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Ein Gespräch mit dem Nikolaus : „Am liebsten fahre ich Schlitten“

Von drauß’ vom Walde kommt er her: der Nikolaus leibhaftig Bild: Michael Kretzer

Der Nikolaus gibt nicht häufig Interviews, denn er ist schwer beschäftigt. Er will geduzt werden, lässt Knecht Ruprecht lieber zu Hause und mag keine Garnelen.

          2 Min.

          Herr Nikolaus ...

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bitte nicht so förmlich. Ich duze alle Menschen.

          Ich will nicht unhöflich sein. Aber gut: Der Weihnachtsmann wohnt bekanntlich am Nordpol. Du auch?

          Nein. Ich bin ein Weltenbummler und ständig unterwegs. Besonders in diesen Tagen. Ich schlafe kaum, bin Tag und Nacht auf Reisen, um die Kinder zu beschenken.

          Morgen ist Nikolaustag. Hast du Stress?

          In diesen Tagen habe ich alle Hände voll damit zu tun, Geschenke für die Kinder zu besorgen. Zugleich achte ich darauf, wie das ganze Jahr über, was die Kinder so tun.

          Ich soll dir von einem Kind ausrichten, dass du an den Besuch in seiner Kita denken sollst. Hast du das auf dem Schirm?

          Auf jeden Fall stelle ich in der Nikolausnacht etwas vor die Tür. Vielleicht schaffe ich es auch, es am Nikolaustag zu besuchen.

          Das nehme ich jetzt mal als Zusage. Soll es eher einen großen oder einen kleinen Stiefel rausstellen?

          Alle Kinder bekommen eine Kleinigkeit in den Stiefel. Die Größe des Stiefels entscheidet nicht über die Größe des Geschenkes.

          Du sollst in die Kita einen Kuchen mit Schokolade und Erdbeeren sowie geräucherte Garnelen mitbringen. Geht das?

          Das kann ich so nicht versprechen. Ich wüsste grad nicht, wo ich Garnelen herbekomme. Und Kuchen lässt sich in meinem Jutesack nicht gut transportieren. Ich habe meist Nüsse und Mandarinen dabei, manchmal auch kleine Geschenke und Süßigkeiten.

          Bringst du auch das Goldene Buch mit?

          Ja. Ich bin schon ein sehr alter Mann und kann mir nicht mehr alles so gut merken. Da muss ich mir natürlich Notizen machen.

          Was steht da drin?

          Alles, was im letzten Jahr so passiert ist. Ich achte zum Beispiel auf das Zähneputzen und wie gut man teilen kann. Negative Eigenschaften finden sich im Goldenen Buch nur selten.

          Du bist noch ziemlich analog unterwegs. Wann stellst du auf die digitalen Medien um?

          Ich bin eher altmodisch. Mit den digitalen Dingen kenne ich mich nicht gut aus.

          Wie alt bist du eigentlich?

          Geboren wurde ich in Myra in der heutigen Türkei vor langer, langer Zeit. Ich habe aufgehört, die Jahre zu zählen.

          Welche Kinder sind dir am liebsten?

          Ich mag alle Kinder. Viele basteln mir etwas, singen oder sagen ein Gedicht auf. Das finde ich immer besonders schön.

          Gibt es welche, die am Bart zupfen, weil sie glauben, dass er nicht echt ist?

          Ja, das kommt vor. Besonders, wenn sie in der dritten oder vierten Klasse sind. Aber die haben sich gewundert!

          Wie kommst du voran?

          Ich habe kein Auto und gehe meistens zu Fuß. Am liebsten fahre ich jedoch mit dem Schlitten. Aber in den letzten Jahren lag so selten Schnee, dass ich den Schlitten und die Rentiere immer wieder stehen lassen musste. Dann laufe ich. Sehr selten werde ich auch mal mit dem Auto oder der Bahn mitgenommen.

          Wie orientierst du dich? Mit Landkarten oder Google Maps?

          Was ist das denn? Durch all die Jahre auf Reisen habe ich mir die Straßen und Orte einprägen können.

          Hast du Helfer?

          Das hat sich etwas gewandelt. Ich gehe ein bisschen mit der Zeit. Ich habe gemerkt, dass Knecht Ruprecht bei den Kindern nicht so beliebt ist. Deswegen nehme ich den nur sehr selten mit. Engel begleiten mich gerne. Die helfen mir tragen.

          Was machst du den Rest des Jahres?

          Da beobachte ich, was die Kinder so tun.

          Kennst du den Weihnachtsmann privat?

          Ja, in der Tat. Manchmal begegnen wir uns, aber eher selten. Ich bin in Deutschland eher im Westen und Süden unterwegs, der Weihnachtsmann im Norden und Osten. Es gibt auch Menschen, die uns verwechseln. Das amüsiert uns immer sehr.

          Unter Kollegen tauscht man sich aus?

          Ich habe ein gutes Verhältnis zum Weihnachtsmann. Manchmal gebe ich ihm auch meinen Wunschzettel weiter. Alle Wünsche kann ich nämlich nicht erfüllen. Die Wunschzettel werden immer länger, das schaffe ich nicht alles. Manchmal gebe ich deshalb dem Weihnachtsmann Tipps. Soweit ich das gehört habe, finden die Kinder das ganz gut.

          Kannst du ihm bitte etwas ausrichten? Die Tochter eines Kollegen wünscht sich für ihren kleinen Bruder eine Puppe und Bauklötze, damit er nicht immer ihre Sachen nimmt. Und für sich selbst ein Abspielgerät für Hörbücher.

          Von Hörbüchern halte ich sehr viel. Dass sie an ihren Bruder denkt, finde ich auch gut. Die Chancen stehen sehr gut, dass die Wünsche in Erfüllung gehen.

          Zur Person

          Ja, den Nikolaus gibt es wirklich: Er heißt Winfried Keuthage, kommt aus Münster und führt hauptberuflich eine Arztpraxis für Diabetes und Ernährungsmedizin. Seit 30 Jahren beglückt der passionierte Nikolaus- und Weihnachtsmanndarsteller schon die Kinder. Über die Online-Plattform nikolaus-zentrale.de vermittelt er zudem Kollegen, die im ganzen Land im Einsatz sind. Auch im Rhein-Main-Gebiet bietet ein Dutzend Nikoläuse seine Dienste für Weihnachtsfeiern und Familienfeste an.

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