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Nürburgring : „Ein Fass ohne Boden“

  • -Aktualisiert am

Düstere Zukunft? Nacht am Nürburgring Bild: dpa

Es ist die Konsequenz aus Millionenschulden und langem Streit. Die rot-grüne Landesregierung in Rheinland-Pfalz hat den Vertrag mit den Pächtern des Erlebnisparks am Nürburgring gekündigt. Weitere Formel-Eins-Rennen sind nun ungewiss.

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          Die rot-grüne rheinland-pfälzische Landesregierung hat sich nach langem Streit von den privaten Pächtern des defizitären Erlebnisparks am Nürburgring getrennt. Auf Bitte des zuständigen Infrastrukturministers Roger Lewentz (SPD) sprach die zu 90 Prozent landeseigene Nürburgring GmbH der Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH (NAG) am Dienstag mit sofortiger Wirkung die außerordentliche Kündigung aus.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Zuvor hatte Lewentz für diesen Schritt die Zustimmung des Kabinetts von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) eingeholt. Zur Begründung für diesen drastischen Schritt sagte Lewentz in einer Pressekonferenz in Mainz, an der Beck nicht teilnahm, dass er zu der Überzeugung gelangt sei, „dass eine gute Zukunft am Ring mit den jetzigen Pächtern nicht möglich ist.“ Das Vertrauen in der Eifelregion sei aufgebraucht. Zudem sei er gezwungen gewesen, Konsequenzen zu ziehen, weil die vereinbarte Pacht an das Land nicht gezahlt worden sei.

          Erst im Mai 2010 hatten Beck und sein damaliger Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) den Düsseldorfer Projektentwickler Kai Richter und den Hotelunternehmer Jörg Lindner als Pächter des 330 Millionen Euro teuren Gebäudekomplexes mit einer Achterbahn und einem Rennfahrtmuseum vorgestellt.

          Die beiden Unternehmer sollten Gewinn machen, den Steuerzahler werde das Nürburgring-Projekt keinen Euro kosten, hatte Beck bei der Vorstellung der Pächter ein Jahr vor der Landtagswahl versprochen. An die landeseigene Nürburgring GmbH als Besitzer der Immobilien sollte die NAG von 2011 an zunächst fünf Millionen, von 2012 rund 11,5 Millionen und von 2013 an 15 Millionen Euro im Jahr an Pacht abführen. Von dem Geld sollten die Kredite abgezahlt werden, mit denen das Freizeit- und Geschäftszentrum an der Formel-Eins-Strecke bis Mitte 2009 errichtet worden war.

          Allerdings beklagten Lindner und Richter schon nach anderthalb Jahren Betrieb, dass mit den erzielten Einnahmen und dem bisherigen Betriebskonzept die vereinbarte Pacht nicht zu erwirtschaften sei. Vor allem im Winter blieben die Besucher aus.

          Um den Betrieb wirtschaftlich führen zu können, kündigten Richter und Lindner die Streichung von 92 der 338 Stellen an. Zudem sollten Teile des riesigen Gebäudekomplexes dauerhaft geschlossen bleiben

          Kostspieliges Prestigeprojekt: Kurt Beck im vergangenen Jahr am Nürburgring Bilderstrecke
          Kurt Beck am Nürburgring : Kurt Beck am Nürburgring

          Das Land will den Betrieb nun abermals ausschreiben lassen und ist bereit, übergangsweise den Betrieb wieder wie früher über die Nürburgring GmbH selbst zu führen. Das Land hält nach Angaben von Finanzminister Carsten Kühl (SPD) für den Fall weiterer Defizite eine Rücklage im Haushalt von 254 Millionen Euro bereit, um die Kredite für das Projekt weiter bedienen zu können. Schon in den vergangenen zwei Jahren hatte das Land unter anderem wegen der Defizite durch das Formel-Eins-Rennen mehr als 19 Millionen Euro überweisen müssen. Die NAG kündigte an, gegen die Kündigung zu klagen und den Betrieb fortzuführen.

          „Umbau oder Rückbau“

          Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) zeigte sich auf der Pressekonferenz erleichtert über die Kündigung: „Wir haben hier vereinbart, dass wir dem Fass ohne Boden einen Boden einziehen wollen“. Bevor der Pachtvertrag europaweit ausgeschrieben werde, müsse das Projekt mit allen Gebäuden „unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit betrachtet werden.“ Dabei müsse auch der „Umbau oder Rückbau“ von Teilen des Komplexes in Betracht gezogen werden. „Dann ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten. Wir wollen uns alles offen halten.“

          Ungewiss bleibt nach der Kündigung, ob und wie die Formel-Eins-Rennen an der Traditionsstrecke gehalten werden können. In einem Brief an die Mitarbeiter hatten Lindner und Richter berichtet, dass sie mit dem britischen Formel-Eins-Unternehmer Bernie Ecclestone das Angebot ausgehandelt hätten, bis 2023 fünf Rennen am Ring ausrichten zu können. Der Landeszuschuss betrage bei jedem Rennen – das erste 2013 – nur rund neun Millionen Euro. Lewentz will nun „persönlich mit Herrn Ecclestone sprechen“. Einen Landeszuschuss von rund 50 Millionen Euro für fünf Rennen sei politisch nicht darstellbar, machte Lewentz deutlich. Der Minister will stattdessen nur über ein Rennen 2014 oder 2015 verhandeln.

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