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Notdienst-Pauschale für Apotheker : Auf dem Land schläft der Apotheker eher durch

  • -Aktualisiert am

Durchblick: Apotheker Moritz Stöber schaut durch die Notdienstklappe. Bild: Marcus Kaufhold

Seit einigen Monaten erhalten Apotheken für den Notdienst eine Pauschale. Finanziert wird sie von allen Patienten. Vor allem die Apotheker auf dem Land profitieren davon, sie haben nachts nur wenige Kunden.

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          Sie hält in einem grauen Auto vor der Apotheke von Moritz Stöber. Die Frau mittleren Alters trägt kurze rote Haare, sie geht die wenigen Schritte auf den Eingang zu und reicht das rosafarbene Papier durch die kleine Metallklappe neben der Tür. Schmerzmittel und Magenschutz, verordnet von einem Notarzt aus der Umgebung. Der Klassiker schlechthin unter den nächtlichen Rezepten, sagt Stöber. Er geht durch den dunklen Verkaufsraum, vorbei an den Papp-Aufstellern mit Naturkosmetik, greift die kleinen weißen Schachteln und stempelt das Rezept ab. Dann hält er kurz inne. Als er sich wieder vor das Gesicht der rothaarigen Dame beugt, sagt Stöber: „Der Arzt hat Ihnen eine zu hohe Dosis aufgeschrieben. Zweimal am Tag reicht.“ Er schließt die Klappe.

          Es ist kurz vor 21 Uhr an einem Donnerstagabend, und die Dame ist die erste Kundin, die Stöber durch die schmale Luke bedient. Vor Mitternacht kommen im Schnitt sechs Patienten in die Apotheke nach Taunusstein-Hahn, rund zehn Kilometer außerhalb von Wiesbaden. An Freitagen und Samstagen können es schon einmal mehr werden. Unter der Woche schläft Apotheker Stöber nach 24 Uhr normalerweise durch. Kein Kunde weckt ihn.

          Seit August 2013 Pauschale eingeführt

          An eine solche Nacht kann sich Cornelia Löwer kaum erinnern. Ihre Apotheke in Dreieich liegt gerade mal 15 Autominuten vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt. Gut 20 Kunden, so schätzt Löwer, bedient sie in einer durchschnittlichen Nacht. Einige davon auch in den frühen Morgenstunden. Wenn die Zug-Apotheke am Sonntag Dienst hat, kommen sogar bis zu 200 Patienten, mehr als einem normalen Werktag. Trotzdem erhält sie für ihren Notdienst die gleiche Summe wie Stöber in Taunusstein. Gut 250 Euro je Nacht waren es Ende 2013.

          Seit August vergangenen Jahres gibt es die Pauschale für Nacht- und Notdienste in den Apotheken. 120 Millionen ist der Topf groß, den der Deutsche Apothekerverband dafür im Jahr bereithält. Während vor der Neuregelung für jeden Kunden außerhalb der regulären Öffnungszeiten 2,50 Euro berechnet wurden, erhalten die Apotheker nun ein einheitliches Entgelt, unabhängig davon, wie viele Tabletten sie verkaufen. Für die Patienten werden die 2,50 Euro Gebühr trotzdem fällig - es sei denn, der Arzt hat auf dem Rezept einen Notfall vermerkt.

          „Leistung vorher nicht ausreichend honoriert“

          Gefüllt wird der Fonds durch jedes rezeptpflichtige Medikament, das in Deutschland über den Ladentisch geht: 16 Cent vom Abgabepreis sind für die Sicherung der Notdienste vorgesehen. Ein wesentliches Ziel der Pauschalierung war es, die ländlich gelegenen Apotheken zu stärken. Die hatten sich, bedingt durch den geringen Verkauf in den Nachtstunden, über finanzielle Belastungen beklagt.

          In Taunusstein-Hahn ist Inhaber Stöber zufrieden mit der nun geltenden Regelung. Für ihn bedeuten die 250 Euro einen finanziellen Zugewinn. „Meine Leistung wurde vorher nicht ausreichend honoriert“, sagt Stöber. Nun beschert ihm die Pauschale einen Stundenlohn von knapp 21 Euro in der Nacht.

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