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Notleidendes Projekt : Rhön AG bekennt sich zur Partikeltherapie in Marburg

Hochmoderne Technik: das Partikeltherapiezentrum in Marburg Bild: Rüchel, Dieter

Die Rhön-Klinikum AG verfolgt weiter die Absicht, die bisher notleidende Partikeltherapie am Uni-Klinikum Marburg in Betrieb zu nehmen. Geplant ist eine Kooperation mit Physikern aus Heidelberg.

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          Die Rhön-Klinikum AG verfolgt weiter die Absicht, die bisher notleidende Partikeltherapie am Uni-Klinikum Marburg in Betrieb zu nehmen. Dies sagte der Vorstandsvorsitzende des börsennotierten Unternehmens, Martin Siebert, am Donnerstag während der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Er sei in diesen Tagen „dezent optimistischer als noch zum Jahresende“, erläuterte er. Die Rhön AG sei in enger Abstimmung mit dem Anlagenbauer und -eigentümer Siemens Health Care, um die wirtschaftlichen und technischen Hürden vor einer Inbetriebnahme zu meistern. Ziel sei ein Betrieb in Eigenregie. Dazu strebe Rhön eine Zusammenarbeit mit der Heidelberger Ionenstrahl-Therapie (HIT) an. Die HIT gehört zum dortigen Uni-Klinikum und nutzt erfolgreich eine ähnliche Technik wie jene, die in Marburg steht (F.A.Z. vom 18. April).

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der fränkische Klinikkonzern hält seit sieben Jahren 95 Prozent der Anteile am fusionierten Uni-Klinikum Gießen und Marburg; fünf Prozent liegen beim Land Hessen. Nach einer Übereinkunft mit dem Land sollen bis Jahresende in der Marburger Anlage erstmals Krebspatienten behandelt werden. Auf Nachfrage gestand Siebert aber zu: „Der Zeitplan ist eng.“ Eindeutige Zuversicht verbreitete Siebert mit Blick auf die auch zum Rhön-Konzern zählenden Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden, „das zweite große Thema“ nach dem Uni-Klinikum in Mittelhessen. In Wiesbaden beweise die Rhön AG, dass sie ihr Kerngeschäft noch verstehe: defizitäre Kliniken zu übernehmen und profitabel zu machen. Im dritten Quartal 2013 dürfte das kurz HSK genannte Klinikum schwarze Zahlen liefern. Er sei überrascht, für die Arbeit an der HSK aus der lokalen Politik vereinzelt gelobt zu werden.

          „Würden Sie 80 Millionen Euro für die Anlagen zahlen?“

          Die Partikeltherapie war beim Verkauf des zuvor fusionierten Uni-Klinikums Gie ßen und Marburg im Februar 2006 als Vertragsbestandteil festgeschrieben worden und sollte ein Vorzeigeprojekt für die Medizin in Hessen werden. Bisher dient die Anlage aber allein der technischen Forschung von Siemens, da sie zu langsam arbeitet, um wirtschaftlich zu sein. Zudem stehen Betriebsgenehmigungen aus, wie es bei Rhön jüngst hieß. Wegen der technischen Schwierigkeiten hatte Siemens die Anlage 2011 von der Rhön AG für 86 Millionen Euro zurückgekauft. Siemens darf als Medizintechnikanbieter selbst keine Patienten behandeln.

          Um die Partikeltherapie in den Regelbetrieb übernehmen zu können, strebt die Rhön AG eine „Rückübernahme“ der Anlage von Siemens an. Dass Siemens denselben Betrag erhalten könnte, wie der Konzern vor knapp zwei Jahren an die Rhön AG gezahlt hatte, erscheint aber unwahrscheinlich: „Würden Sie 80 Millionen Euro für die Anlagen zahlen?“, konterte Siebert die Frage nach einem möglichen Kaufpreis. Der Muttergesellschaft des Uni-Klinikums Gießen und Marburg schwebe ein „angemessener Betrag“ vor, den Siebert jedoch nicht bezifferte. Davon abgesehen, handele es sich um ein komplexes Problem. Rhön brauche einen Partner, der die technische Abhängigkeit von Siemens reduziere. Denn der Vorstand von Siemens hatte beschlossen, aus der Partikeltherapie auszusteigen. Ein Partner wäre das HIT, das seine Ionenstrahltherapie selbst aufgebaut hat.

          Die „größte operative Herausforderung“

          Über die Partikeltherapie hinaus bleibt das mittelhessische Groß-Klinikum „die größte operative Herausforderung“ für den Konzern, wie Siebert in seinem Brief an die Rhön-Aktionäre hervorhebt. 2012 schrieb das Uni-Klinikum ein Minus von knapp neun Millionen Euro. Auf die Frage nach dem Renditeziel für Gießen und Marburg antwortete Finanzvorstand Jens-Peter Neumann gestern: „Das ist schon fast eine philosophische Frage.“ Laut Siebert soll das Rhön-Flaggschiff bis Ende 2014 wieder profitabel sein. Zuvor schon solle es zu einem „Drehkreuz“ im Konzern ausgebaut werden. Künftig würden Patienten aus anderen Rhön-Häusern nach Mittelhessen gebracht oder umgekehrt Ärzte aus Gießen und Marburg zu Kranken andernorts fahren.

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