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Großprojekt in Hessen : Nordmainische S-Bahn in greifbarer Nähe

Neue Gleise dringend gesucht: Langsam geht der Ausbau des Schienennetzes im Rhein-Main-Gebiet voran. Bild: dpa

Es war ein langer und mühsamer Weg. Doch die Finanzierung ist gesichert und die Planfeststellung ist endlich in vollem Gang. Die Nordmainische S-Bahn könnte bald Wirklichkeit werden.

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          Endlich kann die Bahn mit ganzer Kraft das Projekt Nordmainische S-Bahn vorantreiben. Denn mit der Heraufstufung einer eigenen Schienenstrecke in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ für die S-Bahn zwischen Frankfurt und Hanau nördlich des Mains und die Heraufstufung weiterer Projekte des Schienenausbauplans „Frankfurt Rhein-Main Plus“ im Bundesverkehrswegeplan hat der Bund jüngst eine Art Finanzierungsgarantie gegeben. Bisher war nie klar, ob es für das Projekt Geld aus Berlin geben wird.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jetzt fehlt der Bahn für das Projekt nur noch die Baugenehmigung. Doch bei der zweiten Anhörung für den Abschnitt Frankfurt gestern im Saalbau Gallus ist sie dieser wieder ein Stück näher gekommen. Im mit Vertretern der Frankfurter Ämter vollbesetzten Saal sagte ein Abgesandter der Bahn den entscheidenden Satz: „Der Baubeginn wird nicht vor den nächsten drei Jahren sein.“

          Doch er wird kommen. Möglich ist, dass mit dem Bau der 20 Kilometer langen, zweigleisigen S-Bahn-Strecke 2021 oder im Jahr 2022 begonnen wird. Das Planfeststellungsverfahren läuft. Sowohl für den Abschnitt Frankfurt als auch für den Maintaler und den Hanauer Teil liegen die Pläne vor. Sie sind sogar schon für die Öffentlichkeit ausgelegt worden, so dass jeder, der sich betroffen fühlt oder sich einfach nur informieren wollte, Einsicht nehmen konnte.

          Anhörungen zu den Bauprojekten

          Für alle drei Abschnitte hat es zudem jeweils eine Anhörung gegeben, in der die Ämter sowie Anlieger oder Verbände ihre Einwände erheben konnten. Am weitesten in der Planung ist laut Bahn der Abschnitt Maintal. Dahingegen müssten die Pläne für den Abschnitt Hanau noch umfangreich überarbeitet werden. Das Regierungspräsidium rechnet deshalb mit einer zweiten Anhörung für diesen Teil der Strecke.

          Für den Frankfurter Abschnitt gab es bei der ersten Anhörung im April 2016 von städtischer Seite vor allem Beanstandungen wegen des Grundwasser- und Bodenschutzes. In den vergangenen Monaten besserten die Planer der Bahn das Konzept nach. Gestern ging es um den Feinschliff. Fachleute der Wasserschutzbehörde trugen der Anhörungsleiterin Christine von Knebel vom Regierungspräsidium Darmstadt und den Vertretern der Bahn akribisch die in ihren Augen kritischen oder ungeklärten Punkte vor. Auch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt hat noch Bedenken, sie befürchtet Auswirkungen für die U-Bahn-Station Ostbahnhof.

          Das Regierungspräsidium ist jene Behörde, die die Anhörungen organisiert, doch sie gibt nicht die Genehmigung für das Projekt. Das obliegt dem Eisenbahn-Bundesamt in Bonn, dem Knebel und ihre Mitarbeiter die Ergebnisse der gestrigen Anhörung zukommen lassen werden. Die Veranstaltung im Haus Gallus wird heute fortgesetzt, dabei sollen die privaten Einwender zu Wort kommen.

          Zwei neue Stationen gebaut

          Der 7,4 Kilometer lange Frankfurter Abschnitt ist der komplizierteste Teil des Projekts, das zwischen 400 und 500 Millionen Euro kosten wird. Denn die S-Bahn-Strecke wird vom schon vorhandenen Abzweig des City-Tunnels auf Höhe der Grünen Straße in einen Tunnel geführt, der erst noch gebaut werden muss. Die Strecke führt weiter über den Ostbahnhof bis zum Ostpark. Danach soll die Bahn wieder an die Oberfläche kommen und bis zur Gemarkungsgrenze von Maintal weiterfahren.

          Zwei neue Stationen werden dafür gebaut. Die Station Frankfurt Ost soll in 19 Meter Tiefe unter dem heutigen Ostbahnhof in das Erdreich gemauert werden. Die neue Station Fechenheim, die den Bahnhof Mainkur ersetzen wird, ist dagegen oberirdisch geplant.

          Wer wie die Bahn lange Bahnsteige sowie Treppen und Aufzugsschächte tief unter dem Ostbahnhof bauen möchte, der blockiert oder verändert die Grundwasserströme. Nach der ersten Anhörung war die Bahn als Bauherr daher auch dazu verpflichtet worden, ein Grundwasser-Monitoring einzurichten. Damit soll ein Jahr vor Baubeginn, während der Bauarbeiten und danach beobachtet werden, ob es Veränderungen im Grundwasserspiegel gibt, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Tatsächlich plant die Bahn zahlreiche Messstellen, doch deren Zahl reicht der Wasserschutzbehörde nicht aus. Daran dürfte das Projekt aber nicht scheitern.

          Unterstützung für Hochhäuser

          Ein weiteres Hindernis hat Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) bereits vor geraumer Zeit aus dem Weg geräumt. Der Minister stellte einem Bauherrn, der im Frankfurter Osten ein Hochhaus baute, unter dem künftig der S-Bahn-Tunnel verlaufen soll, Geld des Landes zur Verfügung. Dieses Geld sollte der Bauherr in eine Bodenplatte zur Verstärkung des Hauses investieren.

          Wäre das nicht geschehen, müsste das Gebäude im Nachhinein mit großem Aufwand und auf Kosten der Steuerzahler gesichert werden. Diesen Schritt hat das Land auf eigenes Risiko unternommen, weil zu jenem Zeitpunkt längst noch nicht klar war, ob jemals gebaut werden würde.

          Nun stellt sich vor allem die Frage, wann mit den Bauarbeiten begonnen wird und wie lange sie andauern werden. Bei der Bahn, so ließ gestern einer ihrer Vertreter wissen, rechnet man mit sechs Jahren Bauzeit. Zumindest das steht einigermaßen fest.

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