https://www.faz.net/-gzg-93m65

Kommentar : Noch ist für Opel nichts gewonnen

Die Miene täuscht: Opel-Gesamtbetriebsratschef Schäfer-Klug ist erleichtert und froh über den Sanierungsplan Bild: Frank Röth

PSA-Chef Tavares hält den Sanierungsplan von Opel für ehrlich und robust. Robust muss er auch sein, denn nicht nur auf dem wichtigen Markt Großbritannien bläst Opel der Wind ins Gesicht.

          1 Min.

          Ob der eine oder andere Auto-Experte sich rückblickend lieber auf die Zunge gebissen hätte? Tatsache ist: Kaum war die Übernahme von Opel durch die Peugeot-Mutter PSA bekannt geworden, hatten sich die Prognostiker mit Katastrophen-Szenarien für den chronisch defizitären Autobauer aus Rüsselsheim überboten.

          Bis zu 6000 Arbeitsplätze könnten alsbald Geschichte sein, die Zukunft des Entwicklungszentrums sei offen. Und nun? Weder will die Marke mit dem Blitz betriebsbedingte Kündigungen aussprechen noch Werke schließen.

          Elektroauto-Offensive inklusive

          Vielmehr plant sie in Standorte zu investieren und neue Modelle auf den Markt zu bringen. Das schließt eine Elektroauto-Offensive ein. Das Entwicklungszentrum bekommt sogar neue Aufgaben. Dass sich die Betriebsräte angesichts dessen froh und erleichtert geben, versteht sich von selbst.

          Aufmerken lässt auch die Aussage des Chefs der Opel-Mutter PSA, das Zentrum der Entscheidungen für Opel wandere nicht vom GM-Sitz in Detroit nach Paris – vielmehr liege es künftig in Rüsselsheim. Carlos Tavares verhehlt aber nicht, dass er nun auch ein entschiedenes Management erwartet. Denn wirklich gewonnen ist für Opel noch nichts: Der Plan steht für den PSA-Chef nur für fünf Prozent der Arbeit, die die Hessen leisten müssen. Immerhin hält er nach seinen Worten das, was Opel-Chef Lohscheller vorgetragen hat, für „ehrlich und robust“.

          F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Robust muss der Plan auch sein, denn wegen der Folgen des Brexit-Votums bläst den Rüsselsheimern im wichtigen Markt Großbritannien der Wind voll ins Gesicht. Gesunkene Verkaufszahlen und ein schwaches Pfund erschweren die dringend erforderliche Ertragswende. Auch hierzulande nimmt Opel trotz der größten Modelloffensive seiner Geschichte nicht richtig Fahrt auf. Wo das Potential liegt, weiß Lohscheller selbst: Er will mehr sogenannte sportliche Geländewagen (SUV) bauen.

          Dass ein neuer SUV in Eisenach vom Band laufen soll und nicht wie bisher angekündigt am Stammsitz, ist aus hessischer Sicht ein Wermutstropfen. Rüsselsheim soll vom Ende des Jahrzehnts an zwar außer dem Insignia ein zweites Auto der oberen Mittelklasse bauen. Dieser Markt ist aber nicht einmal halb so groß wie jener für SUV.

          Umso spannender klingen die neuen Aufgaben für die Ingenieure, die Techniken für autonomes Fahren und alternative Antriebe wie die Brennstoffzelle entwickeln sollen. Das sei nicht zu unterschätzen, meint der Betriebsratsvorsitzende. Hoffentlich behält er recht.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Pornos drehen für den Master

          FAZ Plus Artikel: Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

          Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und Generalsekretär Paul Ziemiak beim digitalen Parteitag der CDU am Freitagabend.

          CDU-Parteitag : Die Kanzlerin spart sich das Lob

          Zu Beginn des CDU-Parteitags gibt es viel Schulterklopfen für die scheidende Vorsitzende Kramp-Karrenbauer – nur Angela Merkel spricht lieber über ihre eigenen Leistungen. Und Markus Söder vom spannenden Aufstieg.
          Trauer allerorten: In Brasielien nehmen die Totenzahlen zu.

          Chaos in Manaus : Brasilien von tödlicher Corona-Welle getroffen

          Den Krankenhäusern in Brasiliens Amazonas-Metropole Manaus geht der Sauerstoff aus. Schwerkranke Patienten werden nun per Charter-Maschine ausgeflogen. Und auch landesweit schnellen die Todeszahlen in die Höhe.
          Freundinnen: Luisa und Sophie wohnen zusammen in Frankfurt. Beide verdienen Geld mit Pornovideos, die sie selbst aufnehmen.

          Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

          Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.