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Nilgänse in Frankfurt : Lärm und Hunde sollen Gänse verscheuchen

Alle meine Gänschen: Im Brentanobad sind rund 40 Nilgänse zu Hause. Im Sommer haben sie dort ihren Nachwuchs aufgezogen. Nicht alle Badegäste finden das schön. Bild: dpa

Auch wenn sich die Badesaison dem Ende zuneigt, der Kampf gegen die Nilgänse geht weiter. Nun sollen sie Krach, Hunde und ungemähte Wiesen vertreiben. Aber das Grundübel für die Verbreitung der Tiere liegt woanders.

          Mit dem Ausklang des Hochsommers rückt für die Betreiber von Freibädern und Badeseen ein Problem allmählich in den Hintergrund, dass sie in diesem Sommer so sehr beschäftigt hat wie nie zuvor: Wildgänse aller Art, die sich auf Liegewiesen tummeln und zur Abkühlung ins Wasser gehen, gleichgültig, ob Badende anwesend sind oder nicht. Vor allem die Nilgänse haben Frank Müller, den Chef der Bäderbetriebe, in den vergangenen Wochen beschäftigt. Mehr als 120Vögel hätten seine Mitarbeiter in den drei besonders betroffenen Freibädern gezählt. In fast gleich großen Gruppen seien die Gänse im Brentanobad, im Riedbad in Bergen-Enkheim und im Eschersheimer Freibad zu finden. Dabei machen Müller weniger die Tiere selbst Sorgen als die großen Mengen Kot, die sie ausscheiden.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Langener Waldsee haben sich die heimischen Graugänse und die noch etwas größeren Kanadagänse zur Plage entwickelt. Hatte es bisher genügt, am frühen Morgen, ehe die ersten Badegäste kommen, alle Hinterlassenschaften der Tiere zu beseitigen, so hat Michael Krauß, der bei der Stadt Langen für den Bäderbetrieb zuständig ist, in diesem Sommer eine zweite Reinigung am Abend veranlassen müssen. Ursache ist Krauß zufolge, dass die Gänse ausgiebig gefüttert werden und zu viele Essensreste am Strand liegen bleiben.

          Zweifel an Hygiene in den Freizeitbädern

          Auch im Langener Freizeit- und Familienbad hat Krauß beobachtet, dass sich Nilgänse auf Wiesen und im Becken wohl fühlen. Noch sind es erst ein bis zwei Paare, die sich dort tummeln, doch Krauß weiß, dass sich die Nilgänse vermehren wie Karnickel. Vor allem verrichten sie ihr Geschäft auch im Wasser, was viele Badende abschreckt und sie daran zweifeln lässt, dass die hygienischen Standards eingehalten werden.

          Das Frankfurter Gesundheitsamt gibt Entwarnung. Das Chlor verhindere die Ausbreitung von Keimen, heißt es; das Wasser sei gesundheitlich unbedenklich. Bei Messungen seien keine erhöhten Keimzahlen festgestellt worden.

          Gert Trinklein, FDP-Stadtverordneter im Römer, will sich damit nicht zufrieden geben. Die Stadt, fordert er, müsse sich etwas einfallen lassen, um mit dem Gänse-Problem fertig zu werden. Denn niemand wolle seine Bahnen schwimmen oder Kinder im Wasser planschen lassen, „wenn ringsherum der Kot von Nilgänsen schwimmt“.

          Gänse lassen sich von Badenden nicht stören

          Voraussichtlich in zwei Wochen ist es mit dem Baden im Freien erst einmal vorbei. Dann schließen die Freibäder, und auch am Langener Waldsee wird die Saison am 13.September beendet. Während in Langen die Vögel dann das Revier wieder ganz für sich haben werden, will Frank Müller die Liegewiesen der drei Frankfurter Freibäder nicht einfach den Nilgänsen überlassen.

          Das sei bisher die Schwierigkeit gewesen, bestätigt Christa Mehl-Rouschal von der Unteren Naturschutzbehörde. Die Tiere richteten sich schon zeitig im Frühjahr in den Freibädern ein und ließen sich dann offensichtlich auch von den Badegästen nicht mehr vertreiben. Manche Gänse blieben gleich den ganzen Winter über in den Bädern, weil dort die Lebensbedingungen so gut seien. Kämen im Mai die Badegäste mit ihren vielen Lebensmitteln, die sie auf den Wiesen verzehrten, werde es für die Gänse geradezu paradiesisch.

          Lärm zeigt nur „ein bisschen Wirkung“

          Die Bäderbetriebe wie auch die Untere Naturschutzbehörde, die im engen Kontakt stehen, um das Problem zu lösen, setzen darauf, die Tiere zu vertreiben. „Vergrämung“ nennen das die Fachleute. Im Sommer haben die Mitarbeiter der Bäderbetriebe versucht, mit morgendlichem Krach die Tiere aufzuschrecken. Man habe die Rasenflächen oft gemäht und vertikutiert, „alles was Lärm macht, ist gemacht worden“, sagt Müller. „Das zeigt ein bisschen Wirkung.“

          Die Untere Naturschutzbehörde rät den Bäderbetrieben darüber hinaus, Hunde einzusetzen und mit ihnen morgens, wenn nötig auch abends, den Rasen abzugehen. Es gibt sogar Hunde, die speziell für das Verscheuchen von Gänsen ausgebildet sind, wie Müller erklärt. Er will in jedem Fall seine Mitarbeiter dazu anhalten, die Nilgänse auch nach Saisonende zu vertreiben. Gegebenenfalls will er im Frühjahr Hunde einsetzen. Denkbar sei auch, die Nester der Vögel zu plündern.

          Gänse meiden unübersichtliches Gelände

          Außerdem will Müller die Gänsepopulationen in den Freibädern stärker beobachten lassen, um festzustellen, wie viele Vögel es genau sind und wie sich ihre Zahl entwickelt. „Gefühlt gibt es immer mehr Tiere“, sagt er.

          In Parks könnten die Nilgänse nach Ansicht von Mehl-Rouschal von der Unteren Naturschutzbehörde auch dadurch vertrieben werden, dass man das Gras an einigen Stellen höher wachsen lasse. Die Gänse mieden unübersichtliches Gelände; im hohen Gras könnten sich schließlich Fressfeinde, also Füchse, verbergen.

          Offenbar nicht in Betracht kommt in Frankfurt, die Gänse abzuschießen. In der Innenstadt ist das Jagen ohnehin nicht erlaubt. „Das bringt auch gar nichts“, sagt Dagmar Stiefel, Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte. Wenn die Nilgänse bejagt würden, wachse die Population noch schneller. „Zwei erschossene Nilgänse werden durch vier Jungtiere ersetzt.“ Für Stiefel und Mehl-Rouschal besteht das Grundübel darin, dass die Tiere zu viel Nahrung finden. Es müsse dafür gesorgt werden, dass das Fütterungsverbot eingehalten werde.

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