. Sollte sie erreicht werden, könnten die Behörden schon beschlossene Lockerungen wieder zurücknehmen. Derweil musste im Main-Kinzig-Kreis eine Grundschule wegen eines Corona-Falls geschlossen werden.

          Das aktuelle Corona-Bulletin des Sozialministeriums findet sich hier.

          Mit Blick auf die Zahl der Genesenen ist aber stets folgende Einschränkung zu beachten: Wie das für die Seuchenbekämpfung in Deutschland zuständige RKI der F.A.Z. mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin am Sitz des Instituts. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen lediglich.

          Das RKI berücksichtigt jene Fälle, die am jeweiligen Tag um 0.00 Uhr übermittelt wurden. „Für die Darstellung der neu übermittelten Fälle je Tag wird das Meldedatum verwendet – das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat“, heißt es auf der Internetseite des Instituts. Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI könnten einige Tage vergehen. In solchen Fällen ist von Meldeverzug die Rede.

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